Wer soll das alles lesen, wer soll das alles trinken?

In jedem Frühjahr harret die Gemeinde auf den Weinbrief aus dem Hause Stein. Neben einem Rückblick auf Wetter, Besonderheiten und Bemerkenswertes des vergangenen Jahres enthält der Weinbrief auch immer qualifizierte Beiträge rund um das Thema Wein.
Wir wünschen viel Vergnügen – beim lesen wie beim trinken.

Weinbrief 2020 | Naturweine, Elbling

Liebe Freundinnen und Freunde des  guten Geschmacks,

Auch der zurückliegende Jahrgang gehört zu den sehr guten - aber auch sehr trockenen - Weinjahren. 2019 war in dieser Dekade bereits das siebte Extremjahr und verdeutlicht besonders drastisch den Klimawandel. Der lange  Sommer war - wie 2018 - geprägt durch viel Sonnenschein, extreme Hitze und anhaltende Dürre.

Während die tief wurzelnden alten Rebstöcke die anhaltende Trockenheit recht gut überstanden haben, stellten jüngere Reben ihr Wachstum teilweise ein oder sind sogar ganz vertrocknet.

Das beständig hochsommerliche Wetter führte zu einer frühen Rebblüte Ende Mai / Anfang Juni und beschleunigte die weitere Traubenentwicklung. Starke Niederschläge Mitte  August und Anfang September beendeten zwar die Trockenphase, hatten aber negative Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Trauben und ein früher Lesebeginn zeichnete sich ab.  Bei Sonnenschein und hohen Temperaturen produzieren die grünen Rebblätter besonders viel Zucker (Oechsle), der dann sehr früh in die Trauben eingelagert wird - gleichzeitig wird Säure abgebaut. Um nicht zu hohe Oechslegrade bei zu wenig Säure zu erhalten und vor allem möglichst gesunde Trauben zu ernten, musste früh und streng selektiv gelesen werden.

Für unsere leichten, fruchtigen Rieslinge und die eleganten Spätburgunder-Rotweine, waren die Trauben bereits Ende September/Anfang Oktober perfekt reif.

Die opulenteren Weine wie Steinlaus und Hölle 1900 und den robusten Cabernet ernteten wir dagegen erst zwei bis drei Wochen später. Der zunehmende Botrytisbefall führte zu Ertragseinbußen und machte in allen Qualitätsbereichen eine strenge und sehr arbeitsaufwendige, selektive Handlese notwendig.

Während im ähnlich heißen Jahr 2018 komplett gesunde Trauben ohne jegliche Vorselektion in ausreichenden Mengen geerntet werden konnten, war in 2019 der Ertrag um 40 Prozent reduziert. Dafür zeichnen sich die neuen Weine durch etwas weniger Alkohol bei leicht erhöhten Säurewerten aus und repräsentieren erneut das große Potential und die Bandbreite des Rieslings und Spätburgunders aus Schiefersteillagen.

Die fünfte kleine Ernte in diesem Jahrzehnt macht es leider unumgänglich, die Flaschenpreise den weiter gestiegenen Produktionskosten anzupassen. Vor allem in den terrassierten Steilstlagen Himmelreich, Palmberg und der „Kleinen Hölle“, wachsen die sehr alten Reben in der sogenannten Einzelpfahlerziehung und müssen in mühsamer Handarbeit gepflegt und gehegt werden. Da wir die Natur und unsere Mitarbeiter gleichermaßen fair behandeln, das heißt keine umweltschädlichen Mittel ausbringen und angemessene Löhne zahlen, entstehen bei kleinen Erträgen höhere Kosten pro Flasche. Zum Vergleich: in unseren Terrassenlagen liegt der durchschnittliche Ertrag bei ca. 4000 Liter und der Arbeitsaufwand bei ca. 2000 Stunden pro Hektar und Jahr; im vollmechanisierten Weinbau in Flachlagen wird die doppelte bis dreifache Weinmenge in 100 bis 200 Stunden produziert.

In den letzten Jahren haben sich einige Trinkgewohnheiten, Kommunikations- und Absatzwege sowie weingesetzliche Vorgaben verändert. Dem wollen und müssen wir mit einer etwas anderen Weinbereitung, der Umgestaltung bzw. Neuordnung von Etiketten und Preisliste und einer neuen Homepage, verstärkt Rechnung tragen.

Der neue Internetauftritt wurde von Ruth Schiffer konzipiert und eingerichtet. Die Seite befindet sich im Auf- und Ausbau, Sie finden dort schon jetzt kompakte Informationen zu Anbau und Ausbau von Wein, den neuen Weinshop und sämtliche Weinbriefe ab dem Jahr 2000.

Was die Weinbereitung angeht, werden im In- und Ausland leichte, frische, spritzige und fruchtige Alltagsweine immer mehr geschätzt, dagegen sehr säurebetonte, strenge, reife und schwere Weine weniger konsumiert. Dies gilt - mit gewissen Einschränkungen - mittlerweile auch für Rotweine.

Eine ganz andere, gleichermaßen neue wie spannende, Entwicklung findet im Bereich der sogenannten „Naturweine“ statt. In nahezu allen Weinbau treibenden Ländern, vor allem in Georgien, Österreich, Italien, Spanien und Frankreich, praktizieren viele, vor allem jüngere Winzerinnen und Winzer, diesen etwas anderen Ausbaustil. Da sich auch unser neuer Mitarbeiter  und designierter Betriebsnachfolger Philip Lardot erfolgreich daran orientiert, kommt den Naturweinen auch bei uns zukünftig eine etwas größere Bedeutung zu. Dabei sind zwei Dinge allerdings ganz wichtig: Erstens werden wir auch zukünftig  den bewährten – und auch von Philip geschätzten - Steinwein-Stil (leicht, frisch, fruchtig und elegant) weiter pflegen. Zweitens sind die von ihm und von uns produzierten „Naturweine“ zwar geschmacklich anders und ungewohnt, aber weit entfernt von modischen Getränken, die einfach nur oxidativ, trüb und kaum genießbar sind.

Gut gemachte Naturweine können, zum Beispiel als Essensbegleiter, vollkommen neue Geschmackswelten erschließen.

Dazu ein Zitat aus dem letzten Weinbrief:

„In der Weinliste finden Sie unter der neuen Rubrik "Grenzgänger" Weine, die sowohl im Hinblick auf Produktion als auch Geschmack, sehr ungewöhnlich sind. Es gab bis vor 100 Jahren keine Schichtenfilter und elektrischen Pumpen und es war durchaus üblich, Weine im Holzfass (Tanks kamen auch erst später) über mehrere Jahre auf der Hefe reifen zu lassen und sie,  manchmal auch ohne Zusatz von schwefliger Säure, unfiltriert abzufüllen.

Wir haben uns an diesen alten Verfahren  orientiert und erstmals im Jahre 2007, verstärkt seit 2011, hochwertige Rieslinge entsprechend ausgebaut und 2017 den ersten Spätburgunder unter dem Namen REDVOLUTION abgefüllt.

Da die Weine nicht dem üblichen deutschen Geschmacksbild entsprechen und außerdem oft eine ganz leichte Naturtrübung aufweisen, wurden diese auf der amtlichen Prüfstelle mal abgelehnt, mal positiv beschieden. Wir haben uns angesichts dieser Unwägbarkeiten entschlossen, zukünftig auf die amtliche Prüfung zu verzichten und die "Grenzgänger" als Landweine ohne Prüfnummer zu vermarkten. Leider darf beim Landwein, auch wenn die Trauben zu 100 Prozent aus einer Lage stammen, diese nicht auf dem Etikett stehen, d.h. wir müssen auf den Lagenamen verzichten.

Die hohe Ausgangsqualität des Lesegutes und vor allem der lange Hefekontakt während des Ausbaues in kleinen Holzfässern verleiht diesen komplexen Weinen eine außergewöhnliche Stabilität - und das ohne zugesetzte Sulfite. Die bisher produzierten Weine haben auch nach einigen Jahren Flaschenreife ihre Kraft und Vielschichtigkeit bewahrt.“

Wir haben 2018 unter der Bezeichnung Stein & Lardot  einen neuen Schaumwein Pét-Nat produziert, einen hochwertigen St. Aldegunder Himmelreich Kabinett, der gegen Ende der Gärung direkt aus dem Holzfass in druckstabile Sektflaschen abgefüllt und mit Kronkorken verschlossen wurde. Die beabsichtigte weitere Gärung in der Flasche  hat allerdings länger gedauert als geplant und ist auch nicht vollständig abgelaufen: deshalb kommt der neue feinherbe Schaumwein auch erst jetzt in den Verkauf.

Die Weingesetzgebung schreibt immer strenger vor, was und wie auf einem Etikett zu stehen hat. Dabei kommt es zu gleichermaßen kuriosen wie ärgerlichen Vorgaben: so ist z.B. bei der Angabe des Alkoholgehaltes die Schriftgröße millimetergenau geregelt (mindestens 3 mm), der Alkoholgehalt selbst darf dagegen nicht exakt angeben werden, sondern muss auf die halbe Stelle auf oder abgerundet werden, d.h. bei einem Wein mit beispielsweise 11,4 % Alkohol muss entweder 11% oder 11,5% auf dem Etikett stehen, aber nicht die tatsächlichen 11,4% ! Die Wege der Weinbürokratie sind unergründlich.

Da viele vorgeschriebene Angaben eher nachrangig sind und wir eine übersichtlichere Anordnung der wichtigen Begriffe haben wollten, haben wir unseren „Farb- und Stilberater“, den Graphiker und Maler Johannes Nawrath (www.johannes-nawrath.de) beauftragt, neue Etiketten zu gestalten. Die  Informationen wie Jahrgang, Lage, Rebsorte und Geschmack sind prominent im Blickfeld, das „Kleingedruckte“ steht nun auf der Seite.

Die neuen Etiketten machen unsere Qualitätspyramide jetzt auch optisch sichtbar.

Farblich abgestuft finden Sie Basisweine (den trockenen Riesling „Traubenflüsterer“, den feinherben Riesling Weihwasser, den trockenen Rosé mit dem neuen Namen La Vie und als einfachen Rotwein den trockene Cuveé X. In der nächsten Kategorie sind die trockenen Rieslinge Blauschiefer, Alfer Hölle, Domwein und - erstmalig - ein trockener Elbling zu finden.

Die Spitzenklasse umfasst trockene und  feinherbe Riesling Kabinettweine und Spätlesen, gegebenenfalls edelsüße Spezialitäten und die anderen Rotweine.

Und jetzt zu unserer neuesten Kreation Elbling! Im vergangenen Jahr hat ein befreundeter Winzer, der immer noch sehr aktive 83jährige Ewald Scherrer, uns seine Weinberge in St. Aldegund verpachtet. Zu seinem Besitz gehört auch ein Weinberg in der Lage „St. Aldegunder Himmelreich“, der mit wurzelechten Eblingreben bestockt ist. Der Weinberg wurde von Ewald im Jahre 1951, (dem Geburtsjahr des Verfassers dieser Zeilen) gepflanzt und gehört damit zu den ältesten Elbling-Weinbergen Deutschlands.
Elbling (von lat. albus, weiß) wurde bereits von den Römern im Moselgebiet als Vitis alba angebaut. Er war bis ins Mittelalter die häufigste deutsche Rebsorte und wurde erst im 17. Jahrhundert zunehmend durch die qualitativ hochwertigeren Sorten Riesling, Silvaner und Traminer verdrängt. Heute sind in Deutschland - überwiegend an der Obermosel im Raum Trier - mit 580 Hektar nur noch 0,6% der deutschen Rebfläche mit der robusten Rebsorte bestockt. Die säurebetonten, großen Trauben ergeben in der Regel einen unkomplizierten, trockenen, eher leichten Weißwein, der sich auch hervorragend zur Sektherstellung eignet.
Es hat uns sehr gereizt, von diesen alten Reben einen neuen Steinwein zu produzieren, den wir möglichst bald mit Ihnen / Euch gemeinsam probieren möchten.

Wir wünschen in diesen schwierigen Corona-Zeiten alles Gute.

Mit freundlichen Moselgrüßen

Ulrich und Peter Stein, Ruth Schiffer und Philip Lardot

 

Eine weitere wichtige Neuerung:

Der Versand innerhalb Deutschlands ist zukünftig ab 12 Flaschen versandkostenfrei.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder mail an peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119

 

 

 

Weinbrief 2018 | Preisgestaltung, Grenzgänger

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

wie die Jahrgänge 2010, 2013, 2014 und 2016 wird auch der 2017er als Extremjahr in die Weinbaugeschichte eingehen. Der Klimawandel macht sich immer gravierender bemerkbar.

Nach einem trockenen und kalten Winter führte warmes Sommerwetter im März zu einem sehr frühen Austrieb der Reben. Leider kam es in der Nacht zum 20. April bei Temperaturen von bis zu -5 Grad in ganz Deutschland zu starken Frostschäden im Obst-, Wein- und Gartenbau. Die Schäden an den jungen Trieben und Blüten betrugen teilweise bis zu 100 Prozent. In unseren Weinbergen sind von den 3000 im letzten Jahr gepflanzten Jungreben mehr als die Hälfte erfroren; bei den älteren Ertragsreben waren 30 - 50 Prozent der jungen Triebe geschädigt. Weiterhin machte eine extreme Trockenheit (es hat 10 Wochen nicht geregnet) den Reben das Leben schwer, d.h. eine sehr kleine Erntemenge in 2017 war vorprogrammiert. Der Mai war durchwachsen, Juni und Juli sehr warm und im August führten Starkregen und Hagel zu weiteren Schäden. Die anhaltend feuchtwarme Witterung verursachte außerdem eine frühe Fäulnis und Reife der Trauben, so daß in vielen Betrieben bereits Mitte September mit der Rieslinglese begonnen und diesselbe Anfang Oktober schon beendet war. Gegen Ende September stabilisierte sich das Wetter, die Reben entwickelten sich gut weiter und wir konnten nach intensiver Vorlese noch bis zum 20. Oktober gesunde und reife Trauben aller Qualitätsstufen ernten. Trotzdem war es auch für uns die früheste und ertragsärmste Lese aller Zeiten!                      

Nach den kleinen Ernten 2010, 2013, 2014 und 2016 war auch im letzten Jahr der Ertrag (und damit auch die Einnahmen) um etwa ein Drittel reduziert. Gleichzeitig haben sich seit 2010 die Preise für Korken, Flaschen, Kartonagen, Energie usw. um ungefähr den gleichen Anteil erhöht. Wir haben aus diesen Gründen unsere Flaschenpreise angleichen müssen. Die besonders arbeitsintensiven und nur in kleinen Mengen vorhandenen Spitzenprodukte sind etwas teurer geworden. Die mittleren Qualitäten bleiben weitgehend unverändert und die Basisweine wie z. B. Traubenflüsterer und Blauschiefer werden erstmals seit 2010 leicht angehoben. Wir zählen zu den glücklichen Menschen, die in einer wunderbaren Landschaft leben und dazu einen Beruf ausüben, der ungeheuren Spaß macht, aber auch bei uns muss die Kasse stimmen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass Letzteres auch für unsere Kunden von Bedeutung ist. Für alle Weine gilt, dass der für uns notwendige "Deckungsbeitrag" weder durch höhere Erträge (abnehmende Qualität) noch durch eine Senkung der Produktionskosten (geringere Löhne) zu erzielen ist. Dazu kommt der Faktor Zeit: In den letzten Jahrzehnten sind nicht nur wir, sondern auch unsere Reben entsprechend älter geworden. Bei letzteren hat dies zur Folge, dass der Ertrag ab- und die Qualität zunimmt, was wiederum eine wichtige Voraussetzung für die Erzeugung von guten Weinen ist.

Deren Produktion bleibt in den landschaftsprägenden Schiefer-Steillagen der Mosel harte Handarbeit. Und das ist auch gut so! Wir haben nichts gegen eine maßvolle Mechanisierung durch Flurbereinigung und Parzellenzusammenlegung, die Rücksicht auf den Charakter der Landschaft nimmt, sehr wohl aber etwas gegen das Mechanisieren um jeden Preis. Es sind die Kurven und "Umwege", die der Fluß macht, die krummen und buckligen Trockenmauern, die Unebenheiten und Felsköpfe, die in den Steillagen aus dem Boden ragen, die den Reiz unserer Kulturlandschaft (mit) ausmachen. Für uns sind das "Wegmarken" und "Zeitzeichen", für andere lediglich Hindernisse, die beseitigt oder begradigt werden müssen, damit effizienter und schneller gearbeitet werden kann. So wurden in den letzten Jahren über 800.000.- Euro Steuergelder zur Entwicklung eines Steillagen-Traubenvollernters ver(sch)wendet, der natürlich nur dort eingesetzt werden kann, wo es keine Hindernisse mehr gibt.

Das Ziel dieser Maßnahmen heißt: Produktionskosten senken - Rentabilität erhöhen. Der Preis dafür ist der Verlust von Individualität, sowohl der Landschaft als auch des Weines. Wir bleiben bei unserer selektiven Handlese und verzichten auch auf den Einsatz einer "Beerensortiermaschine". Wir zahlen lieber unseren Mitarbeitern ein gutes Gehalt. Und weil unsere Kunden dies mittragen und für einen individuellen Wein, der fair und umweltgerecht produziert wurde, einen angemessenen Preis bezahlen, können wir auch wie zu Römers Zeiten weiterhin mit der Hacke unsere Weinberge bearbeiten.

In der Weinliste finden Sie unter der neuen Rubrik "Grenzgänger" Rieslinge, die sowohl im Hinblick auf Ausbau und Geschmack, sehr ungewöhnlich sind. Dabei geht es nicht darum, unbedingt etwas "Neues" zu kreieren, sondern mehr darum, "Altes" wieder aufleben zu lassen bzw. an alte Zeiten und vergessene Traditionen anzuknüpfen. So wurden zum Beispiel bis in die 1920er Jahre die meisten Weine nicht oder nur grob filtriert abgefüllt und nicht gepumpt - einfach deshalb, weil es Weinfilter und Pumpen noch nicht gab. Es war auch durchaus üblich, Weine im Holzfass über mehrere Jahre auf der Hefe reifen zu lassen und sie dann, ohne Zusatz von schwefliger Säure (Sulfite) abzufüllen. Wir haben uns an diesen alten Verfahren orientiert und erstmals im Jahre 2007 eine Klosterkammer Spätlese nach 2 Jahren Hefelager abgefüllt. In den folgenden Jahren wurden weitere Raritäten kreiert, bei deren Produktion wir uns ebenfalls viel Zeit gelassen haben. Zwei dieser besonderen Weine haben wir unseren Eltern zum 90igsten Geburtstag gewidmet. Urgestein "Erna" war ein besonders hochwertiger 2009er Sekt, der sich großer Beliebtheit erfreute und in Erinnerung an die Winzerin auch weiterhin produziert wird.

Auch auf das Urgestein "Heinrich" können Sie sich freuen. Nach dem 2011er und 2012er ist ein 2015er Auslesemost im gebrauchten Barrique-Faß spontan, d.h. ohne Zusatz von Reinzuchthefe, vergoren worden. Nach einem Hefelager von 30 Monaten wurde der Riesling mit einem Schlauch per Falldruck von den abgesetzten Hefen abgetrennt und ohne Pumpen und Filtration - und vor allem ohne Zusatz von Sulfiten - wiederum per Falldruck abgefüllt. Des weiteren haben wir eine hochwertige 2015er Palmberg Riesling Spätlese nach dem Entrappen (wie bei einem Rotwein!) 14 Tage auf der Maische vergoren und nach obiger Methode weiter ausgebaut und einem 2016er Riesling *** aus der Alfer Hölle den gleichen Weinausbau angedeihen lassen. Die hohe Ausgangsqualität des Lesegutes und vor allem der lange Hefekontakt während des Ausbaues in kleinen Holzfässern verleiht diesen komplexen Weinen eine außergewöhnliche Stabilität - und das ohne zugesetzte Sulfite. Die bisher produzierten Weine haben auch nach einigen Jahren Flaschenreife ihre Kraft und Vielschichtigkeit bewahrt. Wir vermarkten die "Grenzgängerweine" nicht als Spät- oder Auslesen, sondern als Qualitätsweine mit Sternen, weil sie sich geschmacklich doch sehr von den "traditionellen" Prädikatsweinen unterscheiden. Obwohl wir alle Weine sehr schonend ausbauen und auf Zusätze jeder Art verzichten, filtrieren wir üblicherweise mindestens einmal (Klarheit) und stabilisieren mit einer minimalen Schwefelzugabe. Sulfite werden in der Kellerwirtschaft in verschiedenen Stadien der Weinbereitung (Maische, Most), in der Regel aber erst nach der Gärung, angewandt. Sie erfüllen drei wichtige Aufgaben: Bindung von schmeckbaren Gärungsprodukten, Verhinderung von Oxidationsprozessen und Hemmung der Aktivität von Hefen und Bakterien. Die geringe Sulfitzugabe bei unserem "normalen" Weinausbau schützt die Weine vor Oxidation und damit frühzeitiger Alterung und maskiert verschiedene Gärungsnebenprodukte. Diese können sich bei den "Grenzgängern" dagegen freier entfalten und sich geschmacklich stärker ausprägen.

Eine ganz andere Neuerung betrifft die Ausstattung unserer Flaschen. Wir wollen zukünftig keine Kapseln mehr verwenden und hoffen für diese Maßnahme auf Ihr Verständnis. Die Kapsel beeinflusst, im Gegensatz zum Verschluss, nicht die Weinqualität und dient lediglich der Dekoration. Wir sehen im Verzicht darauf einen Beitrag zur Vermeidung unnötigen Plastikmülls - und sparen außerdem noch Zeit und Geld.

Und ganz zum Schluss noch eine besonders gute Nachricht: Seit dem letzten Sommer arbeitet ein junger Mann in unserem Betrieb, der zukünftig immer mehr Arbeit übernehmen soll. Philip Lardot ist 29 Jahre alt, gebürtiger Finne (!) spricht 5 Sprachen, hat die Welt kennen- und den Steillagenweinbau an der Mosel lieben gelernt. Er hat eine exzellente Probe, produziert bereits seine eigenen, hervorragenden Weine, hat weitreichende fachliche Kenntnisse und kann obendrein noch sehr gut kochen. Philip hat Humor und das Herz auf dem rechten Fleck. Kurzum: er ist die Idealbesetzung für unser Weingut.                        

Darauf möchten wir das Glas erheben und mit dem spannenden 2017er auf Ihre und unsere Zukunft trinken.

Mit freundlichen Moselgrüßen

Ulrich und Peter Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

Wenn Sie in unseren mail-Verteiler aufgenommen werden möchten:

mail an ulrich.stein@stein-weine. de

Unser Kulturprogramm finden Sie als pdf unter www.stein-weine.de

Weinbrief 2016 | Säure, Schwefel, Red light

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

leider beginnt auch der diesjährige Weinbrief mit einer traurigen Nachricht. In der Nacht zum 24. Januar 2016 ist unsere Mutter Erna Stein in ihrem 92. Lebensjahr zu Hause friedlich eingeschlafen. Erna hat uns alle mit ihrer Gastfreundschaft, ihrer Liebe, Fürsorge und Heiterkeit beschenkt - wir denken an eine starke, mutige und herzliche Frau. Die Erinnerung an die beiden "Urgesteine" und an viele gemeinsame schöne Stunden werden uns auch weiterhin begleiten.

Der zurückliegende Jahrgang wird, wie die Topjahre 1953, 1959, 1976 und 2003, als sehr gutes - aber auch extremes - Trockenjahr in die Weinbaugeschichte eingehen.

Der Winter fand wieder mal nicht statt und ein warmes Frühjahr führte zu einem zügigen Austrieb der Reben. Der Mai war durchwachsen, der Juni durchschnittlich und der Juli sehr heiß. Zum Glück fielen Ende August - gerade noch rechtzeitig - vereinzelte Niederschläge und beendeten die Dürreperiode. Ab Mitte Oktober, mit Beginn unserer Riesling Hauptlese, bis zum 10. November, sorgte trockenes und sonniges Herbstwetter für eine sehr gute Reifeentwicklung und eine entspannte Lese gesunder und vollreifer Trauben in allen Qualitätsstufen.

Trotz des nachfolgend schönen Herbstwetters ernteten die meisten Winzer ihre Trauben bereits in der ersten Oktoberhälfte und mussten sich demzufolge mit durchschnittlichen Qualitäten zufrieden geben. Wir folgten unserer bewährten Strategie, Trauben in ihrem möglichst optimalen, physiologischen Reifezustand zu ernten. Die perfekte Balance zwischen ausreichend hohen Mostgewichten und Extrakten, einem fein ausgeprägten, sortentypischen Aroma und einer harmonischen Säure, wird je nach gewünschtem Weintyp zu unterschiedlichen Zeiten erreicht. Für unsere leichten, rassigen Kabinettweine waren die Trauben um den 20. Oktober perfekt reif, die opulente Steinlaus aus dem Palmberg ernteten wir dagegen erst am 8. November. Um das stabile, sonnige Herbstwetter möglichst optimal zu nutzen, haben wir - zum ersten Mal seit dreißig Jahren - die Hauptlese Ende Oktober für eine Woche komplett ausgesetzt, um dann die allerbesten Trauben (Gernhardtwein, Hölle 1900, Cabernet und Merlot) in der ersten Novemberwoche zu ernten. Unsere örtliche Rhein-Zeitung berichtete in einem umfangreichen Artikel über die "späte Lese im Aldegunder Wingert" und der anwesende Journalist war von den vollreifen, goldgelben und gesunden Träubchen genauso begeistert wie wir.

Die daraus produzierten vollmundigen Weine repräsentieren das große Potential und die Bandbreite des Rieslings aus Schiefersteillagen genauso wie die leichten, fruchtigen "Alltagsweine". Letztere zeichnen sich, bei wenig Alkohol aber viel Geschmack, vor allem durch ihre rassige Säure aus. Diese wiederum ist, bei optimal geernteten Trauben von alten, wurzelechten Reben, durch den hohen Gehalt an Mineralien und Extraktstoffen geschmacklich gut abgepuffert. In Abhängigkeit von Klima, Reife, Ertrag, Sorte, Traubenbeschaffenheit und Lesezeitpunkt schwankt die Säure eines Riesling-Mostes in weiten Grenzen von 5 bis 25 Gramm pro Liter; die Durchschnittswerte liegen bei 8 bis 12 Gramm. Die wichtigsten Säuren sind die geschmacklich „positive“ Weinsäure (2-10 g/L) und die eher „negative“ Äpfelsäure (2-15 g/L). Die Summe aller sauren Substanzen wird als Gesamtsäure bezeichnet. Diese liegt im Most immer höher als im Wein vor, da während und nach der Gärung Weinsäure als Weinsteinkristall ausfällt und/oder Äpfelsäure durch spezielle Bakterien abgebaut wird. In der Regel verhalten sich Zucker- und Säuregehalt gegenläufig, d.h. bei hoher Reife ist die Säure eher niedrig und umgekehrt.

Geschmacklich negativ und auch magenstrapazierend sind vor allem Gerbsäuren, die beim Pressen der Trauben aus den Stielen in den Most übergehen. Deshalb werden bei uns die meisten Trauben in einem Entrapper von ihren Stielen getrennt und anschließend in einer pneumatischen Schlauchpresse schonend gekeltert. Trotz alledem kann, gerade beim Schoppenwein, von dem ja gerne mal ein Glas mehr getrunken wird, die knackige Rieslingsäure schon mal etwas "zwicken"; zumal mit zunehmendem Alter gewisse Fähigkeiten abnehmen, so unter anderem die Toleranz gegenüber Alkohol und Säure.

Eine Option wäre, einfach weniger zu trinken; eine ganz andere ist es, "angepasster" zu genießen. Wir empfehlen bei "Säureproblemen" unseren neuen, zarten und fruchtigen Sommerwein (65% Riesling, 35% Müller-Thurgau) zu probieren. Die von Natur aus säurearmen Müller-Thurgau-Trauben stammen aus einem über 30jährigen Weinberg unseres ehemaligen Lehrlings und geschätzten Kollegen Markus Busch aus Pünderich. Sie wurden von uns streng selektiv gelesen, entrappt und 20 Stunden gekühlt auf der Maische, d.h. im eigenen Saft, ziehen gelassen. Diese für einen einfachen Weißwein ungewöhnlich lange Maischestandzeit führte zu einer starken Extraktion von Farb- und Aromastoffen und Mineralien aus der Beerenhaut. Erstere intensivieren den Geschmack, letztere reduzieren die Säure.

Neben der Produktion moseltypischer, schlanker, rassig-eleganter Rieslinge macht es aber auch immer wieder Spaß, (Geschmacks-)Grenzen neu auszuloten.

In der Weinliste finden Sie unter der neuen Rubrik "Grenzgänger" Rieslinge, die sowohl im Hinblick auf Produktion als auch Geschmack, sehr ungewöhnlich sind. Dabei geht es nicht darum, unbedingt etwas "Neues" zu kreieren, sondern mehr darum, "Altes" wieder aufleben zu lassen bzw. an alte Zeiten und vergessene Traditionen anzuknüpfen.

So wurden zum Beispiel bis in die 1920er Jahre die meisten Weine unfiltriert (oder nur ganz grob filtriert) abgefüllt und nicht gepumpt - einfach deshalb, weil es Weinfilter und Pumpen noch nicht gab. Es war auch durchaus üblich, Weine im Holzfass (Tanks kamen auch erst später) über mehrere Jahre auf der Hefe reifen zu lassen und sie dann, ohne Zusatz von schwefliger Säure, unfiltriert abzufüllen. Wir haben uns an diesen alten Verfahren orientiert und erstmals im Jahre 2007 eine Klosterkammer Spätlese nach 2 Jahren Hefelager abgefüllt.

In 2014 haben wir zwei Raritäten kreiert, bei deren Produktion wir uns ebenfalls viel Zeit gelassen haben. Diese besonderen Weine haben wir damals unseren Eltern zum 90igsten Geburtstag gewidmet. Urgestein "Erna" war ein besonders hochwertiger 2009er Sekt, der sich großer Beliebtheit erfreute und in Erinnerung an die Winzerin auch weiterhin produziert wird. Leider kann die 2015er Jahrgangscuvée erst in 3-4 Jahren genossen werden.

Beim Urgestein "Heinrich" wurde ein sehr hochwertiger 2011er Spätlesemost im gebrauchten Barrique-Faß spontan, d.h. ohne Zusatz von Reinzuchthefe, vergoren. Nach einem Hefelager von 18 Monaten konnte der Riesling mit einem Schlauch per Falldruck von den abgesetzten Hefen abgetrennt werden. Nach weiteren 3 Monaten wurde der Wein ohne Filtration - und vor allem ohne Zusatz von Schwefliger Säure - wiederum per Falldruck abgefüllt.

Auch diesen Wein werden wir in Erinnerung an Heinrich in Zukunft produzieren, müssen aber auch auf das 2015er Urgestein noch zwei Jahre warten. Dafür kann man den etwas leichteren - aber nach gleicher Machart produzierten - 2014er Klosterkammer Qualitätswein *** (Nr. 14 U3) bereits jetzt schon probieren.

Zu diesem Thema ein Zitat aus dem Weinbrief 2013: "Wir sind gespannt, wie sich unser Experiment ohne zugesetzten Schwefel entwickeln wird. Im Moment präsentiert sich dieser außergewöhnliche Wein sehr gehaltvoll, etwas fremd aber hochinteressant. Da er nicht dem üblichen deutschen Geschmacksbild entspricht und außerdem eine ganz leichte Naturtrübung aufweist, wird er (vermutlich!) keine amtliche Prüfnummer erhalten. Wir bezeichnen ihn deshalb nicht als Spätlese sondern als Landwein der Mosel." Zu unserer Überraschung erhielt der Wein sowohl die amtliche Prüfnummer als auch das Prädikat Spätlese. Und geschmacklich hat er sich wunderbar entwickelt.

Obwohl wir alle Weine sehr schonend ausbauen und auf Zusätze jeder Art verzichten, filtrieren wir üblicherweise mindestens einmal (Klarheit) und stabilisieren mit einer minimalen Schwefelzugabe. SO2 wird in der Kellerwirtschaft in verschiedenen Stadien der Weinbereitung (Maische, Most), in der Regel aber erst nach der Gärung, angewandt. Sie erfüllt drei wichtige Aufgaben: Bindung von schmeckbaren Gärungsprodukten, Verhinderung von Oxidationsprozessen und Hemmung der Aktivität von Hefen und Bakterien.

Einen ganz anderen, aber gleichermaßen besonderen Weinausbau, haben wir erstmals bei einem 2007er Spätburgunder angewandt und im Herbst 2014 und im letzten Jahr weiter verfeinert. Der ausgebaute leichte und elegante Spätburgundertyp weckte die Aufmerksamkeit von Carsten Henn, einem versierten und ausgesprochen kenntnisreichen Buchautor und Weinjournalisten. Dieser hat die "Deutsche Weinentdeckungsgesellschaft" ins Leben gerufen - und seinen Mitgliedern 2015 als Entdeckung Nr. 7 einen Spätburgunder aus unserem Weingut offeriert:

"Red Light - oder wie der Pinot Noir zu tanzen anfing .... Ich wollte sehen, ob es ein rotes Gegenstück zu einem der großen, einzigartigen Meisterwerke deutscher Winzerkunst gibt: dem Riesling Kabinett. Früher dachte ich immer: Pinot Noir Kabinett kann nicht gehen,

11% Alkohol. Undenkbar! Aber die undenkbaren Weine sind ja genau diejenigen, die wir hier finden wollen. Ich suchte einen Winzer, der die Leichtigkeit des Weines versteht, für den Komplexität und Schwerelosigkeit keine widersprüchlichen Begriffe sind....Der Ausbau (Kaltmazeration, relativ kühle Gärtemperaturen, nicht zu lange Maischestandzeit, geringer Alkohol) führte dazu , das weniger "strenge" Tannine ausgelaugt wurden und Eleganz, Frucht und Finesse im Vordergrund stehen... Die Idee, dem leichten Riesling Kabinett eine vergleichbare, leichte rote Schwester an die Seite zu stellen, ist absolut aufgegangen. Es ist ein Wein, der tänzelt wie eine Ballerina, der flirrt, der anfangs ganz leicht wirkt, und nur wenn man genau hinschmeckt bemerkt man die Tiefe...Bei der Namensfindung war es Ulli Steins Frau Ruth Schiffer, die den Nagel auf den Kopf traf. Sie schrieb mir damals:..."ein Rotwein mit weniger Alkohol ist für uns Frauen eine Bereicherung; wir vertragen weniger als ihr, können also vom leichten ein Glas mehr trinken. Mit Zwinker auf antike Herrenwitze und Damen, die über sich selber lachen können, mein Namensvorschlag: Red Light."

Der Wein zeigt, dass wir einen Weintyp in Deutschland in Zukunft pflegen sollten, der uns so viel geben kann, einen Pinot Noir Kabinett, der uns auf leichte Art verführt..." und da ist er mit den aromatischen, gehaltvollen und rassigen 2015er Rieslingen (und anderen Spezialitäten) in bester Gesellschaft.

Wir erheben das Glas auf Heinrich und Erna und auf Sie, unsere treuen Weinfreunde.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

Wenn Sie in unseren mail-Verteiler aufgenommen werden möchten:

mail an ulrich.stein@stein-weine. de

Unser Kulturprogramm finden Sie als pdf unter www.stein-weine.de

Weinbrief 2014 | Vegetation, alte Reben

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

wie der Jahrgang 2010 wird auch der 2013er als absolutes Extremjahr in die Weinbaugeschichte eingehen.

Vor allem in den Riesling-Anbaugebieten von Rhein und Mosel wurde wieder eine erschreckend kleine Erntemenge eingebracht. Darüber hinaus kam es in vielen Lagen auf engstem Raum, von Weinberg zu Weinberg oder sogar innerhalb einer Parzelle, zu sehr starken Ertrags- und Qualitätsunterschieden. Die Ursache dafür war der extreme Witterungs- und Vegetationsverlauf des vergangenen Jahres.

Nach einem endlos langen und kalten Winter, der sich bis Mitte April hinzog, trieben die Reben Anfang Mai sehr spät aus. Der "Wonnemonat" versagte auf der ganzen Linie. Erst Mitte Juni führte warmes Wetter zum Beginn der Rebblüte, die allerdings durch eine erneute Regen- und Kältewelle zum Monatsende wieder stark verzögert wurde. Dadurch blieb ein Teil der Blüten unbefruchtet und es bildeten sich pro Traube weniger und kleinere Beeren aus, d.h. die späteren Ertragseinbußen waren gewissermaßen vorprogrammiert.

Anfang Juli stellte sich schlagartig wieder warmes und trockenes Wetter ein, die Reben blühten auch in den geringeren Lagen durch und das Traubenwachstum beschleunigte sich.

Der August war durchschnittlich, der September sehr wechselhaft und der Oktober insgesamt zu nass. Die schon geringen Erträge reduzierten sich überall, bei uns vor allem in der Alfer Hölle, durch einen Anfang Oktober einsetzenden massiven Botrytisbefall der reifenden Trauben. Zum Glück waren die letzten Oktobertage sonnig und trocken und wir konnten mit bis zu 20 Lesekräften insgesamt gute Qualitäten ernten - allerdings nur die Hälfte eines Durchschnittsjahres.

Die höheren Niederschläge zur Reifezeit verstärkten einerseits den Botrytisbefall aber auch die Produktion von Bukett- und Aromastoffen. Bei ausreichender Feuchtigkeit können die Rebwurzeln die vorhandenen Nährstoffe und Mineralien im Boden besser aufnehmen, in die Trauben transportieren und dort die Aromabildung positiv beeinflussen. Dies und die niedrigen Erträge führten zur Konzentration der Traubeninhaltsstoffe und erklären die hohen Extraktwerte und die ausgeprägte Fruchtigkeit der neuen Weine.

Die Rebe baute 2013 (ähnlich wie 2008) die vorhandene Säure später als in den Vorjahren ab. Erst Mitte Oktober lieferten die Trauben Moste mit einem harmonischen Zucker-Säureverhältnis, die zu rassigen, ausbalancierten Weinen ausgebaut werden konnten.

Um bei dem 2013er in den einzelnen Qualitätsstufen das Niveau der letzten Spitzenjahre zu halten, musste streng selektiert und auf die ganz hohen Prädikate zugunsten der mittleren und gehobenen verzichtet werden. Wo 2012 oder 2011 in den besten Weinbergen Auslesen und Viersterne-Weine erzeugt wurden, wuchsen 2013 – immerhin - feine Kabinett- und Zweisterne-Qualitätsweine; und im Palmberg und in der "Kleinen Hölle" sogar zwei wunderbare Spätlesen (die zur Zeit noch gären!)

Die Produktion rassiger, fruchtiger, möglichst alkoholarmer, trockener und feinherber Rieslingweine stand und steht in unserem Weingut im Vordergrund. Die Erzeugung dieses "leichten" Weintyps wird in den Zeiten des Klimawandels immer schwieriger und Kenntnisse zur Biologie der Rebe immer wichtiger. Um die komplexen physiologischen Vorgänge während der Vegetationsperiode verstehen und gegebenenfalls positiv beeinflussen zu können, muss man vor allem mit den Träubchen "sprechen".

Wir können das Wetter nicht ändern, aber es ist es durchaus möglich, auf die veränderten Bedingungen möglichst optimal zu reagieren. So haben wir, um eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten, den Humusgehalt unserer Schieferböden kontinuierlich erhöht. Um die Trauben vor "Sonnenbrand" zu schützen, wird im Sommer das Reblaub an der sonnenzugewandten Seite belassen und nur die Rückseite entblättert. Dadurch kommt Luft an die beschatteten Trauben, es entstehen weniger Pilzinfektionen und das feine Rieslingaroma wird nicht durch zu hohe Temperaturen in den Beeren zerstört. Da wir großen Wert auf physiologisch reife Trauben legen, die sich bei ausreichend hohen Mostgewichten vor allem durch ein ausgeprägtes Aroma und eine ausbalancierte, rassige Säure auszeichnen, haben wir den Lesezeitpunkt immer möglichst genau auf diese Parameter abgestimmt.

So wie alle Lebewesen folgen auch die Reben zwei wichtigen Aspekten der Evolution: Zum einen wird durch Vermehrung für das Überleben der Art gesorgt, zum anderen wird - möglichst gleichzeitig - das eigene Überleben gesichert. Wenns drauf ankommt, hat allerdings die Arterhaltung Vorrang vor dem Überleben des Individuums. Die Rebe kann im "Sommerkleid", d.h. im belaubten, grünen Zustand, in unseren Breiten nicht überleben und muss sich auf die kalte Jahreszeit einstellen. Die Ausbildung physiologisch reifer Trauben bzw. deren Rebkerne sichert die Erhaltung der Art. Die Reservestoffverlagerung aus den - nach der Lese - nutzlosen, vergilbenden Blättern in das Rebholz erhöht die Widerstandskraft und sichert das Überleben des Individuums. Eingriffe in diese natürliche Balance sind immer problematisch. Wird beispielsweise durch eine späte oder übermäßige Düngung - und damit Vitalisierung - die Alterung der Blätter verzögert, verzögert sich automatisch auch die Kern- und Beerenreife. Die Rebe "glaubt" den Winter noch in weiter Ferne und "sorgt" sich weniger um die Erhaltung der Art, d.h. der Reifeprozess wird verzögert. Das wiederum hat starke Auswirkungen auf die Produktion wertbestimmender Inhaltsstoffe der Beere und beeinflusst damit direkt die spätere Weinqualität.

Wir haben in unserem Weingut überwiegend alte, wurzelechte Reben im Anbau, die mit kleinen, gelben Trauben und geringen Erträgen schon bei relativ niedrigen Oechslegraden sehr früh und vermehrt die wichtigen Inhaltsstoffe bilden. Die Kraft dieser tief wurzelnden, alten Reben geht weniger in den Zuckerertrag sondern mehr in die Aromaproduktion. Sie sind in einer besseren physiologischen Balance als die modernen Hochleistungsklone.

Nur noch 1 Prozent der deutschen Rebfläche, d.h. 900 Hektar, sind mit Reben bestockt, die vor dem 2. Weltkrieg angepflanzt wurden. Davon wiederum sind rund 10 Prozent, also ca. 90 Hektar, vor dem 1. Weltkrieg angelegt und ganze 10 Hektar stammen aus dem vorletzten Jahrhundert.

Aus diesem Bestand uralter Reben konnten wir im Frühjahr 2011 einen extrem steilen, terrassierten Weinberg pachten, der, obwohl ca. 300 m entfernt, laut Lagenkataster zur „Alfer Hölle“ gehört. In dieser „kleinen Hölle“ wachsen 1200 wurzelechte Rieslingreben, die nachweislich im Jahre 1900 gepflanzt wurden.

Diese liefern im Durchschnitt 400 bis 500 Liter eines besonders extraktreichen, rassigen und eleganten Riesling-Weines, der unter dem Namen „Alfer Hölle 1900“ unser Sortiment bereichert. Die Originalillustration des Etiketts ist so alt wie die Reben.

In Zusammenarbeit mit führenden Rebexperten der Forschungsanstalt für Weinbau in Geisenheim haben wir in den letzten zwei Jahren die alten Reben durchselektioniert und 32 der besten Stöcke durch Stecklinge weiter vermehrt. Diese werden im Frühjahr gepflanzt und bilden das Fundament für eine neue Generation von Rieslingreben, die die genetisch fixierten positiven Eigenschaften der "Alten" mit der Vitalität der "Jugend" verknüpfen. Wir werden mit diesem Klon "Alfer Hölle 31" (der 31. Stock war der Allerbeste!) in den nächsten Jahren unsere ausgefallenen Stöcke ersetzen und einige Parzellen neu anlegen.

Diese jungen, alten Reben werden uns mit feinsten Trauben beglücken und gleichzeitig einen kleinen Beitrag zum Erhalt genetischer Vielfalt leisten, während immer mehr alte Obst- und Getreidesorten in den Kältekammern der Agrargroßkonzerne verschwinden.

Alte Kulturpflanzen sind oft resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge und können deswegen in der Regel auch umweltschonender angebaut werden. Die Idee, diese auch noch zu wohlschmeckenden Produkten zu verarbeiten und zu vertreiben, verfolgt nicht nur Manufactum sondern u.a. auch das Kopenhagener Restaurant "Noma", das drei Mal in Folge zum besten der Welt ernannt wurde. Die kreativen Köche und Sommeliers interessieren sich sehr für Weine von alten Reben und beziehen seit einigen Jahren Weine und Sekte von uns und begegnen diesen individuellen Rieslingen mit großer Wertschätzung.

Wir hoffen, dass uns Ihre gleichermaßen erhalten bleibt und trinken auf Ihr und unser Wohl - und das möglichst oft im Haus Waldfrieden, welches nun schon seit dreißig Jahren zum Weingut gehört. Wir haben zu diesem schönen Anlass die Alfer Hölle (13T4) mit einem eigenen Künstleretikett ausgestattet.

Zum Jubiläum hier ein Zitat aus dem Weinbrief über den 84er Jahrgang:

Schon wieder einmal gibt es über den zurückliegenden Weinjahrgang nur wenig Erfreuliches zu berichten. Vor allem aufgrund der feucht-kalten Witterung im August und September setzt der 84er die Reihe geringer Jahrgänge wie 1972, 1974, 1978 und 1980 fort. ..... (Zum Glück haben wir solche Jahre seitdem nicht mehr erlebt). Abschließend noch eine positive Nachricht in ureigenster Sache.... Durch den Kauf des in herrlichster Lage hoch über der Mosel im Nachbarort Alf gelegenen Haus Waldfrieden konnte ein geradezu ideales Plätzchen gefunden werden, an dem zukünftig dem Wein und seinen Freu(n)den, der Landschaft - und vielleicht auch sich selbst - noch intensiver begegnet werden kann.

Dieser Wunsch ging in den vergangenen dreißig Jahren oft in Erfüllung. Werner Loewe aus Hamburg schrieb zum sechzigsten Geburtstag des Hausherrn:

....Denn von Anfang an will Ulli Stein ...mit Waldfrieden auch ein kleines Kulturzentrum etablieren.... So tummelt sich seitdem fast das ganze Jahr über ein buntes, manchmal auch schräges Völkchen hoch über der Mosel - Schauspieler, Sänger, Literaten, Kabarettisten, Musiker, bildende Künstler - und trifft hier auch auf die eingesessenen Moselaner, die zunächst verwundert, dann gelassen und inzwischen zunehmend fröhlich den zeitweisen Einbruch manchmal sehr fremder Lebenswelten in ihr bodenständiges Dasein erleben....Mit dem Ergebnis, dass Haus Waldfrieden heute eingesponnen ist in ein Netz von alten und neuen Weinliebhabern, Freunden und Helfern.

Dafür möchten wir uns bei allen herzlich bedanken und mit dem knackig-fruchtigen, pikanten 2013er darauf anstoßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

Weinbrief 2012 | Kabinett, Weine & Punkte, Hölle 1900

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

an Luxus kann man sich durchaus gewöhnen: auch der 2011er setzt die vor 10 Jahren begonnene Serie von Spitzenjahrgängen weiter fort.

Der Witterungs- und Vegetationsverlauf war auch im vergangenen Jahr wieder von Extremen geprägt. Nach einem frostigen Januar und einem wechselhaften Februar und März führte ein hochsommerlicher, trockener April zu einem frühen Austrieb der Reben. Die Sommermonate zeichneten sich, bei häufig bedecktem Himmel, einerseits durch gleichmäßig warme Temperaturen, andererseits durch teilweise heftige Niederschläge aus. Am 26. August verursachte ein extremes Hagelgewitter an der Mosel (vor allem im Raum Bernkastel) enorme Schäden. Bis zu 700 (!) Gramm schwere Hagelkörner aus tausend und mehr Metern Höhe zerschlugen Dächer, Autos und natürlich auch viele Reben.

In unserer Region hielten sich die Schäden insgesamt in Grenzen und in den eigenen Weinbergen wurden ca. 15 Prozent der Beeren durch Hagelkörner verletzt oder abgeschlagen.

Die Trauben waren zu diesem Zeitpunkt noch unreif und es bestand die große Gefahr, dass - vor allem bei feucht-warmer Witterung - Schadpilze die verletzten Beeren befallen und von dort aus die noch gesunden Traubenteile infizieren. Starke Regenfälle am 9. und 10. September vergrößerten unsere Befürchtungen und die Ernte stand kurz vor dem Verderb.

Zum Glück hörte der Regen am folgenden Tag auf, die Nerven und das Wetter beruhigten sich und ab dann schien bis Anfang November ununterbrochen die Sonne.

Die vom Hagel angeschlagenen Beeren trockneten ein, fielen ab und machten den verblieb-enen Gesunden damit Platz, sodass– zumindest beim Riesling – nur ein geringer Schaden zu verzeichnen war. Bei den empfindlicheren roten Trauben betrugen die Verluste leider 50 Prozent.

In unserer Steilstlage Palmberg-Terrassen führte der Hagelschlag dagegen zu einem ganz besonderen Wein: dem trockenen Kabinett (Nr.11T3) mit lediglich 9,5 Prozent Alkohol.

Dazu eine kurze Anmerkung: Die grünen Blätter der Rebe produzieren vor allem verschiedene Zucker, die während der Traubenreife in die Beeren eingelagert werden und dort für die entsprechenden Oechslegrade sorgen. Andere wertbestimmende Inhaltsstoffe (reife Pektine, Farb- und Aromastoffe) werden dagegen direkt in den Beeren produziert. In dem verhagelten Teil vom Palmberg waren cirka die Hälfte der Blätter und Trauben angeschlagen. Letztere wurden Mitte Oktober geerntet und mit Lesegut aus den Lagen Himmelreich und Neefer Frauenberg zu unserem fruchtigen Blauschiefer ausgebaut. Die verbliebenen, gesunden Trauben - auf der dem Hagel abgewandten Seite- wurden dagegen erst Anfang November gelesen. Durch die teilweise zerstörten Blätter war offensichtlich die Zucker-produktion reduziert, gleichzeitig kam es durch die intensive Sonneneinstrahlung zu einer ausgeprägten Farb- und Aromabildung. Das goldgelbe Lesegut der fünfzig bis achtzig Jahre alten, tiefwurzelnden Rieslingstöcke wurde nach dem entfernen der Stiele zwanzig Stunden im eigenen Saft eingemaischt und danach schonend abgepresst. Diese - für Weißweintrauben - lange Maischestandzeit führte zu einer starken Extraktion von Farb- und Aromastoffen aus der Beerenhaut und damit zu deren Intensivierung. Das Resultat ist ein ganz besonders fruchtiger und rassiger Sommerwein, der wieder einmal beweist, dass der Moselriesling auch und gerade bei niedrigem Alkoholgehalt seine ganze Persönlichkeit entfalten kann.

Dieser „leichte“ Weintyp erfreut sich seit einiger Zeit auch bei Fachjournalisten und Weinpäpsten zunehmender Beliebtheit. Im krassen Widerspruch dazu wird er aber bei Verkostungen, Weinmessen und Wett-bewerben weiterhin notorisch unterbewertet. Diese Ungereimtheiten erklären sich aus zweierlei Tatsachen: zum einen findet das allgemein übliche Prinzip, Meisterschaften nach Klassen auszutragen, in der Weinverkostung offenbar keine Anwendung. Es sollte doch, wie beim Boxen, auch ein Kabinett-Leichtgewicht in seiner Klasse Weltmeister werden können und nicht nur die Schwergewichte wie Beerenauslesen oder Eisweine. Die Stichprobe im beliebigen Weinführer zeigt aber:

Kein Qualitätswein oder Kabinett erreicht je auch nur annähernd die höchste Punktzahl.

Zum anderen ist Alkohol ein wichtiger Geschmacksträger und damit weitgehend verant-wortlich für die unmittelbare Wahrnehmung von Fülle und Intensität. Bei Verkostungen mit hunderten Proben pro Tag machen also alkoholreiche, schwere und konzentrierte Weine auf den „ersten Schluck“ schlicht mehr Eindruck.

Prüfer und Etikettentrinker lassen sich darüber hinaus gerne von hoch gelobten Namen und noch höher geschraubten Preisen gleichermaßen blenden. Würden dem ersten und zweiten Prüfschluck ein paar mehr folgen, könnte sich die anfängliche Begeisterung sehr schnell im Alkohol eintrüben.

Wir sind der Meinung, Wein soll auch beim zweiten oder dritten Glas noch schmecken. Deshalb wird es auch in Zukunft bei uns keine „Verkostungskabinette“ mit 13 Prozent Alkohol geben, sondern Ihre und unsere moseltypischen Lieblingsweine.

Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit des „komplexen Naturstoffgemisches“ Wein kann durch Punkteskalen nur ungenügend erfasst und wiedergegeben werden.

In anderen Bereichen, wie z.B. im Sport, kann man mit objektiven naturwissenschaftlichen Methoden, d.h. durch genaues Wiegen und Messen, durchaus die „Besten“ erfassen und mit Bronze, Silber, Gold auszeichnen. Dies auf das Kulturgut Wein zu übertragen ist in etwa so, als wollte man die Musik von Mozart, Miles Davis oder den Rolling Stones (möglichst noch im gleichen Wettbewerb) bepunkten, mit Medaillen bewerten und zur „besten“ Musik erklären.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: die mehr oder weniger gut geschriebenen Geschichten und Kritiken über Wein, Musik und Theater können durchaus Orientierungshilfe sowohl beim Konzertbesuch als auch beim Weineinkauf sein. Gleichermaßen untauglich wie durchschaubar sind jedoch die Versuche, eigene subjektive Empfindungen durch Punktevergabe objektivieren zu wollen und (gerne auch gegen Honorar) zum Dogma zu erheben. Die Kritiker schreiben und die Gläubigen trinken Parkerpunkte. Wir fühlen uns nach wie vor lieber unserem eigenen Geschmack und dem unserer Kunden verpflichtet.

In Zeiten des Klimawandels (vgl. Weinbrief 2007), wird der Ausbau eleganter, alkoholarmer, trockener und feinherber Rieslingweine immer schwieriger und die Bedeutung alter Reben immer größer. In den meisten deutschen Weinbaugebieten, so auch an der Mosel, werden Rieslingreben angebaut, die in den letzten 50 Jahren gezüchtet wurden und wegen der weit verbreiteten Wurzelreblaus auf resistente amerikanische Unterlagen gepfropft werden müssen. Diese „modernen“ Hochleistungsklone wurden auf einen möglichst hohen Zuckerertrag selektioniert und erreichen ihre aromatische Reife erst bei relativ hohen Mostgewichten.

Wir haben in unserem Weingut überwiegend alte, wurzelechte Reben im Anbau mit sehr kleinen, gelben Träubchen und einem geringen Ertrag, die schon bei relativ niedrigen Oechslegraden sehr früh und vermehrt die wichtigen Inhaltsstoffe bilden. Die Kraft dieser tief wurzelnden, alten Reben geht weniger in den Zuckerertrag sondern mehr in die Aromaproduktion.

Alte Reben liefern nicht nur die besseren Weine, sie sind auch unempfindlicher gegen Krankheiten, Schädlinge und extreme Witterungsbedingungen und stellen somit ein wichtiges Genreservoir für nachfolgende Generationen dar.

Durch den Klimawandel haben sich z. B Schadpilze wie der Mittelmeerfeuerschwamm, der bis vor einigen Jahren nur in der namensgebenden Region auftrat und die Absterbekrankheit ESCA verursacht, weiter nach Norden ausgebreitet und richten mittlerweile auch an der Mosel große Schäden an.

In den letzten Jahren mussten von den 10000 Reben, die 1980 vom Vorbesitzer in der Alfer Hölle gepflanzt wurden, jedes Jahr ca. 100 abgestorbene ESCA-Stöcke durch neue ersetzt werden; bei den 25000 Uralt-Reben in St. Aldegund dagegen kein einziger.

. Wir sind ganz sicher, dass dies kein Zufall ist und wollen dieses Phänomen weiter beobachten und auch wissenschaftlich untersuchen.

Im März diesen Jahres hat einer der führenden Experten für alte Reben, Hubert Konrad von der Forschungsanstalt Geisenheim, anlässlich des 10. Moselweingepräches zusammen mit dem Hausherrn im Haus Waldfrieden zu diesem Thema referiert.

So sind nur noch 1 Prozent der deutschen Rebfläche, d.h. 900 Hektar, mit Reben bestockt, die vor dem 2. Weltkrieg angepflanzt wurden. Davon wiederum sind rund 10 Prozent, also ca. 90 Hektar, vor dem 1. Weltkrieg angelegt und ganze 10 Hektar stammen aus dem vorletzten Jahrhundert.

Aus diesem Bestand uralter Reben konnten wir im Frühjahr 2011 einen extrem steilen, terrassierten Weinberg pachten, der, obwohl ca. 300 m entfernt, laut Lagenkataster zur „Alfer Hölle“ gehört. In dieser „kleinen Hölle“ wachsen 1200 wurzelechte Rieslingreben, die nachweislich im Jahre 1900 gepflanzt wurden.

Die wenigen, kleinen, gelben Träubchen lieferten 600 Liter eines besonders extraktreichen, rassigen und eleganten Riesling-Weines, der unter dem Namen „Alfer Hölle 1900“ unser Sortiment bereichert. Die Originalillustration des Etiketts ist so alt wie die Reben.

Wir werden also die „Alten“ weiterhin „in Ehren halten“ - und möchten mit dem harmonischen, gehaltvollen und fruchtigen 2011er auf den im März gefeierten 90igsten Geburtstag von Vater Heinrich, auf den kommenden 89igsten von Mutter Erna und auf Ihr und unser Wohl anstoßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telephon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

Wenn Sie in unseren e-mail-Verteiler aufgenommen werden möchten, schicken Sie eine e-mail an ulrich.stein@stein-weine. de

Unser Kulturprogramm finden Sie als pdf unter www.stein-weine.de

Weinbrief 2010 | Dornen statt Reben, Striehween

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

wo soll das noch hinführen?

            Nach sieben Spitzenjahren von 2001 bis 2007 und dem guten 2008er geht der Höhenflug munter weiter. Wir dürfen uns schon wieder auf einen herausragenden Weinjahrgang freuen. Der Klimawandel machts möglich!

            Nach einem sehr frostigen Januar und einem mäßig warmen Februar und März führte ein sommerlicher April zum sehr frühen austreiben der Reben. Ein durchwachsener Mai und Juni dämpfte das schnelle Wachstum etwas und war die Ursache für eine sehr unterschiedlich verlaufende Rebblüte. In guten Lagen begann diese bereits Anfang Juni und verlief sehr zügig, in geringeren und mittleren Weinbergen verzögerte sie sich stark und dauerte teilweise bis in den Juli. Ein hochsommerlicher August und ein trockener und warmer September beschleunigte die Traubenentwicklung, vor allem in den guten Lagen, ganz enorm. Nach einigen Regentagen Anfang Oktober konnten wir ab dem 10. bei trockenem und ruhigem Herbstwetter bis Anfang November vollreife und sehr gesunde Trauben aller Qualitätsstufen ernten.

            Der Klimawandel (vgl. Weinbrief 2007) hat, sowohl durch negative Witterungs-ereignisse wie Starkregen, Stürme, lange Hitze- und Trockenzeiten, als auch durch angenehme Schönwetterperioden, den Weinbau weltweit sehr unterschiedlich beeinflusst. Während noch in den sonnenärmeren 1970er und 1980er Jahren, vor allem in den nördlichen Weinbaugebieten (so auch an der Mosel) viele Moste durch Zuckerzusatz verbessert werden mussten, konnten wir seit 2001 nahezu komplett auf jede Anreicherung verzichten. Es war und ist von Natur aus alles da! Das wärmere Klima hat dagegen in südlichen Regionen, vor allem bei weißen Trauben - und da wiederum am deutlichsten beim Riesling – den Zucker- und Alkoholgehalt auf Kosten von Säure und Aroma nach oben getrieben und damit häufig zu plumpen und alkoholischen Weinen geführt.

            Obwohl man das Wetter nicht ändern kann, war und ist es durchaus möglich, auf die veränderten Bedingungen zu reagieren. So haben wir, um eine ausreichende Wasser-versorgung zu gewährleisten, den Humusgehalt unserer Schieferböden kontinuierlich erhöht. Um die Trauben vor „Sonnenbrand“ zu schützen, wurde im Sommer das Reblaub an der sonnenzugewandten Seite belassen und nur die Rückseite entblättert. Dadurch kommt Luft an die beschatteten Trauben, es entstehen weniger Pilzinfektionen und das feine Rieslingaroma wird nicht durch zu hohe Temperaturen in den Beeren zerstört. Da wir großen Wert auf physiologisch reife Trauben legen, die sich bei ausreichend hohen Mostgewichten vor allem durch ein feines Aroma und eine ausbalancierte, rassige Säure auszeichnen, haben wir den Lesezeitpunkt immer genau auf diese Parameter abgestimmt. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren konnte unsere Region (mit Ausnahme zu trockener „Toplagen“, die in manchen Jahren zu sehr der Hitze ausgesetzt waren) bisher von der Klimaveränderung profitieren. Gerade in den mittleren Lagen wachsen deutlich bessere Weinqualitäten als jemals zuvor.

            Diese insgesamt positive Entwicklung sowie der weltweite Trend zu rassigen, bekömmlichen und vor allem leichteren Weißweinen, der mit den eleganten Schiefer-Rieslingen geradezu perfekt bedient werden kann, eröffnet den Moselwinzern und damit der ganzen Region eigentlich große Chancen.

            Leider werden diese zu wenig genutzt und der Steillagen-Weinbau ist weiterhin massiv gefährdet. Da uns nicht nur unser eigenes Wohlbefinden, sondern das der ganzen Mosel am Herzen liegt, haben wir schon in frühen Weinbriefen (1978,1981) und danach immer wieder (1997, 2002) auf diverse Fehlentwicklungen hingewiesen. In den letzten zwei Jahren hat sich die Situation in vielen Moseldörfern noch einmal dramatisch verschärft und auch in St. Aldegund drohte die Verbrachung der wunderbaren Steillage „Himmelreich“. Wir haben daraufhin zum Jahreswechsel einen offenen Brief an Journalisten, Politiker, Winzerkollegen und andere Multiplikatoren geschrieben. Dieser wurde in einschlägigen Internetforen lebhaft diskutiert, in der „Deutschen Winzerzeitung“ abgedruckt und soll hier in Auszügen dokumentiert werden:

Dornen statt Reben!                                                              

Der Weinbau an der Mosel hat schon viele Krisen erlebt - und überlebt! Jetzt aber droht vielen alten Rieslingreben in besten Schiefer-Steillagen das endgültige Aus. Und das flächendeckend.

     Während einerseits bei Weinversteigerungen tausende Euro für eine Flasche Moselriesling gezahlt werden und es vielen selbstvermarktenden Weingütern gut geht, werden andererseits für tausend Liter Riesling Fasswein vom Weinhandel 600 Euro bezahlt. Viele kleine Nebenerwerbswinzer und –winzerinnen, die bisher extrem steile, Landschaft prägende, uralte Weinberge bewirtschaftet haben, geben endgültig auf. Dies ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychologisch begründet: wenn die viel beschworene „heldenhafte“ Arbeit in den Steillagen nicht nur keinen Gewinn bringt, sondern massive Verluste verursacht, bedeutet das letztendlich auch eine extrem geringe Wertschätzung eben dieser Arbeit und der beteiligten Menschen.

     Die Ursachen dieser fatalen Entwicklung sind vielfältig und komplex. Von allen Beteiligten, d.h. Weinkellereien, Winzern, Beratern und dem Gesetzgeber wurden viele Fehler gemacht, hier eine kleine Auswahl:

- Weinkellereien haben in der Vergangenheit zu wenig Wert auf Qualität gelegt, häufig minderwertige Weine eingekauft und vermarktet und die Namen Riesling und Mosel in die Billigzone der Supermarktregale gerückt – und da kommen sie jetzt nicht mehr heraus.

- Winzer haben die entsprechenden Weine produziert, jeden Preis akzeptiert, ihren Kindern vor allem die eigene Frustration vermittelt und sie durch „Wort und Tat“

eindringlich vor dem Beruf des Winzers gewarnt.

- Beratung und Gesetzgebung haben sich zu einseitig auf den Zuckergehalt als alleiniges Qualitätskriterium fixiert, die falschen Rebsorten (Kerner) und fragwürdige Weinbehand-lungsmethoden (Süßreserve, Entsäuerung) propagiert. Im Ergebnis hat all dies dazu geführt, daß heute 90 % der Verbraucher maximal 2,99 für eine Flasche Wein ausgeben, unabhängig davon, ob das Etikett einen Riesling aus der Steillage oder einen Pinot Grigio aus der Poebene ausweist.

           In unserem Heimatdorf St. Aldegund werden in den besten Steillagen in den kommenden Monaten die Hälfte! aller Reben abgeschnitten und in vielen anderen Moselorten ist eine ähnliche Entwicklung abzusehen. Die meisten, der zur Zeit noch aktiven Winzer und Winzerinen, sind über 60 Jahre alt und bei vielen ist keine Nachfolge in Sicht. Die Weinkulturlandschaft Mosel wird es bald an vielen Orten nicht mehr geben. Ob Touristen und Gäste an die Mosel kommen, um sich Brombeerhecken anzuschauen, darf bezweifelt werden.

Angesichts der drohenden Verbrachung von ca. 3000 Hektar Steillagen an der Mosel, einem Drittel! der gesamten Fläche, nützen Durchhalteparolen genauso wenig wie Bittstellerei bei den Großkellereien.

Wirkungsvolle Gegenmaßnahmen wären:

- Jeder Selbstvermarkter, der Trauben, Most oder Wein von Kollegen aufkauft, zahlt diesen existenzsichernde Preise (z.B 1000 l Riesling-Most mit 80 Grad Oechsle mindestens 1700 Euro. Wir praktizieren dies seit Jahren für einige Hektar Steillagen mit großem Erfolg und bekommen für einen fairen Preis entsprechende Traubenqualitäten geliefert).

- Gerade bei kleineren Selbstvermarktern kann die Weinqualität durch einfache, kosten-günstige Maßnahmen verbessert werden. Dann kann sich die schmeckbare Wertigkeit des Steillagenrieslings auch in höheren Preisen niederschlagen. Calmont-„Spätlesen“ für 3 Euro darf es einfach nicht mehr geben.

- Winzer und Winzerinnen können und müssen mehr Mut und Selbstbewusstsein entwickeln, mehr zu Ihrem Produkt stehen und vom Kunden für Qualität den angemessenen Preis verlangen.

- Private Zimmervermieter, Wirte und andere Gewerbetreibende sollten die Bedeutung der Steillagen für Ihre eigene Existenz höher einschätzen und dies auch entsprechend leben und kommunizieren. Die 2000jährige Weinkultur an der Mosel hat es verdient, gegen Dornen verteidigt zu werden.

Dies ist zumindest in St. Aldegund vorerst gelungen. Wir haben im Januar eine Bürger--versammlung einberufen und konnten einige der Maßnahmen direkt umsetzen. Wir und ein junger Kollege haben Weinberge übernommen und Winzer machen weiter, weil sie uns ihre Trauben zu fairen Preisen verkaufen können. Darüber hinaus haben engagierte Weinfreunde (darunter auch zwei Weinjournalisten) aufgrund des Briefes mehrere steile Weinberge gekauft und wollen diese in Zukunft bewirtschaften. Wir hoffen sehr, dass die Beispiele der „Bergrettung“ Schule machen und werden, auch mit der direkten Hilfe tapferer Riesling-Genießer, weiter aktiv bleiben.

Abschließend noch die neuesten Informationen zum Thema Strohwein. Die im Herbst 2001 begonnene Auseinandersetzung mit der deutschen Weinbürokratie um die Zulassung dieser konzentrierten Spezialität hat ja vor der EU-Kommission in Brüssel ihr gutes Ende gefunden. Mit der am 1. 8. 2009 in Kraft getretenen neuen EU-Weinmarktordnung ist die Produktion von Strohwein in Deutschland erlaubt. Gleichzeitig wurde von ministerieller Seite darauf verwiesen, dass Strohwein zwar hergestellt, aber nicht als solcher bezeichnet werden darf?! Diesen Begriff haben sich nach dem deutschen Strohweinverbot die Österreicher schützen lassen. Nach ausgiebiger Diskussion mit dem Minister Hendrik Hering und dem Anwalt unseres Vertrauens, Rolf Hamacher, wurde unser Vorschlag, statt Strohwein den moselfränkischen Dialektausdruck „STRIEHWEEN“ als Markenname zu verwenden, akzeptiert. Wir haben uns diese Bezeichnung umgehend beim Deutschen Patentamt schützen lassen.

Mit einem letzten, langen Schreiben vom 16.11. 2009 hat das Weinbauministerium uns mitgeteilt, dass unser Striehween ein „EG-Wein eigener Art“ sei (übrigens der einzige!) und zu der Kategorie „Wein aus eingetrockneten Trauben“ gehört.

Ein solcher Wein darf laut Weinmarktordnung Anhang XI b Nr.15 der VO (EG) Nr. 1234/2007 Art.55 Abs.1a Art.56 Abs.2 VO und Art.57 VO (EG) Nr. 607/2009 keine näheren geographischen Angaben (z.B. Mosel), Erzeugerabfüllung oder Weingut tragen. Zugelassen sind immerhin die Angabe des Erntejahres und der Rebsorte. Damit können wir (und Sie hoffentlich auch?) leben! Diese wunderbare Spezialität kann demnach als „2009er Riesling Striehween, Gebrüder Stein, Bullay/Mosel, Wein aus Deutschland“ ab Juni unsere Gaumen erfreuen.

Wir möchten darauf mit dem gehaltvollen, rassigen und feinfruchtigen 2009er auf Ihr und unser Wohl anstoßen,

mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

PS.

Bestellungen können Sie unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telephon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360 aufgeben.

Wenn Sie in unseren e-mail-Verteiler aufgenommen werden möchten, schicken Sie eine e-mail an ulrich.stein@stein-weine.de.

Unser Kulturprogramm finden Sie als pdf unter www.stein-weine. de

Weinbrief 2008 | Klimawandel, Strohwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

Alle reden vom Wetter. Wir auch: Sie dürfen sich schon wieder auf einen herausragenden Weinjahrgang freuen!

Nach dem knackigen 01er, dem würzigen 02er, dem opulenten 03er, dem eleganten 04er, dem saftigen 05er und stoffigen 06er haben wir mit dem 2007er die perfekte Kombination all dieser Eigenschaften und damit den siebten Spitzenjahrgang in Folge im Keller.

   Der Witterungs- und Vegetationsverlauf im vergangenen Jahr war vor allem in der ersten Jahreshälfte wieder von Extremen geprägt. Einem niederschlagsarmen Winter folgte ein verregneter März und ein hochsommerlicher April. Nach einem frühen Austrieb der Reben Anfang Mai führte ein trüber, aber gleichmäßig warmer Sommer mit häufigen Niederschlägen zu einer frühen Rebblüte Anfang Juni und einem zügigen Trieb- und Traubenwachstum im Juli und August. Im September kehrte der Sommer zurück und die Reifeentwicklung der Trauben wurde enorm beschleunigt.

     Da wir großen Wert auf physiologisch reife Trauben legen, die sich bei ausreichend hohen Mostgewichten vor allem durch eine feine Sortenaromatik und eine ausbalancierte, rassige Säure auszeichnen, starteten wir bereits Ende September mit der Vorlese und konnten im Oktober unter geradezu perfekten Bedingungen vollreife und gesunde Trauben mit hohen Oechslegraden und harmonischen Säurewerten ernten.

Die extremen Wetterverhältnisse der letzten Jahre sind eindeutige Kennzeichen eines Klimawandels. Wir möchten wegen der großen Bedeutung für den zukünftigen Weinanbau auf dieses Thema noch einmal kurz eingehen. Verglichen mit anderen Regionen, in denen durch schmelzende Gletscher, Stürme, Hitze, Wassermangel und Überschwemmungen wirkliche Katastrophen ausgelöst werden, sind die Veränderungen in den Weinbaugebieten noch vergleichsweise harmlos und teilweise sogar positiv zu werten.

   Die geografische Ausdehnung der Weinanbaufläche ist geradezu ein Klimaindikator. Zur Zeit des sogenannten Klimaoptimums im Mittelalter bis zum Beginn der "Kleinen Eiszeit" gegen Ende des 16. Jahrhunderts erstreckte sich der Weinbau sehr viel weiter nördlich als heute. Er war z. B. an der Ostseeküste und in England weit verbreitet und erobert sich nun diese Regionen wieder zurück. So hat sich die Anbaufläche in Südengland in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt und in Holland, Belgien, Polen und auf Gotland wird zunehmend Wein angebaut.

     In den klassischen Weinregionen Deutschlands verdreifachte sich in den letzten 20 Jahren der Anteil der hitzebeständigeren Rotweinsorten gegenüber weißen Trauben und der Lesebeginn verschob sich um zwei Wochen nach vorne. Diesen eher positiven Veränderungen stehen jedoch auch negative Entwicklungen entgegen. So fördert der Klimawandel das Auftreten neuer Krankheiten und Schädlinge wie Schwarzfäule, Viren und Zikaden bzw. hemmt Nützlinge wie die Raubmilbe. Noch gravierender können sich, vor allem beim Weißwein - und da besonders beim Riesling - Hitze und Trockenheit auf die Weinqualität auswirken. Die wesentlichen Eigenschaften eines typischen Moselrieslings lassen sich mit elegant, rassig, feinfruchtig und spritzig beschreiben. Grundlage für diese einzigartige Geschmacksausprägung sind neben einem sorgfältigen Weinausbau vor allem die mineralreichen Schieferböden und ein ausgewogenes Klima. Bei zu großer Sommerhitze und zu hohen Herbsttemperaturen kann sich das von Zitrus-, Apfel- und Pfirsichnoten geprägte Rieslingaroma nicht entwickeln und die feine Säure wird zu stark abgebaut. Das Resultat können plumpe, alkoholreiche, säurearme und langweilige Weine sein, die ihre mosellanische Identität verloren haben.

Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Diskussion über Terroir und eine damit einhergehende Lagenklassifizierung bald ganz von selbst erledigen. Gerade die Spitzenlagen leiden häufig am stärksten unter zu großer Hitze und Wassermangel, während die mittleren und guten Lagen deutlich an Qualität gewinnen.

Obwohl wir das Wetter nicht ändern können, ist es durchaus möglich, auf die veränderten Bedingungen zu reagieren. So haben wir, um eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten, den Humusgehalt unserer Schieferböden kontinuierlich erhöht. Um die Trauben vor "Sonnenbrand" zu schützen, wurde im Sommer das Reblaub an der sonnen-zugewandten Seite belassen und nur die Rückseite entblättert. Dadurch kommt Luft an die Trauben, es entstehen weniger Pilzinfektionen und das feine Rieslingaroma kann sich besser entwickeln bzw. wird nicht durch zu hohe Temperaturen in den Beeren zerstört.

Während in den sonnenärmeren 1970er und 1980er Jahren buchstäblich um jedes Grad Oechsle gekämpft und dementsprechend möglichst spät gelesen wurde, haben wir in den letzten Jahren zur Vermeidung (!) zu hoher Zucker- und damit zu hoher Alkoholwerte, die Rieslinglese etwas vorgezogen.

   Besonders hohe Qualitäten konnten wir wieder in der tiefgründigen und ausreichend mit Wasser versorgten "Alfer Hölle" ernten und einen großartigen Vier-Sterne-Wein mit dem Künstleretikett von Robert Gernhardt schmücken.

     Da Rotweine, mehr als Weiße, von Fülle und Stoff, d.h. mehr vom Alkohol und weniger von einer rassigen Säure geprägt sind, kommt diesen die Klimaveränderung sehr entgegen. Wir konnten gehaltvolle und elegante rote Spezialitäten ernten, die nach ihrer zweijährigen Reifezeit in 220-Liter -Eichenfässern (Barriques, vgl. Weinbrief 2005) das enorme Rotwein-Potential der steilen Schieferlagen eindrucksvoll demonstrieren werden.

Abschließend noch die neuesten Informationen zum Thema Strohwein. Die im Herbst 2001 begonnene Auseinandersetzung mit der deutschen Weinbürokratie um die Zulassung dieser konzentrierten Spezialität (vgl. Weinbriefe 2002 und 2004) hat vor der Europäischen Kommission in Brüssel ihr gutes Ende gefunden. Die Produktion von Strohwein wurde in der kürzlich erlassenen EU-Weinmarktordnung als „natürliches Verfahren“ beschrieben und zugelassen. Was noch aussteht, ist die Übertragung in deutsches Recht. Wir sind da ganz optimistich und freuen uns jetzt schon, bald mit einem entsprechenden Wein darauf anzustoßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

 

Wir möchten die Möglichkeiten der neuen Medien zukünftig besser nutzen. Ihren Weinbrief und die Weinliste erhalten Sie wie bisher selbstverständlich per Post. Darüber hinaus möchten wir einen e-mail-Verteiler einrichten. Wenn Sie darin aufgenommen werden möchten, schicken Sie eine e-mail an ulrich.stein@stein-weine.de.

 

Bestellungen können Sie unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360 aufgeben.

Weinbrief 2006 | Qualitätspyramide, Strohwein

 Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

 Sie dürfen sich schon wieder auf einen herausragenden Weinjahrgang freuen!

Nach dem knackigen 01er, dem würzigen 02er, dem opulenten 03er und dem eleganten 04er haben wir mit dem 2005er die perfekte Kombination all dieser Eigenschaften und damit den fünften Spitzenjahrgang in Folge im Keller.

   Ein relativ milder Winter und wechselhaftes – aber warmes – Frühjahrswetter führte zu einer zügigen Rebentwicklung und einer frühen Rebblüte Anfang bis Mitte Juni. Ein idealer Mix aus Wärme und Feuchtigkeit in der zweiten Junihälfte bis in den Juli hatte ein rasantes Rebenwachstum zur Folge, das dann jedoch durch einen extrem feucht-kühlen August vorläufig gestoppt wurde. Als Wiedergutmachung folgte eine zweimonatige Schönwetterperiode und wir konnten von Mitte bis Ende Oktober unter geradezu perfekten Bedingungen vollreife, gesunde Trauben mit hohen Oechslegraden und harmonischen Säurewerten ernten.

In den trockenen Schiefer-Steillagen war – nicht ganz so dramatisch, aber ähnlich wie 2003 – eine ausreichende Wasserversorgung der entscheidende Qualitätsfaktor. Da wir das anfallende Rebholz klein schneiden und verrotten lassen (statt es zu verbrennen) und die Grünpflanzen zwischen den Reben abmähen und unterpflügen (statt sie chemisch zu bekämpfen), sind unsere Schieferböden gut mit Humus durchsetzt und können mehr Wasser speichern. Besonders hohe Qualitäten konnten wir wieder in der tiefgründigen und ausreichend mit Wasser versorgten „Alfer Hölle“ ernten und einen großartigen Vier-Sterne-Wein mit dem Künstleretikett von Robert Gernhardt schmücken.

Eine weitere Auszeichnung haben wir von dem großen Karikaturisten und Zeichner F. K. Waechter erhalten, der unseren Spätburgunder sehr geschätzt hat und uns dafür im letzten Jahr ein wunderschönes Etikett zeichnete. F. K. Waechter ist im September 2005 gestorben. Sein Etikett wird zukünftig unseren Spätburgunder zieren und wir werden auch dadurch diesen einzigartigen Künstler und wunderbaren Menschen in Erinnerung behalten.

In den letzten Jahren haben sich einige Trinkgewohnheiten verändert, denen wir in Zukunft mehr Rechnung tragen wollen. Dazu gehören unter anderem, dass leichte, spritzige, frische Alltagsweine immer mehr geschätzt, dagegen säurebetonte, strengere, reifere und schwere Weine weniger konsumiert werden. Darüber hinaus haben die zurückliegenden guten Weinjahrgänge zu einem großen Angebot hochwertiger Weine geführt und damit unsere Weinliste etwas zu umfangreich werden lassen. Wir haben unser Sortiment gestrafft, neu geordnet und den Begriff „halbtrocken“ durch „feinherb“ ersetzt. Die Weißweine sind nun nach dem Prinzip der Qualitätspyramide (vgl. Weinbrief 2001) in vier Qualitätsstufen eingeteilt:  

   Basisweine ohne Lagenbezeichnung – der trockene Tafelwein „Traubenflüsterer“ in der Literflasche, der fruchtsüße Bacchus-Riesling und unsere Neuschöpfung, der feinherbe Blauschiefer – bieten sich hervorragend als leichte Alltagsweine an. Bei letzterem haben wir Rieslingtrauben aus den vier - von blauem Schiefer bedeckten und von Kleinklima und Boden her sehr ähnlichen - Steillagen St. Aldegunder Palmberg-Terrassen und Himmelreich, Neefer Frauenberg und Bremmer Calmont, zu einem leicht-eleganten, frisch-fruchtigen, feinherben „Sommerwein“ ausgebaut.

   Die gehobenen, ausschließlich trockenen Qualitäts- und Prädikatsweine repräsentieren unsere unterschiedlichen Lagen: Der filigrane, alkoholarme Klosterkammer Kabinett, der rassige, durchgegorene Palmberg-Terrassen, die saftig-würzige Hölle und der elegante, mineralische Calmont.

   Die besonders hochwertigen Weine dieser Lagen bieten in Spitzenjahren alle Geschmacksrichtungen: Die fruchtsüße Klosterkammer Spätlese, die feinherbe Palmberg-Terrassen Spätlese, der feinherbe „Gernhardt-Wein“ aus der Hölle, die trockene Calmont Spätlese und der trockene Ürziger Würzgarten Drei-Sterne Qualitätswein.

   Als besondere Spezialitäten werden in herausragenden Jahren feinherbe Riesling-Weine im Barrique sowie edelsüße Auslesen, Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine produziert.

Unser Rotweinangebot umfasst wie bisher einen fein-fruchtigen Rosé, eine samtig-stoffige Cuvée der Rebsorten Spätburgunder, Dornfelder, Cabernet und Merlot sowie tiefgründige, komplexe Spätburgunder und Cabernet/Merlot-Weine.

   Die neue Numerierung, z. B. 05T4 oder 05F1, folgt einem einfachen Prinzip: die ersten beiden Ziffern entsprechen dem Jahrgang, der Buchstabe der Kategorie, z. B. Trocken oder Feinherb und die letzte Ziffer steht für den jeweiligen Wein.

   Diese Klarheit und Übersichtlichkeit zeichnet auch unsere Website www.stein-weine.de aus, die von unseren Freunden Johannes Nawrath (Graphik und Design) und Toni Tauscher (Programmierung und „Telefonseelsorge“) neu gestaltet wurde. Obwohl für uns auch im Zeitalter des Internet der persönliche Kontakt die wichtigste Kommunikationsform bleibt, möchten wir die Möglichkeiten der neuen Medien zukünftig besser nutzen. Ihren Weinbrief und die Weinliste erhalten Sie wie bisher per Post. Darüber hinaus möchten wir einen e-mail-Verteiler einrichten. Wenn Sie darin aufgenommen werden möchten, schicken Sie eine e-mail an ulrich.stein@stein-weine.de . Da unsere Weine vom Weinkeller in Bullay aus verschickt werden, können Sie Bestellungen über obige Internetadresse oder unter peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360 aufgeben.

     Unternehmen Sie doch mal von zu Hause aus eine kleine Entdeckungsreise durch Weinberg und Keller oder gönnen Sie sich nach dem Motto „Weine schmecken und hören“ eine Waldfrieden-Auslese der besonderen Art: „…seit dem ersten Sommerfest im Jahre 1985 haben wir im Haus Waldfrieden oft und gerne gefeiert und bei über 250 Veranstaltungen so manches Fläschchen Stein-Wein geleert und gemeinsam viele schöne Tage und Nächte erlebt… Dank verbesserter Aufnahmetechnik … sind in der letzten Dekade ganz ordentliche Live-Mitschnitte gelungen, von denen insgesamt 27 Stücke auf vorliegender Doppel-CD zu hören sind. Ich möchte die „Waldfrieden-Auslese“ meiner lieben Freundin, der großartigen Musikerin Anne Bärenz aus Frankfurt widmen, die im August 2005 gestorben ist. Anne hat solo und zusammen mit Frank Wolff und anderen Künstlern in den letzten Jahren unvergessliche Konzerte im Haus Waldfrieden gegeben. Die Erinnerung an eine außergewöhnliche Frau und ihre wunderbare Musik wird bleiben.

…Der Reinerlös aus dem Verkauf der CD (15 Euro) wird für den Aufbau und Unterhalt des Projektes www.eineschulefuerbissau.de verwendet.“

   Dabei handelt es sich um eine Initiative Kölner Künstlerinnen und Künstler um den aus Guinea-Bissau stammenden Musiker Carlos Robalo. Mit Hilfe vieler Freunde und Förderer wurde in den letzten fünf Jahren eine Schule mit eigener Wasserversorgung geplant und gebaut, in der heute mehr als zweihundert Kinder unterrichtet werden. Dies ist ein langfristig angelegtes Projekt, bei dem kein Euro in Verwaltung oder in obskuren Kanälen versickert, sondern Hilfe dort ankommt, wo sie benötigt wird.

Abschließend noch die neuesten Informationen zum Thema Strohwein. Die in den letzten Weinbriefen dargestellte Entwicklung hat, wie angekündigt, ihre Fortsetzung vor der Europäischen Kommission in Brüssel gefunden. Dort wird zurzeit ein weiteres Schreiben unseres Haus- und Hofjuristen Rolf Hamacher aus Köln bearbeitet und wir sind gespannt, inwieweit unserem „Begehren“ nach Strohwein auf der europäischen Ebene stattgegeben wird.

Wie auch immer die Geschichte ausgehen mag: Wir freuen uns jetzt schon, mit dem kraftvollen, rassigen und feinfruchtigen 2005er darauf anzustoßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

Weinbrief 2004 | Extremsommer, Strohwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

- und wie es weiter geht!

Nach dem knackigen 2001er und dem würzigen 2002er haben wir mit dem letzten Jahrgang wieder Glück gehabt und das dritte Spitzenjahr des neuen Jahrtausends im Keller.

Im Gegensatz zu seinen ausgewogenen Vorgängern führte beim 2003er die absolut extreme Witterung in allen Anbaugebieten zu durchaus widersprüchlichen Weinen. Während die immer gleichen „Experten“ der Weinbranche (etliche Journalisten, Winzer und Verbandsfunktionäre) bereits im Herbst vom besten Jahrgang aller Zeiten redeten und schrieben - und dabei ständig auf die zu erwartenden steigenden Preise hinwiesen - waren und sind wir, bei aller Freude über den großen Jahrgang, etwas skeptischer.

Das zurückliegende Rekordjahr bescherte den Reben einerseits die höchsten Durch-schnittstemperaturen, die meisten Sonnenscheinstunden und die höchsten Oechslegrade, andererseits aber auch - und gerade deswegen -, in Kombination mit extremem Wasser-mangel, die niedrigsten Säurewerte. Diese mediterranen Verhältnisse prägten vor allem die Weißweine. Da die roten Reben häufig in tiefgründigeren Böden stehen und von Fülle und Stoff, d. h. mehr vom Alkohol und weniger von einer rassigen Säure geprägt sind, kam diesen die Witterung entgegen. Die 2003er Rotweine zeichnen sich dementsprechend durch eine unglaubliche Fülle und Kraft aus und sind absolute Spitzenklasse. Italien, Südfrankreich und Spanien lassen grüßen!

Vor allem in den trockenen Schiefer-Steillagen stresste die lang andauernde sommerliche Hitze, mit Temperaturen von über 50 Grad, selbst die wärmeliebenden und abgehärteten Rieslingreben. Die Konsequenzen waren teilweise dramatisch: Tausende junger Stöcke mit weniger tiefen Wurzeln sind buchstäblich verdurstet und abgestorben; die zur Sonne gewandten Trauben oder Traubenteile wurden regelrecht verbrannt und viele Reben stellten bereits Anfang September bei 60 Grad Oechsle die Zuckerproduktion komplett ein.

Da die Wasserversorgung der absolut limitierende Faktor war, wurden die höchsten Mostgewichte häufig nicht in den trockenen Toplagen, sondern in den feuchteren Hang- und Flachlagen erreicht. Das gleiche trifft für die Säure zu, deren Art und Gehalt für die spätere Weinqualität und Lagerfähigkeit von herausragender Bedeutung ist.

In Abhängigkeit von Klima, Reife, Ertrag, Sorte, Traubenbeschaffenheit und deren Behandlung schwankt der Säureghalt des Mostes in weiten Grenzen von 3 bis 30 Gramm pro Liter; die Durchschnittswerte liegen bei 6 bis 12 Gramm. Die wichtigsten Säuren sind die Weinsäure (2-10 g/l) und die Äpfelsäure (2-20 g/l); andere Säuren wie Zitronensäure, Galacturonsäure, Essigsäure und Schleimsäure spielen eine untergeordnete Rolle. Die Summe aller sauren Substanzen in Most und Wein wird als Gesamtsäure bezeichnet. Sie liegt im Most immer höher als im Wein, da während und nach der Gärung Weinsäure als Weinsteinkristall ausfällt oder Äpfelsäure durch Bakterien abgebaut wird. Der mehr oder weniger saure Geschmack eines Weines hängt von der Höhe der Gesamtsäure, der Säureart und der Anwesenheit von Alkohol, Glycerin, Zucker, Kalium und sonstigen Extraktstoffen und Puffersubtanzen ab.

     Der hohe Äpfelsäure- und Gerbstoffgehalt bei niedrigen Zucker- und Extraktwerten in unreifem Lesegut (kleine Jahrgänge, geringe Lagen, frühe Ernte, hohe Erträge und ein zu starkes Auspressen) verursacht den säuerlichen und bitteren Geschmack der daraus hergestellten Weine. Im Gegensatz dazu zeichnen sich schonend produzierte Gewächse aus reifem Lesegut normalerweise durch einen höheren Weinsäure- und wesentlich niedrigeren Gerbstoffgehalt aus, und der erhöhte Extrakt puffert die vorhandenen Säuren geschmacklich ab.

Im Extremjahr 2003 war vieles anders. Wegen der teilweise katastrophal niedrigen Säurewerte von nur 3 bis 4 Promille und dem daraus resultierenden faden Geschmack der Weine, verbunden mit einer erhöhten Gefahr des mikrobiellen Verderbs, hat der deutsche Gesetzgeber erstmals einen Zusatz von Weinsäure bis maximal 4 Promille, d. h. 4 Gramm pro Liter, erlaubt.

       Mit dem Verweis auf die gängige Praxis in den südlichen Weinbauregionen, die aufgrund der klimatischen Gegebenheiten fast immer Säuren zusetzen müssen, wurde dies im letzten Herbst auch in Deutschland häufig umgesetzt. Obwohl gesundheitlich absolut unbedenklich, ist es unseres Erachtens fragwürdig, dem Naturprodukt Wein je nach Situation plötzlich das eine oder andere „Mittelchen“ zusetzen zu dürfen, ohne überhaupt darüber nachzudenken, ob es vielleicht nicht auch ohne oder anders geht. So wird Weinsäure, vor allem wenn sie nicht dem Most sondern dem fertigen Wein zudosiert wird, von diesem regelrecht „abgelehnt“, d. h. sie fällt ganz oder teilweise wieder aus und setzt dadurch einen verhängnisvollen Mechanismus in Gang. Die nicht „akzeptierte“ Weinsäure reagiert mit dem wertvollen Weininhaltsstoff Kalium zu Weinstein (Kaliumtartrat) und reduziert dadurch diese wichtige Puffersubstanz . Dies wiederum führt dazu, daß sich bereits geringe Säuremengen ohne ihren „Gegenspieler“ Kalium geschmacklich extrem bemerkbar machen können und einen unharmonischen, „aufgesäuerten“ Geschmack hinterlassen. Solche groben Eingriffe führen bei einfachen Weinen zu weniger starken Veränderungen und sind - um Schlimmeres zu vermeiden - sicher auch berechtigt.

Dagegen geraten individuelle, komplexe und - zumindest aus der „Sicht der Rebe“ - fein austarierte und dem Jahrgang angepasste Weine eher aus dem Gleichgewicht. Um dies zu vermeiden, haben wir nicht angesäuert, sondern statt dessen eine elegantere Methode zur Erhaltung einer möglichst hohen, eigenen Säure angewandt.

Dem liegt die in langjähriger Praxis gemachte Erfahrung zugrunde, daß beim Pressen der Trauben die Säure im Saft mit zunehmender Pressdauer bis zu 3 Promille abnimmt. Während in der Regel der komplette Saft zu einem Wein ausgebaut wird, haben wir im vergangenen Herbst die jeweils letzten 20 bis 30 Prozent (mit entsprechend niedrigerer Säure) separiert und nur aus dem säurereicheren Vorlauf den jeweiligen Wein produziert.

In der tiefgründigen und gut mit Wasser versorgten Alfer Hölle resultierten die höchsten Oechsle- und Säurewerte. Wir haben dort aus dem gesamten, säureärmeren Nachdruck, den diesjährigen Zwei-Sterne S kreiert und auf die übliche Entsäuerung mit Milchsäurebakterien verzichtet (vgl. Weinbrief 2000). Der Nachdruck aus den anderen Lagen wurde zusammen in einem 4000 l-Edelstahlfaß ausgebaut und soll als opulenter, säurearmer Verschnittpartner einem möglicherweise säurereichen 2004er Tafelwein Fülle und Harmonie verleihen.

Insgesamt haben unsere Weinberge die Trockenheit recht gut überstanden. Da wir die Grünpflanzen zwischen den Rebstöcken weniger als Unkraut sondern mehr als Humus-lieferanten begreifen und es statt mit Herbiziden zu vernichten, lieber abmähen oder unterpflügen, sind die Böden gut mit Humus versorgt und können mehr Wasser speichern. Weiterhin haben wir im Gegensatz zu anderen Jahren, in denen Blätter zur besseren Besonnung der Trauben entfernt werden, diesmal in der Traubenzone mehr Blätter zur Beschattung gelassen und die Gipfeltriebe erst nach der Hitzeperiode entfernt. Dies alles führte zusammen mit einem säureerhaltenden Weinausbau im Keller (geringere Kühlung, kürzere Gärzeiten) zu ungemein saftigen, gehaltvollen Weinen mit einer reduzierten, aber immer noch ausreichenden, harmonischen Säure.

Obwohl die Fülle und Opulenz den 2003er sicher einige Jahre stabilisiert, wird er wahrscheinlich nicht die lange Haltbarkeit der knackigen 2001er und der rassigen 2002er Weine erreichen (vgl. Weinbrief 2001).

Wir möchten hier besonders auf die Spezialitäten aus der Stein-Wein-Collection Peter Agne hinweisen. Unser Weinfreund aus Köln muss leider aus gesundheitlichen Gründen zukünftig seine geschäftlichen Aktivitäten stark einschränken und hat uns daher den Verkauf der für ihn produzierten 2001er und 2002er Spitzenweine aus dem Bremmer Calmont und dem Erdener Treppchen übertragen, die wir auf einer Extraliste zu deutlich reduzierten Preisen anbieten können.

Frühen Trinkgenuss verspricht vor allem der diesjährige Liter, der mit sage und schreibe 83 Grad Oechsle den „einfachsten“ Wein ergeben hat. Nachdem 3 Jahre lang die wunderbare Moselserie des Hamburger Malers Johannes Nawrath als Künstleretikett den Liter adelte, ziert in diesem Jahr eine Graphik der mit uns ebenfalls befreundeten Frankfurter Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz unseren „Sommerwein“.

Die in den letzten beiden Weinbriefen angekündigten Strohwein-Aktivitäten werden am 18.5.04 am Verwaltungsgericht Trier verhandelt. Zum bevorstehenden „Strohwein-Prozess“ noch ein kurze Anmerkung:

Seit dem Sturm der Winzer auf das Finanzamt Bernkastel im Jahr 1926 ist der moselanische Teil dieser Berufsgruppe für seinen zupackenden Umgang mit ihren Amtsvertretern bekannt. Auch wenn sich im Laufe der Zeit die Formen des Dialogs geändert haben, ist bei einigen die Bereitschaft zum Kampf gegen bürokratische Ver(un)ordnungen geblieben. So wie die Erlaubnis zum Rotweinanbau - der an der Mosel von 1933(!)-1987 schlichtweg verboten war- erstritten werden musste, gilt es jetzt, eine andere traditionsreiche Spezialität wiederzubeleben: STROHWEIN.

Hierbei wird “durch Lagern der reifsten Trauben auf Stroh in geschützten Stuben”(aus: “Der vollständige Weinkellermeister” 1820) diesen Wasser entzogen. Es kommt zu einer Konzen-trierung der wertvollen Inhaltsstoffe und damit zu einer deutlichen Qualitätssteigerung.

Entsprechende Verfahren werden in anderen europäischen Weinbauländern (Österreich: Strohwein; Italien: Amarone, Vino Santo; Frankreich: Vin de paille) mit Erfolg praktiziert und sind dort selbstverständlich auch erlaubt. Diese Erzeugnisse dürfen auch hierzulande verkauft werden und bescheren nicht nur kleinen Fachhändlern sondern auch großen Discountern gute Geschäfte.

In Deutschland vertritt die staatliche Weinüberwachung seit der Novellierung des Weingesetzes von 1971 die Auffassung, daß “die Strohweinherstellung im Sinne einer Weinherstellung nicht zulässig ist”. Und was produzieren dann unsere europischen Freunde?! Solcherlei gespaltene Sichtweise befremdet in einem Rechtsraum, in dem die Weinerzeugung einheitlich durch für alle geltende EU-Verordnungen geregelt ist.

Wir sind mit unserem Anwalt Rolfjosef Hamacher (Axer Partnerschaft, Köln), der Meinung, dass die Erzeugung von Strohwein in ganz Europa entweder nur verboten oder erlaubt sein kann. Wenn so wichtige Weinerzeugerländer wie Frankreich, Italien und Österreich die Zulässigkeit der Strohweinherstellung anerkennen, spricht einiges dafür, dass die deutschen Behörden hier einem Rechtsirrtum unterliegen.

Wie auch immer die Geschichte ausgehen mag: Wir freuen uns jetzt schon, mit dem opulenten, saftigen 2003er darauf anzustoßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

P.S. Falls jemand uns und dem Wein noch näher kommen möchte: Peter möchte sein Haus in St. Aldegund vermieten oder gegebenenfalls auch verkaufen. Wer Interesse hat, in einem schönen 20er-Jahre-Haus in ruhiger Lage als Nachbar mit uns auch mal ein Gläschen Wein zu trinken, kann sich unter 06542/21203 melden.

Weinbrief 2002 | Rotwein, Strohwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

wir haben wieder einmal Glück gehabt und mit dem 2001er gleich den ersten Spitzenjahrgang des neuen Jahrtausends im Keller.

Ähnlich wie im Vorjahr führte ein mildes Frühjahr und warmes Maiwetter zu einer zügigen Rebentwicklung mit einer frühen Rebblüte Anfang bis Mitte Juni. Im Gegensatz zum 2000er war diesmal der Juli wunderbar, dafür der August verregnet, der September durchwachsen, Oktober und November wieder schön.

Wir konnten uns im letzten Herbst etwas mehr Zeit lassen und fingen nach bewährter Manier Mitte Oktober mit der Vorlese an (daraus resultiert der wunderbare Tafelwein), ernteten Ende Oktober die mittleren Qualitäten und bis Mitte November die Spitzenprodukte – und als Krönung am 15. Dezember in den beiden extremen Steillagen Palmberg-Terrassen und Bremmer Calmont (!) zwei Eisweine. Während die bei Minus 8,5 Grad geernteten Palmberg-Trauben genügend „durchgefroren“ waren und insgesamt 100 Liter Konzentrat mit 156 Grad Oechsle ergaben, waren die bei Minus 7 Grad gelesenen Calmonttrauben lediglich angefroren und konzentrierten sich „nur“ auf 130 Grad Oechsle (vgl. Weinbrief 99).

Statt daraus einen eher schwachen Eiswein zu produzieren, dosierten wir die 150 Liter lieber den noch gärenden anderen Calmont-Weinen zu und führten diese zu ganz neuen Ufern – und Sie jetzt zu unserem neuesten Projekt: Stein-Weine aus den weltberühmten Lagen Bremmer Calmont und Erdener Treppchen.

Dazu eine kurze Anmerkung: Der 2000 Jahre alte Weinbau an der Mosel, geprägt vor allem durch den Anbau des Rieslings in den steilen Schieferhängen, hat schon viele Krisen erlebt und auch überlebt: Von kurtrierischen Verordnungen des Jahres 1680 bis zum Sturm der bettelarmen Moselwinzer auf das Finanzamt in Bernkastel 1926; von krassen Fehljahren durch Frost, Regen, Krankheiten und Schädlingen (z. B. 1925, 1972) bis zu Glykolskandalen und Weinschwemmen (1970, 1984). Wir haben schon in den ersten Weinbriefen (1978, 1981) auf Fehlentwicklungen und die damit einhergehende Gefährdung des Steillagenweinbaues hingewiesen.

Viele kleine Winzer, die meist im Nebenerwerb die Steilhänge bewirtschaften und selbst keine Flaschenweine produzieren, verkaufen ihre Produkte als Trauben, Most oder Fasswein an größere Weingüter, Genossenschaften oder Kellereien. In den 60iger und 70iger Jahren setzte – vor allem unter letzteren – ein starker Verdrängungswettbewerb ein, dem fast alle kleineren und mittleren Firmen zum Opfer fielen. Unterstützt durch das mehr als fragwürdige Weingesetz von 1971 etablierten sich in den 80iger Jahren einige wenige Großkellereien, die in einem selbst verschuldeten Konkurrenzkampf um Marktanteile immer geringere Preise zahlten, immer weniger auf Qualität achteten und durch billige Massenweine den ehemals guten Ruf der Mosel mit ruinierten.

Leider passten sich auch viele Winzer diesem Trend an und trugen durch schlechte Weinqualitäten zum Negativimage des Moselweines bei (vgl. Weinbrief 1987, 1990). Den Rest besorgten die zunehmenden bürokratischen Ver(un)ordnungen, eine einfallslose Weinwerbung, eine entsprechende Gastronomie und der dazu passende Massentourismus.

Die im 97er Weinbrief beschriebene Entwicklung hat sich dramatisch fortgesetzt; seitdem wurden rund 1000 Hektar, das entspricht etwa 10% des Moselweinbaus, aufgegeben:

Immer mehr Winzer (vor allem Fassweinerzeuger) geben ihre Betriebe aufgrund der niedrigen Weinpreise entweder ganz auf oder ziehen sich aus den arbeitsintensiven Steilhängen in leichter zu bewirtschaftende Flachlagen zurück.

Die Konsequenzen sind in vielen Moseldörfern jetzt schon sichtbar. Statt Reben wächst Dornengestrüpp; zum Teil Jahrhunderte alte Trockenmauern verfallen, die dadurch zunehmende Steinschlaggefahr erfordert den Bau kostspieliger – und hässlicher – Fangzäune usw.; kurzum, eine alte Kulturlandschaft verändert sich und wird zunehmend zerstört.

Um dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen, haben wir im letzten Jahr unsere Aktivitäten ausgedehnt. Die Traubenerzeugung in den eigenen vier Steillagen Hölle, Klosterkammer, Himmelreich und Palmberg-Terrassen (vor allem in letzterem baut Vater Heinrich mit 80 Jahren immer noch Trockenmauern) wurde bisher durch den Traubenzukauf aus den Spitzenlagen Neefer Frauenberg und Ürziger Würzgarten ergänzt; nun kommen noch feinste Träubchen aus den großen Lagen Erdener Treppchen und Bremmer Calmont dazu.

Vor allem der im Nachbarort Bremm gelegene Calmont gehört zu den spektakulärsten Rieslinglagen der Mosel und hat als steilster Weinberg Europas geradezu alpinen Charakter. Die fast senkrechten, in der engsten Moselschleife genau nach Süden ausgerichteten Fels- und Schieferterrassen mit gut durchlüfteten, mineralreichen Böden, speichern wie ein riesiger Hohlspiegel das einfallende Sonnenlicht und schaffen geradezu ideale geologische und kleinklimatische Voraussetzungen für die anspruchsvolle Rieslingrebe. „Steil steigen die auf zur Rechten, mit ihrem schroffen Geklipp mehr Felsen gleichend als Bergen. Kaum Erde an ihren Hängen, nirgendwo weicher Boden, den der Fuß bequem tritt; alles Schotter, Geröll, blaugraues Schiefergerinnsel, Platten und Plättchen, die jeden Sonnenstrahl auffangen und verschlucken. Heiß stehen im bis zum Sprühen erhitzten Schiefer die Weinstöcke; Sonne, noch immer mehr Sonne wollen sie haben. Die Füße im Feuer, das tut ihnen gut, dann rinnt den Reben das volle Leben bis in die äußerste Spitze.“

(Zitat aus dem 1928 erschienenen Roman „Die goldenen Berge“ der in ihrer Zeit berühmten und vielgelesenen Schriftstellerin Clara Viebig; Rhein-Mosel-Verlag, Alf).

Wir haben auf einer großen Winzerversammlung im vergangenen Frühjahr für umweltschonend und qualitätsorientiert produzierte Trauben der obengenannten Toplagen das 3 bis 5fache des damaligen Marktpreises geboten und damit die bisherige Abhängigkeit der Winzer und Winzerinnen von den Großkellereien und der Genossenschaft durchbrochen.

Unser Angebot hat in der Region für beträchtlichen Wirbel gesorgt und einige Leute wachgerüttelt. Es wurde bisher in zahlreichen Publikationen, u. a. im amtlichen Mitteilungsblatt, abgedruckt, war Gegenstand mehrerer ausführlicher Fernsehbeiträge und wurde von 8 anderen Weingütern übernommen.

Selbst einige Großkellereien und die zentrale Winzergenossenschaft haben im letzten Herbst ihre bisherige Preispolitik etwas korrigiert und zum ersten Mal höhere Qualitäten besser bezahlt.

Einen entscheidenden Beitrag zu unseren Aktivitäten leistete ein guter Freund der Familie, der Kölner Weinhändler Peter Agne. Er vertreibt mit seiner Firma „Weincollection“ weltweit nur das Allerbeste, u. a. so legendäre Weinraritäten wie Lafite-Rothschild, Petrus und Romanèe-Conti - und ist gleichzeitig bekennender Steinwein-Fan. Da ihm wie uns viel daran liegt, für Spitzenprodukte auch entsprechend faire Preise zu zahlen, hat er die gesamte Vorfinanzierung und die garantierte Abnahme eines Großteils der Calmont- und Treppchen-

Weine übernommen. Die Raritäten werden zum Teil in den USA und in der gehobenen Gastronomie vermarktet, sind aber auch bei uns und bei Weincollection Köln, Baudriplatz 1, Tel.: 0221/1396690, in geringen Mengen zu erwerben.

Leider nicht mehr zu erwerben, aber zumindest zur Kenntnis zu nehmen, ist unser spektakulärer Erfolg bei der letztjährigen Vergabe des deutschen Rotweinpreises. Wir haben mit unserem erst- und an der Mosel einmalig, angebauten Cabernet Sauvignon/ Merlot auf Anhieb bei über 1000 angestellten Weinen den 4. Platz belegt.

Der durchführenden Fachzeitschrift „Vinum“ war dies folgende Meldung wert: „ MOSEL-CUVÈE. Gelegentlich findet man ihn inzwischen, den guten Rotwein von der Mosel. Zwar ist die deutliche Mehrheit, wie Riesling-Winzer gern urteilen, eher aus Scham rot. Dennoch machte in diesem Jahr das Weingut Stein in St. Aldegund mit seiner 1999er Cuvèe von Cabernet Sauvignon und Merlot deutlich, dass es kein vergebliches Unterfangen sein muß, erstklassigen roten Mosel zu erzeugen. Der Wein kam in seiner Gruppe sogar ins Stechen und belegte hier mit 15,9 Punkten einen stolzen vierten Platz.“

Erinnert sei noch mal daran, dass der Anbau roter Reben an der Mosel von 1933 bis 1987 (ohne nachvollziehbare Gründe) schlichtweg verboten war und Cabernet und Merlot erst 1997 zugelassen wurden . Aber wie schon im Weinbrief 1999 mit leichter Ironie angedeutet: der Kampf geht weiter! Diesmal nicht mehr für Rotwein (da sind inzwischen alle relevanten Rebsorten zugelassen und wir können selbst entscheiden, was wir anbauen oder nicht) sondern für Strohwein.

   Dabei handelt es sich um eine Spezialität, die bis 1971 in Deutschland hergestellt und dann durch das unselige Weingesetz verboten wurde. Dabei werden vollreife Trauben von mindestens 85 Grad Oechsle in luftigen Räumen auf Stroh ausgelegt. Den Trauben wird durch das trockene Stroh respektive die trockene Luft Wasser entzogen. Dies führt zu einer Konzentrierung der wertvollen Inhaltsstoffe und damit zu einer deutlichen Qualitätssteigerung der Trauben und des späteren Weines. Entsprechende oder ähnliche Verfahren werden in anderen europäischen Weinbauländern (Österreich=Strohwein; Italien=Amarone, Vin santo; Frankreich/Jura= Vin de paille) mit Erfolg praktiziert und sind dort selbstverständlich auch erlaubt.

Wir haben im letzten Herbst an die Weinüberwachung Rheinland-Pfalz in Trier eine „Anfrage zur erstmaligen Produktion von Strohwein“ gestellt und damit einen hoch-interessanten Briefwechsel ausgelöst, dessen Wiedergabe aus Platzgründen dem nächsten Weinbrief vorbehalten bleiben muß. Gegen die inzwischen erfolgte Ablehnung haben wir mit Hilfe unseres Haus- und Hofjuristen Rolf Hamacher aus Köln, der als enger Freund und eifriger Steinwein-Genießer neben dem juristischen auch ein ganz persönliches Interesse an der Sache hat, einen achtseitigen Widerspruch eingelegt und sind bereit, notfalls auch vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen.

Da die Mühlen der Justiz bekanntlich langsam mahlen, kann es noch ein Weilchen dauern, bevor wir den ersten (legalen!) Steinschen Strohwein probieren können.

Bis dahin können uns die eleganten 99er, die zart-fruchtigen 2000er und die stoffig-gehaltvollen 2001er Weine die Wartezeit aufs angenehmste versüßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,
Ihre Familie Stein

Weinbrief 2019 | Wassermangel, Säure, Schwefel

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,                          

der zurückliegende Jahrgang wird, wie die Topjahre 1953, 1959, 1976, 2003 und 2015, als sehr gutes - aber auch extremes - Trockenjahr in die Weinbaugeschichte eingehen.

Der 2018er ist in dieser Dekade bereits das sechste Extremjahr und verdeutlicht besonders drastisch den zunehmenden Klimawandel. Der lange Sommer war geprägt durch viel Sonnenschein, extreme Hitze und anhaltende Dürre.

     Während die tief wurzelnden alten Rebstöcke die anhaltende Trockenheit recht gut überstanden haben, stellten jüngere Reben teilweise ihr Wachstum vollständig ein oder sind komplett vertrocknet.

Das beständig hochsommerliche Wetter führte zu einer frühen Rebblüte Ende Mai/Anfang Juni und beschleunigte die weitere Traubenentwicklung im Juli und August. Bei Sonnenschein und hohen Temperaturen produzieren die grünen Rebblätter besonders viel Zucker (Oechsle), der dann sehr früh in die Trauben eingelagert wird - gleichzeitig wird Säure abgebaut. Die perfekte Balance zwischen ausreichend hohen Mostgewichten und Extrakten, einem fein ausgeprägten, sortentypischen Aroma und einer harmonischen Säure, wird je nach gewünschtem Weintyp zu unterschiedlichen Zeiten erreicht. Um nicht zu hohe Oechslegrade bei zu wenig Säure zu erhalten, musste die Lese sehr früh und genau terminiert werden.

     Für unsere leichten, rassigen Qualitäts- und Kabinettweine waren die Trauben bereits um den 20. bis 25. September perfekt reif, die opulenten Weine wie Steinlaus, Gernhardtwein, Hölle 1900 ernteten wir dagegen erst drei Wochen später. Die daraus produzierten vollmundigen Weine repräsentieren das große Potential und die Bandbreite des Rieslings aus Schiefersteillagen genauso wie die leichten, fruchtigen "Alltagsweine".

   Das zurückliegende Rekordjahr bescherte den Reben einerseits die höchsten Durchschnitts-temperaturen, die meisten Sonnenscheinstunden und die höchsten Oechslegrade, andererseits aber auch - und gerade deswegen -, in Kombination mit extremem Wassermangel, die niedrigsten Säurewerte. Diese mediterranen Verhältnisse prägten vor allem viele Weißweine. Da die roten Reben häufig in tiefgründigeren Böden stehen und von Fülle und Stoff, d. h. mehr vom Alkohol und weniger von einer rassigen Säure geprägt sind, kam diesen die Witterung mehr entgegen. Die 2018er Rotweine zeichnen sich bereits jetzt durch Fülle, Kraft und Eleganz aus und werden absolute Spitzenklasse.

   Durch das trockene Wetter wurde auch die Ausbreitung von Pilzkrankheiten verhindert. Dadurch konnten - erstmalig ohne jegliche Vorselektion - komplett gesunde Weiß- und Rotweintrauben geerntet werden. Da die Wasserversorgung der absolut limitierende Faktor war, wurden die höchsten Mostgewichte häufig nicht in den trockenen Toplagen, sondern in den feuchteren Hang- und Flachlagen erreicht. Das gleiche trifft für die Säure zu, deren Art und Gehalt für die spätere Weinqualität und Lagerfähigkeit von herausragender Bedeutung ist. In Abhängigkeit von Klima, Reife, Ertrag, Sorte, Traubenbeschaffenheit und deren Behandlung schwankt der Säuregehalt des Mostes in weiten Grenzen von 3 bis 30 Gramm pro Liter; die Durchschnittswerte liegen bei 6 bis 12 Gramm. Die wichtigsten Säuren sind die Weinsäure (2-10 g/l) und die Äpfelsäure (2-20 g/l). Die Summe aller sauren Substanzen in Most und Wein wird als Gesamtsäure bezeichnet. Sie liegt im Most immer höher als im Wein, da während und nach der Gärung Weinsäure als Weinsteinkristall ausfällt oder Äpfelsäure durch Bakterien abgebaut wird. Der mehr oder weniger saure Geschmack eines Weines hängt von der Höhe der Gesamtsäure, der Säureart und der Anwesenheit von Alkohol, Glycerin, Zucker, Kalium und sonstigen Extraktstoffen und Puffersubtanzen ab.

     Im Extremjahr 2018 war, ähnlich wie 2003, vieles anders. Wegen der teilweise katastrophal niedrigen Säurewerte von nur 3 bis 4 Promille bei vielen Mosten, drohte ein fader Geschmack und der mikrobielle Verderb. Darauf hin hat der deutsche Gesetzgeber einen Zusatz von Wein -, Äpfel - oder Milchsäure zum Most oder Wein bis maximal 4 Promille, d. h. 4 Gramm pro Liter, erlaubt.

       Mit dem Verweis auf die gängige Praxis in den südlichen Weinbauregionen Europas, die aufgrund der klimatischen Gegebenheiten fast immer Säuren zusetzen müssen, wurde dies im letzten Herbst auch in Deutschland häufig umgesetzt. So wird z. B. Weinsäure, vor allem wenn sie nicht dem Most sondern dem fertigen Wein zudosiert wird, von diesem regelrecht „abgelehnt“, d. h. sie fällt ganz oder teilweise wieder aus und setzt dadurch einen verhängnisvollen Mechanismus in Gang. Die nicht „akzeptierte“ Weinsäure reagiert mit dem wertvollen Weininhaltsstoff Kalium zu Weinstein (Kaliumtartrat) und reduziert dadurch diese wichtige Puffersubstanz . Dies wiederum führt dazu, dass sich bereits geringe Säuremengen ohne ihren „Gegenspieler“ Kalium geschmacklich extrem bemerkbar machen können und einen unharmonischen, „aufgesäuerten“ Geschmack hinterlassen. Obwohl gesundheitlich absolut unbedenklich, ist es unseres Erachtens fragwürdig, dem Naturprodukt Wein je nach Situation plötzlich das eine oder andere „Mittelchen“ zusetzen zu dürfen, ohne überhaupt darüber nachzudenken, ob es vielleicht nicht auch ohne oder anders geht.

       Solche groben Eingriffe führen bei einfachen Weinen zu weniger starken Veränderungen und sind - um Schlimmeres zu vermeiden - teilweise auch berechtigt. Dagegen geraten individuelle, komplexe und - zumindest aus der „Sicht der Rebe“ - fein austarierte und dem Jahrgang angepasste Weine eher aus dem Gleichgewicht. Um dies zu vermeiden, haben wir nicht angesäuert, sondern statt dessen eine ebenso simple wie elegante Methode zur Erhaltung einer möglichst hohen, eigenen Säure angewandt.

       Dieser liegt die in langjähriger Praxis gemachte Erfahrung zugrunde, dass beim Pressen der Trauben die Säure im Saft mit zunehmenden Pressdruck bis zu 3 Promille abnimmt. Während in der Regel der komplette Saft zu einem Wein ausgebaut wird, haben wir im vergangenen Herbst die jeweils letzten 10 bis 20 Prozent (mit entsprechend niedrigerer Säure) separiert und nur aus dem säurereicheren Vorlauf den jeweiligen Wein produziert. Der säureärmere Nachdruckmost wurde zu einem opulenten "Grenzgänger" Landwein ausgebaut. Die "fraktionierte Kelterung" hat uns die Möglichkeit erhalten, jahrgangstypische, saftige, gehaltvolle Weine mit einer etwas reduzierten, aber immer noch ausreichenden, harmonischen Säure auszubauen.

   In der Weinliste finden Sie unter der neuen Rubrik "Grenzgänger" Weine, die sowohl im Hinblick auf Produktion als auch Geschmack, sehr ungewöhnlich sind. Dabei geht es nicht darum, unbedingt etwas "Neues" zu kreieren, sondern mehr darum, "Altes" wieder aufleben zu lassen bzw. an alte Zeiten und vergessene Traditionen anzuknüpfen. Es gab bis vor 100 Jahren keine Schichtenfilter und elektrischen Pumpen und es war durchaus üblich, Weine im Holzfass (Tanks kamen auch erst später) über mehrere Jahre auf der Hefe reifen zu lassen und sie, manchmal auch ohne Zusatz von schwefliger Säure, unfiltriert abzufüllen.

   Wir haben uns an diesen alten Verfahren orientiert und erstmals im Jahre 2007, verstärkt seit 2011, hochwertige Rieslinge entsprechend ausgebaut und 2017 den ersten Spätburgunder unter dem Namen REDVOLUTION abgefüllt.

     Da die Weine nicht dem üblichen deutschen Geschmacksbild entsprechen und außerdem oft eine ganz leichte Naturtrübung aufweisen, wurden diese auf der amtlichen Prüfstelle mal abgelehnt, mal positiv beschieden. Wir haben uns angesichts dieser Unwägbarkeiten entschlossen, zukünftig auf die amtliche Prüfung zu verzichten und die "Grenzgänger" als Landweine ohne Prüfnummer zu vermarkten. Leider darf beim Landwein, auch wenn die Trauben zu 100 Prozent aus einer Lage stammen, diese nicht auf dem Etikett stehen, d.h. wir müssen, zumindest auf dem Vorderetikett, auf den Lagenamen verzichten.

     Die hohe Ausgangsqualität des Lesegutes und vor allem der lange Hefekontakt während des Ausbaues in kleinen Holzfässern verleiht diesen komplexen Weinen eine außergewöhnliche Stabilität - und das ohne zugesetzte Sulfite. Die bisher produzierten Weine haben auch nach einigen Jahren Flaschenreife ihre Kraft und Vielschichtigkeit bewahrt.

     Obwohl wir alle Weine sehr schonend ausbauen und auf Zusätze jeder Art verzichten, filtrieren wir üblicherweise mindestens einmal (Klarheit) und stabilisieren mit einer minimalen Schwefelzugabe. SO2 wird in der Kellerwirtschaft in verschiedenen Stadien der Weinbereitung (Maische, Most), in der Regel aber erst nach der Gärung, angewandt. Sie erfüllt drei wichtige Aufgaben: Bindung von schmeckbaren Gärungsprodukten, Verhinderung von Oxidationsprozessen und Hemmung der Aktivität von Hefen und Bakterien.

     Die geringe Sulfitzugabe bei unserem "normalen" Weinausbau schützt die Weine vor Oxidation und damit frühzeitiger Alterung und maskiert verschiedene Gärungsnebenprodukte. Diese können sich bei den "Grenzgängern" dagegen freier entfalten und sich geschmacklich stärker ausprägen.

Und ganz zum Schluss noch die besonders gute Nachricht: Der im letzten Weinbrief erwähnte Philip Lardot arbeitet seit nunmehr knapp zwei Jahren in unserem Betrieb. Er hat sich großartig eingebracht und ist zu einer absoluten Bereicherung geworden. Philip ist 30 Jahre alt, gebürtiger Finne (!) spricht 5 Sprachen, hat die Welt kennen- und den Steillagenweinbau an der Mosel lieben gelernt. Er hat eine exzellente Probe, weitreichende fachliche Kenntnisse, hat Humor und kann obendrein noch sehr gut kochen. Und er produziert hervorragende eigene Weine, (in Ausbau und Geschmack den Grenzgängern ähnlich).

     Im letzten Herbst hat er u.a. bei zwei Gemeinschaftsprodukten sein Können mit eingebracht:

Wir haben unter der Bezeichnung Stein&Lardot einen trockenen Blauschiefer (18T2) und einen neuen Schaumwein Pét-Nat (18S6) produziert. Bei letzterem handelt es sich um einen hochwertigen St. Aldegunder Himmelreich Kabinett, der gegen Ende der Gärung direkt aus dem Holzfass in druckstabile Sektflaschen abgefüllt wurde und - mit Kronkorken verschlossen - in der Flasche weiter gärt. Und das tut er auch jetzt noch! Während beim klassischen Sekt oder Champagner ein fertiger Grundwein nach Zusatz von Hefe und Zucker abgefüllt wird und in einer zweiten Gärung die Kohlensäure entsteht, wird beim Ausbau des (Pét)illant-(Nat)urel absolut nichts (d.h. auch keine Schweflige Säure) zugesetzt. Mehr Natur geht nicht!            

Darauf möchten wir das Glas erheben und mit dem gehaltvollen und aromatischen 2018er auf Ihre und unsere Zukunft trinken.

Mit freundlichen Moselgrüßen

Ulrich und Peter Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

Wenn Sie in unseren mail-Verteiler aufgenommen werden möchten:

mail an ulrich.stein@stein-weine. de

Unser Kulturprogramm finden Sie als pdf unter www.stein-weine.

Weinbrief 2017 | Wein & Journalisten, Zwitscherbilanz

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

wie die Jahrgänge 2010, 2013 und 2014 wird auch der 2016er als absolutes Extremjahr in die Weinbaugeschichte eingehen. Der Klimawandel lässt grüßen!

Und 2017 wird möglicherweise folgen: in der Nacht zum 20. April diesen Jahres führten Temperaturen von bis zu - 5 Grad in ganz Deutschland zu starken Frostschäden im Obst-, Wein- und Gartenbau. Die Schäden an den jungen Trieben und Blüten betrugen teilweise bis zu 100 Prozent. In unseren Weinbergen sind von den 3000 im letzten Jahr gepflanzten Jungreben mehr als die Hälfte komplett erfroren; bei den älteren Ertragsreben sind 30 - 50 Prozent der jungen Triebe geschädigt. Weiterhin macht in diesem Frühjahr eine extreme Trockenheit (es hat 10 Wochen nicht geregnet) den Reben das Leben schwer, d.h. obwohl endgültige Prognosen noch nicht möglich sind, ist schon jetzt mit einer kleinen Ernte zu rechnen.

Doch zurück zum vergangenen Jahr 2016: der Winter fand wieder mal nicht statt und das Frühjahr war kühl und nass. Bei durchschnittlichen Temperaturen herrschte im grauen Monat Mai und vor allem im Juni, d.h. während und nach der Rebblüte, Dauerregen. Diese extreme Witterung in der ersten Jahreshälfte stresste Reben und Winzer gleichermaßen und führte in vielen Regionen zu gravierenden Ausfällen. Vor allem die bei feuchtem Wetter sehr gefährliche Pilzkrankheit Peronospora, die sowohl Blätter als auch Trauben befällt, verursachte teilweise Totalschaden. In vielen Weinbergen machten sich auch tierische Schädlinge wie Erdraupen und Rhombenspanner über die Reben her; und wenn das alles überstanden war, bekamen etliche Trauben im heißen August auch noch starken Sonnenbrand.

Zum Glück ging es unseren Träubchen besser. Durch termingerechte Laubarbeiten und eine zusätzliche, gezielte Spritzung mit einem harmlosen Pilzbekämfungsmittel, konnten wir die Peronospora verhindern und die nachtaktiven Erdraupen - nach den Tagesthemen - im Schein von Taschenlampen von den Reben einsammeln.

Im September wendete sich das Blatt und ab dann sorgte trockenes und sonniges Herbstwetter bis Anfang November für eine sehr gute Reifeentwicklung und eine entspannte Lese vollreifer Trauben aller Qualitätsstufen. Trotz des nachfolgend schönen Herbstwetters ernteten die meisten Winzer ihre Trauben - wie in den letzten Jahren - in der ersten Oktoberhälfte und mußten sich demzufolge mit bestenfalls durchschnittlichen Qualitäten zufrieden geben. Wir folgten unserer bewährten Strategie, Trauben in ihrem möglichst optimalen, physiologischen Reifezustand zu ernten. Die perfekte Balance zwischen ausreichend hohen Mostgewichten und Extrakten, einem fein ausgeprägten, sortentypischen                                Aroma und einer harmonischen Säure, wird je nach gewünschtem Weintyp zu unterschiedlichen Zeiten erreicht. Für unsere leichten, rassigen Kabinettweine waren die Trauben um den 20. Oktober perfekt reif, die opulenten Weine wie Steinlaus, Gernhardtwein, Hölle 1900 ernteten wir dagegen erst 14 Tage später. Die daraus produzierten vollmundigen Weine repräsentieren das große Potential und die Bandbreite des Rieslings aus Schiefersteillagen genauso wie die leichten, fruchtigen "Alltagsweine". Letztere zeichnen sich, bei wenig Alkohol aber viel Geschmack, vor allem durch ihre rassige Säure aus. Diese wiederum ist, bei optimal geernteten Trauben von alten, wurzelechten Reben, durch den hohen Gehalt an Mineralien und Extraktstoffen geschmacklich gut abgepuffert.

Wir werden immer mal wieder darauf angesprochen, warum wir mit diesen authentischen Weinen in keinem Weinführer stehen und uns an diversen Verkostungen und Prämierungen nicht beteiligen. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Selbstverständlich ist es jedem Weingut unbenommen, sich gegenteilig zu verhalten und durch vielfältige Aktivitäten auf sich aufmerksam zu machen. Man wird bekannter und kann letztlich höhere Preise erzielen.

Dies hat allerdings auch seinen Preis: Verkostungen sind teuer (bis zu 100 Euro Startgeld pro Wein) und Messe- und Standgebühren oft horrend. Diese Ausgaben müssen letztlich über einen höheren Weinpreis wieder reingeholt werden, d.h. Weine werden mit und durch Rankings und Goldmedaillen geschmacklich nicht besser, sondern im Zweifel nur teurer.

     Außerdem wird die Welt immer facebookiger, twittriger und trumpiger. Das hat zur Folge, dass die Weinqualität weniger und die Medienpräsenz immer mehr zählt und dadurch schnell auch größere Abhängigkeiten entstehen. All dies wollen wir nicht! Dazu ein Zitat aus dem Weinbrief von 2009: "In unserem Weingut standen immer schlanke, rassig-elegante, trockene und feinherbe Rieslinge im Vordergrund; Weine, die bei hohen Aroma- und Extraktwerten und relativ niedrigem Alkoholgehalt gleichermaßen bekömmlich wie anspruchsvoll sind.

Dieser „leichte“ Weintyp erfreut sich seit einiger Zeit auch bei Fachjournalisten und Weinpäpsten zunehmender Beliebtheit. Im krassen Widerspruch dazu wird er aber bei Verkostungen, Weinmessen und anderen Weinwettbewerben weiterhin notorisch unterbewertet. Diese Ungereimtheiten erklären sich aus zweierlei Tatsachen: zum einen findet das allgemein übliche Prinzip, Meisterschaften nach Klassen auszutragen, in der Weinverkostung offenbar keine Anwendung. Es sollte doch, wie z. B. beim Boxen, auch ein Kabinett-Leichtgewicht in seiner Klasse Weltmeister werden können und nicht nur die Schwergewichte wie Beerenauslesen oder Eisweine. Die Stichprobe im beliebigen Weinführer zeigt aber: kein Qualitätswein oder Kabinett erreicht auch nur annähernd die höchste Punktzahl! Zum anderen sind Alkohol und Restzucker wichtige Geschmacksträger und damit weitgehend verantwortlich für die unmittelbare Wahrnehmung von Fülle und Intensität. Bei Verkostungen mit hunderten von Proben pro Tag machen also alkoholreiche, schwere und süße Weine auf den "ersten Schluck" schlicht mehr Eindruck. Prüfer und Etikettentrinker lassen sich darüber hinaus gerne von hoch gelobten Namen und noch höher geschraubten Preisen gleichermaßen blenden..... Wir sind und bleiben der Meinung, Wein soll auch beim zweiten oder dritten Glas noch schmecken. Deshalb wird es auch in Zukunft bei uns keine "Verkostungskabinette" mit 13 Prozent Alkohol geben, sondern Ihre und unsere moseltypischen Lieblingsweine", mit denen man so richtig schön einen "zwitschern" kann.

"Zwitscherbilanz" ist denn auch der treffende Titel eines großartigen Abends über das Trinken und Genießen. Das Programm der beiden phantastischen Musiker Peter Wilmanns und Buddy Sacher ist im Haus Waldfrieden entstanden und vermittelt das passende Lebensgefühl für Ulli Steins Eintritt ins Rentenalter. Zu diesem würdigen Anlass haben wir einen rassigen "Frühen Riesling" und einen eleganten "Späten Burgunder" ausgebaut.

Wir haben ein Zwitscherbilanz-Paket mit je 3 Flaschen der beiden Weine und einer CD zusammen gestellt, welches Sie erwerben und genießen können. Sie unterstützen damit auch das Projekt "Eine Schule für Bissau" in Afrika, eine Initiative Kölner Künstlerinnen und Künstler um den aus Guinea-Bissau stammenden Musiker Carlos Robalo. Mit Hilfe vieler Freunde und Förderer wurde in den letzten fünfzehn Jahren eine Schule mit eigener Wasserversorgung, Mensa, Sanitärhaus, Gemüsegarten u.a. mehr geplant und gebaut, in der heute mehr als vierhundert Kinder bis zur 9. Klasse unterrichtet werden. Dies ist ein langfristig angelegtes Projekt, bei dem kein Euro in Verwaltung oder in obskuren Kanälen versickert, sondern Spenden dort ankommen, wo sie benötigt werden.

 In den letzten Jahrzenten sind nicht nur wir alle sondern auch unsere Reben entsprechend älter geworden. Bei letzteren hat dies zur Folge, daß der Ertrag ab- und die Qualität zunimmt (fast wie bei den Menschen!) was wiederum eine wichtige Voraussetzung für die Erzeugung von hochklassigen Weinen ist. Und weil wir auch noch zu den glücklichen Menschen gehören, die in einer wunderbaren Landschaft leben und dazu einen Beruf ausüben, der ungeheuren Spaß macht, gilt: "Wir zwitschern einen - und dann gehts weiter".

Und dazu ist der ausgewogene, elegante, gehaltvolle und enorm fruchtige 2016er hervorragend geeignet.

Mit freundlichen Moselgrüßen

Ulrich und Peter Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

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Weinbrief 2015 | Botrytis, Verschlüsse

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,                              

leider beginnt der diesjährige Weinbrief mit einer traurigen Nachricht. In der Nacht zum 19. November 2014 ist unser Vater Heinrich Stein in seinem 92. Lebensjahr verstorben.

Was uns tröstet: Er hat würdevoll gelebt und ist in Würde gestorben. Er war auch an seinem letzten Tag zufrieden und glücklich und ist in der folgenden Nacht sanft eingeschlafen.

Heinrich hat in unserer Welt tiefe Spuren hinterlassen. Er hat so viel geschaffen, er hat so viele Menschen geprägt und beeindruckt, er hat so viel Liebe und Fürsorge geschenkt.

All dies bleibt - und so bleibt er auch.

Was auch bleibt, sind - neben vielen Erinnerungen - die von ihm angelegten Weinberge mit den zahlreichen Trockenmauern (vor allem in den Palmberg-Terrassen) und sein fundiertes Weinwissen, das er uns in den letzten fünfzig Jahren vermittelt hat. Wir konnten, vor allem beim Ausbau der 2014er Weine, viele seiner Ratschläge besonders gut gebrauchen und umsetzen.

Der zurückliegende Jahrgang, der mit 10,3 Grad Durchschnittstemperatur als wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gilt, war noch schwieriger als sein schon extremer Vorgänger. Vor allem in den Riesling-Anbaugebieten von Rhein und Mosel wurde wieder eine erschreckend kleine Erntemenge eingebracht. Die Ursache dafür war der extreme Witterungs- und Vegetationsverlauf des vergangenen Jahres.

Der Winter fand nicht statt und ein warmes Frühjahr führte zu einem zügigen Austrieb der Reben. Der Mai war durchwachsen, der Juni und Juli sehr warm, der August zu kühl, der September wieder wechselhaft und der Oktober warm und insgesamt zu nass. Dies führte, pünktlich zum Herbstbeginn, zu einem schlagartig einsetzenden Botrytisbefall und einer rasanten Fäulniszunahme der reifenden Trauben. Zum Glück gab es immer wieder schöne Tage und wir konnten an diesen, mit bis zu zwanzig Lesekräften, zwischen dem 5. und 19. Oktober, insgesamt gute Qualitäten ernten - allerdings wieder nur die Hälfte eines Durchschnittsjahres.

Weil der berühmt-berüchtigte Botrytispilz nach 2010 und 2013 im letzten Jahr schon wieder die Erträge extrem reduziert hat und wir auch in Zukunft, u.a. wegen der Klimaveränderung, mit weiteren Attacken rechnen müssen, soll er im folgenden etwas eingehender beschrieben werden: Der durch Botrytis cinerea hervorgerufene Grauschimmel der Rebe stellt wegen seiner schwierigen Bekämpfbarkeit von den im Weinbau unterschiedlich stark auftretenden Pilzkrankheiten wie Peronospora, Oidium, Roter Brenner und Schwarzfäule die Gefährlichste dar.

Der Pilz kann als einziger Parasit die Rebe während des ganzen Jahres infizieren und sämtliche grünen Rebteile sowie das einjährige Holz befallen. Die größten Schäden verursacht Botrytis jedoch beim Befall der Trauben, deren Anfälligkeit bei Reifebeginn, d.h. etwa ab 30-40 Grad Oechsle, plötzlich ansteigt. Bei feucht-warmem Wetter durchwächst der Pilz die Haut der unreifen, sauren Beeren und führt zur sogenannten Sauerfäule.

   Von den infizierten Beeren her kann der Schädling in die Hauptachse der Trauben einwachsen und die gefürchtete Stielfäule mit einem damit verbundenen Traubenfall hervorrufen. Aufgrund der luftigen Erziehungsart, keiner Düngung und dem Anbau wurzelechter, alter Rieslingreben fallen Bodentrauben in unseren Weinbergen kaum an.

   Unter günstigen Bedingungen kann der Botrytispilz vom Schädling zum Nützling werden. Ab etwa achtzig Grad Oechsle führt ein Botrytisbefall bei trockener Witterung infolge der Wasserverdunstung durch die perforierte Beerenhaut zum rosinenartigen Einschrumpfen. Dadurch konzentrieren sich die wertbestimmenden Inhaltsstoffe wie Zucker, Glyzerin, Bukett und Mineralien. Die als Edelfäule bezeichnete Qualitätssteigerung ist eine entscheidende Voraussetzung für die Erzeugung von edelsüßen Auslesen und Beerenauslesen.

Die höheren Niederschläge im vergangenen Herbst verstärkten aber nicht nur den Botrytisbefall sondern auch die Produktion von Bukett- und Aromastoffen. Bei ausreichender Feuchtigkeit können die Rebwurzeln die im Boden vorhandenen Nährstoffe und Mineralien besser aufnehmen, in die Trauben transportieren und dort die Aromabildung verstärken.

Dies und die niedrigen Erträge führten zur Konzentration der Traubeninhaltsstoffe und erklären die hohen Extraktwerte und die ausgeprägte Fruchtigkeit der neuen Weine.

Damit diese Qualitäten, die im Weinberg entstehen und im Fass weiter entwickelt und verstärkt werden, sich auch nach dem Abfüllen des Weines lange halten und eventuell sogar noch steigern (Flaschenreife), sind die richtigen Verschlüsse von allergrößter Bedeutung.

Wir haben zu diesem enorm wichtigen Thema in den letzten zehn Jahren zahlreiche Versuche durchgeführt. Dabei wurden verschiedene Weine mit Natur-, Kunststoff- und Kronkorken sowie Drehverschlüssen abgefüllt und deren Auswirkungen auf Frische und Fruchtigkeit über Jahre getestet. Der seltene Glasverschluss wurde wegen den hohen Kosten und Lieferproblemen nicht mit einbezogen.

Grundsätzlich gilt, dass bei der Anwendung, Bewertung und Akzeptanz von Flaschenverschlüssen neben den "objektiven" technischen Eigenschaften auch die "subjektive" Ästhetik, die "Psychologie" eine große - und oft sogar die entscheidende - Rolle spielt. Dies gilt vor allem für hochwertige, komplexe Rot - und Weißweine, bei denen meistens nur der Naturkork als vollwertiger Verschluss vom Kunden akzeptiert wird, während einfachere Produkte durchaus mit alternativen Verschlüssen abgefüllt werden "dürfen".

In den letzten Jahren haben technische Entwicklungen sowohl bei den Kunststoffkorken als auch bei den Schraubern zu deutlich verbesserten Produkten geführt. Während früher Drehverschlüsse oft entweder undicht oder aber ganz dicht waren und dadurch bei ersteren der Wein ausgelaufen ist und bei letzteren ein förderlicher Gasaustausch unterbunden wurde, kann man heute zwischen verschieden durchlässigen Drehverschlüssen wählen. Der abgefüllte Wein kann sich durch den dosierten Sauerstoffkontakt bessere entwickeln.

Bei Kunststoffkorken sind die Verbesserungen noch weitreichender. Die neueste Generation ist nach Aussagen des Herstellers aus "Nachwachsenden, Erneuerbaren Polymeren auf Zuckerrohrbasis" produziert, ist CO2 und damit klimaneutral und der Sauerstoffeintrag in den Wein ist genau reguliert. Der "Zuckerrohrkork" ist absolut geschmacksneutral und kann die abgefüllten Flaschen bis zu acht (!) Jahren sicher vor Oxidation und Alterung schützen.

Beim Verschließen von Weinflaschen leistet der aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber) hergestellte Naturkork nach wie vor Erstaunliches. Schon die alten Ägypter verschlossen vor 4000 Jahren ihre Amphoren mit Korkstopfen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wird der heutige Flaschenkork verwendet. Der in der Korkmaschine stark zusammengedrückte Korken dehnt sich im Flaschenhals wieder aus und dichtet über einen Zeitraum von 20 bis 40 Jahren so ab, dass Gase (Kohlendioxid und Sauerstoff) hinaus und hinein diffundieren können, die kostbare Flüssigkeit aber in der Flasche bleibt.

Obwohl immer wieder behauptet wird, das dieser Gasaustausch für die Weinentwicklung in der Flasche keine Rolle spielt, zeigen viele wissenschaftliche Befunde und praktische Erfahrungen etwas anderes. Vor allem hochwertige Rot- und Weißweine, die oft länger gelagert werden, können während der Flaschenreife durch den Kork "atmen" und sich harmonischer entwickeln.

     Wenn nur der verdammte Korkgeschmack nicht wäre! Einzelne Korken können verschiedene chemische Substanzen (Trichloranisole, Phenole) an den Wein abgeben und denselben durch Muff- und Bittertöne verderben. Die Angaben über den Anteil "vermöpselter" Flaschen weltweit schwanken zwischen 5 und 15 Prozent, was rund einer Milliarde (!) verkorkter Flaschen entspricht. Durch die Verwendung sehr sorgfältig produzierter - und entsprechend teurer - hochwertiger Korken eines namhaften portugiesischen Produzenten liegt der Anteil gestörter Flaschen in unserem Betrieb bei ca. 1 bis 2 Prozent - und die nehmen wir bei unseren hochwertigen Weinen nach wie vor in Kauf. Selbstverständlich werden verkorkte Flaschen ersetzt.

Während also bei komplexen Weinen die genannten "psychologischen" und technischen Gründe für den Naturkork sprechen, sieht das bei den mehr von Frische und Frucht geprägten einfachen und gehobenen "Alltagsweinen" ganz anders aus. Zum einen ist die Akzeptanz gegenüber alternativen Verschlüssen größer, zum anderen bleiben durch die höhere Gasdichtigkeit die gewünschten Eigenschaften der Weine länger erhalten. Und das alles ohne Korkgeschmack!

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren werden bei uns zur Zeit folgende Verschlüsse verwendet: Die kohlensäurehaltigen Riesling- und Rosé-Seccos mit 2,5 Bar Druck in der Flasche müssen besonders dicht verschlossen werden, deshalb verwenden wir für die perlenden Weine den absolut undurchlässigen Kronkorken aus Edelstahl.

   Unser leichtfruchtiger Literwein wird mit dem unkomplizierten, praktischen Drehverschluss abgefüllt und die "mittleren" Qualitäten wie z.B. Blauschiefer, Rosé und Neefer Frauenberg werden mit hochwertigen Kunststoff bzw. dem neuartigen "Pflanzenkork" verschlossen, d.h. bei diesen muss man auf das "Plopp" nicht verzichten.

   Die Kabinett- und Zwei-Sterne-Qualitätsweine sowie der rote Cuveé X sind vom Weintyp her (elegant, rassig, fruchtig) "Übergangskandidaten", die rein technisch gesehen mit den Alternativen abgefüllt werden könnten bzw. sollten, bei denen aber - wieder mehr als bei den einfacheren Weinen - die "Psychologie" eine größere Rolle spielt. Wir wollen außerdem dem klassischen Naturkorken, dessen Behandlung und Aufarbeitung auch ständig verbessert wird, eine Chance geben und machen die weitere Verwendung für diese Weine von der zukünftigen Korkqualität abhängig.

Wir glauben und hoffen, mit diesen verschiedenen Verschlüssen am besten auf die unterschiedlichen "Wünsche" sowohl der abgefüllten Weine als auch unserer genussfreudigen Kunden und Kundinnen reagiert zu haben und wünschen mit dem feinfruchtigen, rassigen 2014er ein entsprechend vergnügliches Probieren .

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telefon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

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Weinbrief 2013 | Handarbeit, Urgesteine

 Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,                              

der Höhenflug geht weiter! Auch 2012 ist wieder ein Spitzenjahrgang - der Klimawandel machts möglich.

   Der Witterungs- und Vegetationsverlauf war auch im vergangenen Jahr wieder von Extremen geprägt. Nach einem warmen und feuchten Januar und einem sehr kalten und trockenen Februar führte warmes Frühlingswetter im März und April zu einem frühen Austrieb der Reben. Der Mai war sonnig und warm, der Sommer verlief durchwachsen: ein gewittriger Juni, ein kühler Juli und ein teilweise heißer August machten den Reben das Leben schwer.

   Bei der Rebblüte im Juni blieb durch die kühle Witterung ein Teil der Blüten unbefruchtet. Dadurch bildeten sich weniger Beeren aus und der Ertrag wurde um rund 30 Prozent reduziert. Weitere Stressfaktoren waren diverse Pilzkrankheiten und Höchsttemperaturen an einigen Tagen im August. In den heißen Schiefer-Steillagen kletterte das Thermometer in der Sonne über die 50°-Marke. Die Hitze und die intensive Bestrahlung kann, vor allem bei freihängenden Trauben, zu einem regelrechten "Sonnenbrand" führen. Wir konnten das durch eine entsprechende Laubarbeit verhindern und haben dabei die Blätter an der Sonnenseite belassen und nur die rückseitigen entfernt. Dadurch kommt Luft an die Trauben, es entstehen weniger Pilzinfektionen und das feine Rieslingaroma bleibt in den beschatteten Beeren besser erhalten. Im September entwickelten sich die Reben gut weiter und ein "Goldener Oktober" erlaubte eine entspannte Lese gesunder und reifer Trauben in allen Qualitätsstufen.

   Leider war nach der halben Ernte 2010 auch im letzten Jahr der Ertrag (und damit auch die Einnahmen) um ein Drittel reduziert. Gleichzeitig haben sich die Preise für Korken, Flaschen, Kartonagen, Energie usw. um ungefähr den gleichen Anteil erhöht.

     Wir zählen zwar zu den glücklichen Menschen, die in einer wunderbaren Landschaft leben und dazu einen Beruf ausüben, der ungeheuren Spaß macht, aber auch bei uns muss die Kasse stimmen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass Letzteres auch für unsere Kunden gilt. Wir haben deshalb nicht generell sondern nur punktuell die Preise etwas angeglichen: die besonders arbeitsintensiven und nur in kleinen Mengen vorhandenen Spitzenprodukte sind etwas teurer geworden, bei den einfachen und mittleren Qualitäten bleiben die Preise unverändert.

   Vor allem für die hochwertigen Weine gilt, dass der für uns notwendige "Deckungsbeitrag" weder durch höhere Erträge (abnehmende Qualität) noch durch eine Senkung der Produktionskosten (geringere Löhne) zu erzielen ist. Dazu kommt der Faktor Zeit: In den letzten Jahrzehnten sind nicht nur wir, sondern auch unsere Reben entsprechend älter geworden. Bei letzteren hat dies zur Folge, dass der Ertrag ab- und die Qualität zunimmt, was wiederum eine wichtige Voraussetzung für die Erzeugung von hochklassigen Weinen ist.

     In den meisten deutschen Weinregionen, so auch an der Mosel, werden Rieslingreben angebaut, die in den letzten 50 Jahren gezüchtet wurden und wegen der weit verbreiteten Wurzelreblaus auf resistente amerikanische Unterlagen gepfropft werden müssen.

Diese modernen Hochleistungsklone wurden auf einen möglichst hohen Zucker- und Traubenertrag selektioniert und erreichen ihre aromatische Reife erst bei relativ hohen Mostgewichten. Wir haben in unserem Weingut überwiegend sehr alte, wurzelechte Reben im Anbau, die schon bei geringeren Oechslegraden sehr früh und vermehrt die wichtigen Inhaltsstoffe bilden. Die Kraft dieser tief wurzelnden, alten Reben geht weniger in den Zuckerertrag sondern mehr in die Aromabildung.

   Die Produktion hochwertiger Weine in den landschaftsprägenden Schiefer-Steillagen der Mosel ist und bleibt harte Handarbeit. Und das ist auch gut so! Wir haben nichts gegen eine maßvolle Mechanisierung durch Flurbereinigung und Parzellenzusammenlegung, die Rücksicht auf den Charakter der Landschaft nimmt, sehr wohl aber etwas gegen das Mechanisieren um jeden Preis. Es sind die Kurven und "Umwege", die der Fluss macht, die krummen und buckligen Trockenmauern, die Unebenheiten und Felsköpfe, die in den Steillagen aus dem Boden ragen, die den Reiz unserer Kulturlandschaft (mit) ausmachen. Für uns sind das "Wegmarken" und "Zeitzeichen", für andere lediglich Hindernisse, die beseitigt oder begradigt werden müssen, damit effizienter und schneller gearbeitet werden kann. So wurden in den letzten Jahren über 600.000.- Euro Steuergelder zur Entwicklung eines Steillagen-Traubenvollernters ver(sch)wendet, der natürlich nur dort eingesetzt werden kann, wo es keine Hindernisse mehr gibt.

Die Zauberformel dieser und anderer, ähnlich unsinniger Maßnahmen heißt: Produktionskosten senken - Rentabilität erhöhen. Der Preis dafür ist der Verlust von Individualität, sowohl der Landschaft als auch des Weines. Wir pfeifen drauf und bleiben bei unserer selektiven Handlese; und selbstverständlich verzichten wir auch auf den Einsatz einer "Beerensortiermaschine". Wir zahlen lieber unseren Mitarbeitern ein gutes Gehalt. Und weil unsere Kunden dies mittragen, indem sie für einen individuellen Wein, der fair und umweltgerecht produziert wurde, einen angemessenen Preis bezahlen, können wir auch wie zu Römers Zeiten weiterhin mit der Hacke unsere Weinberge bearbeiten.

Prägend für den besonderen Charakter feiner Moselweine sind neben vielen anderen wichtigen Faktoren vor allem Gesteine und Böden.

     Der "Grundstein" für den Moselweinbau wurde bereits vor 400 Millionen Jahren gelegt. Im Zeitalter des Devon war unsere Region noch ein Ur-Ozean, in dem sich riesige, kilometerhohe Sedimente bildeten. Als die Urkontinente Gondwana und Laurussia in Folge tektonischer Bewegungen zusammenstießen, wurde der Ur-Ozean zwischen den Kontinentalplatten zusammengeschoben und der Meeresboden unter großem Druck und hohen Temperaturen zusammengepresst. Die Sedimente versteinerten zu Schiefer und Sandstein und falteten sich zum Rheinischen Schiefergebirge auf. Vor rund 15 Millionen Jahren begann die damals breite und geradlinige Ur-Mosel die Landschaft zu formen und grub sich in den letzten 3 Millionen Jahren immer tiefer und kurvenreicher in das Schiefergebirge ein.

   Noch älter als der Schiefer sind die in der Geologie als Urgestein bezeichneten, erdgeschichtlich sehr alten Gesteine Granit, Gneis und Glimmer. Sie bilden die tragenden Schichten der oberen Erdkruste.

     Wir haben unserem eigenen "Urgestein", den Eltern Erna und Heinrich (90 und 91 Jahre alt) zwei Raritäten gewidmet, bei deren Produktion wir uns ebenfalls viel Zeit gelassen haben.

   Urgestein Erna ist ein besonders hochwertiger Sekt, ( Spezialcuvée von 60 Prozent Klosterkammer Spätlese und 40 Prozent eines 4-Sterne-Barriqueweines), der nach der aufwendigen „Methode champenoise“, hergestellt wird.

     Der Sekt-Grundwein wird mit 24 Gramm Zucker pro Liter und einer speziellen Reinzuchthefe versetzt, in dickwandige, bis 10 Bar druckstabile Flaschen abgefüllt und mit einem Kronkorken verschlossen. Innerhalb der nächsten Monate vergären die Hefen den zugesetzten Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid (Druck!) und produzieren spezifische Bukett- und Aromastoffe.

Da die Lagerzeit auf der Hefe die Qualität sehr stark beeinflusst, wird bei uns erst nach einer langen Reifephase von mindestens 3 Jahren die abgelagerte Hefe aufgeschüttelt und die Flaschen auf spezielle „Rüttelborde“ gestellt. Anschließend wird jede einzelne Flasche täglich gerüttelt, im bzw. gegen den Uhrzeigersinn gedreht und nach ca. 20 Tagen zunehmend steiler gestellt.

Durch das Rütteln verklumpen die kleinen Hefen zu größeren Zellaggregaten und setzen sich im Flaschenhals als Propfen ab. Die Flaschen werden dann kopfüber in ein Minus 20 Grad kaltes Bad gestellt, der Hefepropfen friert zu Eis und wird beim Öffnen durch den Innendruck hinausgeschleudert. Nach diesem „Degorgieren“ wird die sogenannte Dosage, ein meist mit Zucker stark gesüsster Wein, zugesetzt und die Flaschen mit einem dicken Sektkorken verschlossen. Wir verwenden zur besseren geschmacklichen Abrundung als Dosage unseren kostbaren Striehween.

   Beim Urgestein Heinrich wurde ein sehr hochwertiger Spätlesemost der Lage Klosterkammer im gebrauchten Barrique-Faß (ein Holzfaß aus französischer Eiche mit 225 L Inhalt) spontan, d.h. ohne Zusatz von Reinzuchthefe, vergoren. Nach einem Hefelager von 18 Monaten konnte der Wein mit einem Schlauch per Falldruck von den abgesetzten Hefen abgetrennt werden. Nach weiteren 3 Monaten Lagerung wurde der Wein ohne Filtration - und vor allem ohne Zusatz von Schwefliger Säure - wiederum per Falldruck abgefüllt.

     Obwohl wir alle Weine sehr schonend ausbauen und auf Zusätze jeder Art verzichten, filtrieren wir üblicherweise mindestens einmal (Klarheit) und stabilisieren mit einer minimalen Schwefelzugabe. Dazu eine kurze Erläuterung: Wenn von Schwefel im Wein gesprochen wird, ist damit die als Schwefeldioxid (SO2) zugesetzte schweflige Säure gemeint. Sie kommt im Wein frei und an verschiedene Inhaltsstoffe gebunden vor. Alle Zustandsformen zusammen ergeben die gesamte schwefelige Säure. SO2 wird in der Kellerwirtschaft in verschiedenen Stadien der Weinbereitung (Maische , Most), in der Regel aber erst nach der Gärung, angewandt. Sie erfüllt drei wichtige Aufgaben: Bindung von schmeckbaren Gärungsprodukten, Verhinderung von Oxidationsprozessen und Hemmung der Aktivität von Hefen und Bakterien. Wir sind gespannt, wie sich unser Experiment ohne zugesetzten Schwefel entwickeln wird. Im Moment präsentiert sich dieser außergewöhnliche Wein sehr gehaltvoll, etwas fremd aber hochinteressant. Da er nicht dem üblichen deutschen Geschmacksbild entspricht und außerdem eine ganz leichte Naturtrübung aufweist, wird er keine amtliche Prüfnummer erhalten. Wir bezeichnen ihn deshalb nicht als Spätlese sondern als Landwein der Mosel.

400 Millionen Jahre! Die "Urkraft" dieser langen Zeitspanne steckt im Schieferboden und prägt Rebe und Wein - und vielleicht auch uns?

Wir sollten den wichtigen Dingen die nötige Zeit einräumen: den Freundschaften untereinander, der Pflege alter Reben, dem Weinausbau und dem Genießen ganz allgemein.

Wir wünschen Ihnen mit dem rassigen, eleganten und fruchtigen 2012er eine gute Zeit.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telephon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

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Weinbrief 2011 | Extremjahr 2010, Steinlaus

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

der Jahrgang 2010 wird als absolutes Extremjahr in die Weinbaugeschichte eingehen.

In allen deutschen Anbaugebieten wurde die kleinste Erntemenge der vergangenen Jahrzehnte eingebracht. Darüber hinaus kam es in vielen Lagen auf engstem Raum, von Weinberg zu Weinberg oder sogar innerhalb einer Parzelle, zu starken Ertrags- und Qualitätsunterschieden. Die Ursache dafür war der extreme Witterungs- und Vegetationsverlauf des vergangenen Jahres.

Nach einem langen, kalten Winter und einem verzögerten Austrieb führten Spätfröste, vor allem beim Spätburgunder, zu ersten Schäden an den jungen Rebtrieben, deren weitere Entwicklung sehr unterschiedlich verlief. In den Spitzenlagen begann die Rebblüte bereits Anfang Juni. Sie wurde durch eine Schlechtwetterperiode ab der Monatsmitte verzögert und ein Teil der Rebblüten blieben unbefruchtet. Dadurch bildeten sich pro Traube weniger Beeren aus, was zu weiteren starken Ertragseinbußen führte. In den geringeren und mittleren Lagen setzte die Blüte erst später ein und verlief bei sonnigem Wetter ab dem 24. Juni weitgehend unproblematisch. Das rasante Rebwachstum im heißen und trockenen Juli wurde leider durch einen zu kalten und nassen August und einen wechselhaften September gestoppt. Die witterungsbedingt schon geringen Erträge reduzierten sich durch einen Anfang Oktober einsetzenden massiven Botrytisbefall der reifenden Trauben weiter.                                  

Zum Glück stellte sich ab der Monatsmitte, mit Beginn unserer Riesling-Hauptlese, schönes und stabiles Herbstwetter ein und wir konnten bis Anfang November gute Qualitäten ernten – allerdings nur die Hälfte eines Durchschnittsjahres.

„Winzer auf dem Trockenen“ lautete eine Schlagzeile auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung vom 19. 4. 2011: Die Ernte des vorigen Jahres war so dürftig, dass einige Weingüter schon jetzt den ganzen Jahrgang verkauft haben... Wahrscheinlich sind manche Rebsorten gegen Ende des Jahres ausverkauft. Sicher ist: Der Wein wird teurer.... Bei den diesjährigen Weinbörsen in Düsseldorf und Mainz zeigen die Kunden gezwungenermaßen Verständnis für die steigenden Preise: Schließlich hoffen sie, überhaupt noch eine Flasche zu ergattern. Sie können beruhigt sein: ganz so schlimm ist es bei uns nicht. Um den ökonomischen Schaden etwas abzufedern, haben wir uns lediglich entschlossen, eine eigentlich für nächstes Jahr geplante, maßvolle Preiserhöhung vorzuziehen.

Eine weitere Besonderheit des zurückliegenden Jahrgangs ist der ungewöhnliche Säuregehalt.

In Abhängigkeit von Klima, Reife, Ertrag, Sorte, Traubenbeschaffenheit und Lesezeitpunkt schwankt die Säure des Mostes in weiten Grenzen von 3 bis 25 Gramm pro Liter; die Durch-schnittswerte liegen bei 6 bis 12 Gramm. Die wichtigsten Säuren sind die geschmacklich „positive“ Weinsäure (2-10 g/L) und die eher „negative“ Äpfelsäure (2-15 g/L). Die Summe aller sauren Substanzen wird als Gesamtsäure bezeichnet. Sie liegt im Most immer höher als im Wein, da während und nach der Gärung Weinsäure als Weinsteinkristall ausfällt und/oder Äpfelsäure durch spezielle Bakterien abgebaut wird. In der Regel verhalten sich Zucker- und Säuregehalt gegenläufig, d.h. bei hoher Reife ist die Säure eher niedrig und umgekehrt.

2010 war jedoch alles anders: sowohl der Zucker- als auch der Säuregehalt erreichten nicht für möglich gehaltene Werte. Moste über 100 Grad Oechsle und gleichzeitig über 15 Promille Säure waren keine Seltenheit. Die Ursache für diese enorme Konzentrierung war einmal der verlangsamte Säureabbau durch die kühle Witterung im August und September und im Oktober der oben erwähnte Botrytisbefall. Der Botrytispilz perforiert die Beerenhaut und bei trockener Witterung kommt es durch Wasserverdunstung zum rosinenartigen Einschrumpfen. Dadurch konzentrieren sich die wertbestimmenden Inhaltsstoffe wie Zucker, Glyzerin, Bukett, Mineralien - und auch die Säuren (vgl. Weinbrief 1990).

In guten Jahren mit leicht erhöhter Säure, wie 2004 und 2008, konnten wir die gesunden Trauben lange hängen lassen und dadurch einen „natürlichen“ Säureabbau am Stock herbeiführen. Dies reichte im letzten Jahr aufgrund der besonderen Umstände nicht aus und wir mussten entsäuern. Wir haben uns dabei für die Kombination zweier schonender - allerdings in der Durchführung sehr anspruchsvoller – Verfahren entschieden und diese mit großem Erfolg angewandt. Dabei wurden einige Mostpartien jeweils nur zum Teil mit einem Spezialkalk total entsäuert, filtriert und später dem unbehandelten Anteil wieder zugeführt. Kalk hat die Eigenschaft, Säuren zu binden und diese als Kristalle auszufällen. In der Herbsthektik wird meistens mit Normalkalk entsäuert, der einfach dem gesamten Most zugesetzt wird und nicht abfiltriert werden muß. Der große Nachteil ist, dass in diesem Fall nur die für Rasse und Eleganz „zuständige“ Weinsäure entfernt wird, während die „weniger beliebte“ Äpfelsäure komplett im Most verbleibt. Bei unserem Verfahren wird dagegen Wein- und Äpfelsäure zu gleichen Teilen entfernt und dadurch an deren Verhältnis nichts geändert.

Die so entsäuerten Moste wurden nach der alkoholischen Gärung, bei der bekanntlich die lieben Hefen Zucker in Alkohol, Kohlendioxid und viele wichtige Extrakt- und Aromastoffe umwandeln, einem zweiten, diesmal „Biologischen Säure Abbau“ (BSA), unterzogen.

Dabei wird nach Gärende der trockene Wein mit sogenannten Milchsäurebakterien beimpft. Diese Mikroorganismen bauen die stärker sauer schmeckende Äpfelsäure in die wesentlich mildere Milchsäure und zahlreiche „neue“ Bukett- und Aromastoffe um und vermitteln dadurch einen sanften und runden Geschmackseindruck. Nach dem Abtrennen von der Hefe wurden diese „zarten“ Weine mit den nicht entsäuerten „Knackigen“ der gleichen Herkunft und Qualität im Verhältnis 1: 3 bis 1: 6 verschnitten und dadurch die gewünschte schonende Säurereduzierung erreicht. Die vielfach praktizierte einfache, aber extrem strapaziöse, Weinentsäuerung wurde von uns noch nie angewandt – und wir sind ein bisschen stolz darauf, auch in diesem schwierigen Jahr ganz darauf verzichten zu können.

Die beschriebene Entsäuerung wurde nur bei den einfachen und mittleren Qualitäten (Liter, Blauschiefer, Neefer, Hölle und Rosé), von denen ja auch mal ein Gläschen mehr getrunken wird, praktiziert – die anderen durften ihre Säure behalten. Wir haben bei diesen hochwertigen Weinen (bis auf den extra-trockenen Palmberg-Terrassen Qualitätswein**) durch Gärstopp mittels Kälte gegenüber den Vorgängerjahren eine leicht erhöhte Restsüße erhalten und damit einen geschmacklichen Ausgleich zu der knackigen Säure geschaffen. Diese Weine, in denen die Spannweite und Dramatik des Jahrganges besonders zum Ausdruck kommen, werden enorm lagerfähig sein und sich mit zunehmender Flaschenreife immer besser probieren. Dies gilt vor allem für die - analytisch – feinherbe, geschmacklich aber eher trockene Spätlese aus unserer Steilstlage Palmberg-Terrassen.

Der in diesem Jahr besonders konzentrierte, mineralische Riesling wird durch ein wunderbares Etikett von einem der größten zeitgenössischen deutschen Künstler auch optisch aufgewertet: Vicco von Bülow alias Loriot hat seine berühmte „Steinlaus“ für uns neu gezeichnet. Sie wird künftig das Etikett des jeweils besten Weines aus den Palmberg-Terrassen schmücken. Wir hatten im letzten Jahr das große Glück, das unser Freund und Weinkunde Gerd Richter-Kiewning aus Hamburg nicht nur mit Loriot zusammengearbeitet sondern auch einige Fläschchen Stein-Wein mit ihm geleert hat. Dem Angebot „sich bei den Künstleretiketten gerne einzureihen“, sind wir natürlich mit großer Begeisterung gefolgt. Zitat aus einem Brief an Loriot vom Juli 2010:

Ich kann meiner Freude über Ihr wunderbares Etikett kaum Ausdruck verleihen! Unsere ganze Familie ....ist buchstäblich „aus dem Häuschen“. Wir alle zusammen sind sehr stolz darauf, mit einem „Loriot-Etikett“ unseren besten Wein schmücken zu dürfen.....

Anscheinend ist die von Ihnen entdeckte „Steinlaus", die sich ja lange hauptsächlich von Ziegeln und Beton städtischer Bauten ernährt hat, im Alter auf den Geschmack gekommen und hat sich aufs Land zurückgezogen. Sie wohnt in unserer Steillage „Palmberg-Terrassen“, ernährt sich von dem mineralreichen Schiefergestein und bereitet dieses für die alten, tiefwurzelnden Riesling-Reben auf. Wenn wir dort arbeiten und uns während den Pausen ganz ruhig verhalten, hören wir sie manchmal in der Erde leise „knuspeln“. Und damit die scheuen Tierchen nicht nur was gutes zu essen sondern auch was entsprechendes zu trinken haben, dient eine Mulde im Schieferfelsen als Riesling-Tränke. ... In diesem Sinne hoffen wir, dass Ihnen unser Riesling ebenso gut schmeckt wie „Ihrer“ Steinlaus.

Und das wünschen wir Ihnen auch - und möchten darauf mit dem konzentrierten, rassigen, gehaltvollen 2010er auf Ihr und unser Wohl anstoßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

PS.

Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telephon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.

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Weinbrief 2009 | Verkostung, phys. Reife, Strohwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

nach sieben Spitzenjahren in Folge dürfen Sie sich auf Weine aus einem „normalen“ Weinjahr freuen!

Der Witterungs- und Vegetationsverlauf war auch im vergangenen Jahr wieder von Extremen geprägt. Nach einem nasskalten Frühjahr und einem späten Austrieb der Reben führte ein fast hochsommerlicher Mai zu einer frühen Rebblüte Anfang Juni. Die nachfolgenden Sommermonate zeichneten sich, bei häufig bedecktem Himmel, durch gleichmäßig warme Temperaturen und relativ geringe Niederschläge aus. Dies führte ab Mitte August in vielen Schiefer-Steillagen zu erhöhtem Trockenstreß der Reben und einem damit verbundenen verzögerten Trieb- und Traubenwachstum.

     Ein kühler September brachte eine weitere Reifeverzögerung und erst im Oktober stellte sich passables Herbstwetter ein. Da im Gegensatz zu den Vorjahren noch recht hohe Säurewerte vorlagen, starteten wir erst ab Mitte Oktober mit der Vorlese (daraus resultiert unser knackig-rassiger Traubenflüsterer und der elegante Blauschiefer), ernteten Ende Oktober die mittleren und höheren Qualitäten und Anfang November die wenigen Spitzenprodukte.

     Die Rebe baute 2008 (ähnlich wie 2004) die vorhandene Säure später als in den Vorjahren ab. Erst Mitte Oktober lieferten die Trauben Moste mit einem harmonischen Zucker-Säureverhältnis, die zu rassigen, ausbalancierten Weinen ausgebaut werden konnten. Zu früh geerntete Trauben müssen als Most oder Wein mittels Kalkpulver entsäuert werden. Kalk hat die Eigenschaft, Säuren zu binden und diese als Kristalle auszufällen. Die Weine werden dadurch milder – aber leider auch müder und langweiliger..

     Um bei dem 2008er in den einzelnen Qualitätsstufen das Niveau der letzten Spitzenjahre zu halten, musste streng selektiert und auf die ganz hohen Prädikate zugunsten der mittleren und gehobenen verzichtet werden. Wo 2007 in den besten Weinbergen Auslesen und Viersterne-Weine erzeugt wurden, wuchsen 2008 – immerhin - feine Kabinett- und Zweisterne-Qualitätsweine; und im Palmberg sogar eine wunderbare trockene Spätlese!

     In unserem Weingut haben wir schon immer schlanke, rassig-elegante, trockene und feinherbe Rieslingweine produziert, die bei hohen Aroma- und Extraktwerten und relativ niedrigem Alkoholgehalt gleichermaßen bekömmliche wie anspruchsvolle Weine darstellen. Diese „leichten“ Weine erfreuen sich bei Konsumenten als auch Fachjournalisten und selbsternannten Weinpäpsten zunehmender Beliebtheit. Bei Verkostungen, Weinmessen und anderen diversen Weinwettbewerben bleibt dieser Weintyp in der Bewertung deutlich zurück. Noch nie hat ein Kabinett die Höchstpunktzahl erreicht! Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich aus der schlichten Tatsache, dass alkoholreiche, schwere und konzentrierte Weine beim ersten Schluck mehr Eindruck hinterlassen, denn Alkohol ist ein wichtiger Geschmacksträger und bestimmt vor allem die unmittelbare Wahrnehmung von Fülle und Intensität eines Weines. Bei Verkostungen mit hunderten von Proben pro Tag präsentieren sich die alkoholreichen Weine eindrucksvoller als leichte. Prüfer und Etikettentrinker lassen sich darüber hinaus von hochgelobten Namen und noch höher geschraubten Preisen gleichermaßen beindrucken. Würden sie dem ersten und zweiten Prüfschluck ein paar Gläser mehr folgen lassen, könnte sich die anfängliche Begeisterung sehr schnell im Alkohol auflösen. Wir produzieren Weine zum trinken und nicht für Verkostungen und machen deshalb den ganzen Quatsch nicht mit.

Der in den letzten Jahren deutlich bemerkbare Klimawandel (vgl. Weinbrief 2007), der durch „intensive“ Witterungsereignisse wie ausgeprägte Starkregen, lang anhaltende Hitze- und Trockenperioden, Stürme und anderes gekennzeichnet ist, hat den deutschen Weinbau massiv beeinflusst. Bei zu großer Sommerhitze und zu hohen Herbsttemperaturen kann sich das von Zitrus-, Apfel- und Pfirsichnoten geprägte Rieslingaroma nicht optimal entwickeln und die Säure wird zu stark abgebaut. Kommt wie 2008 zu dem sommerlichen Wassermangel noch ein kühler September dazu, muss man die Trauben länger hängen lassen um eine möglichst optimale physiologische Reife zu erzielen. Mit diesem Terminus ist gemeint, dass Trauben weitgehend unabhängig von der vorhandenen Zuckerkonzentration möglichst viele andere, wertbestimmende Inhaltsstoffe (reife Pektine und Aminosäuren, Mineral- und Aromastoffe) aufweisen und sich durch eine ausbalancierte und rassige Säure auszeichnen. Dieser Reifezeitpunkt ist z.B. beim Riesling von Jahrgang zu Jahrgang sehr unterschiedlich und kann bereits bei 75 Grad Oechsle oder, wie 2003, erst bei 85-90 Grad Oechsle erreicht werden.

In den meisten deutschen Anbaugebieten, so auch an der Mosel, werden Rieslingreben angebaut, die in den letzten 50 Jahren gezüchtet wurden und wegen der weit verbreiteten Wurzelreblaus auf resistente amerikanische Unterlagen gepfropft werden müssen.

Diese „modernen“ Hochleistungsklone wurden auf einen möglichst hohen Zuckerertrag selektioniert und erreichen die oben beschriebene aromatische Reife erst bei relativ hohen Mostgewichten. Wir haben in unserem Weingut überwiegend sehr alte, wurzelechte Reben im Anbau mit sehr kleinen, gelben Träubchen und einem „natürlich“ niedrigen Ertrag, die schon bei relativ niedrigen Oechslegraden sehr früh und vermehrt die wichtigen Inhaltsstoffe bilden. Die Kraft dieser tief wurzelnden, alten Reben geht weniger in den Zuckerertrag sondern mehr in die Aromaproduktion.

Man kann den Beginn der physiologischen Reife buchstäblich sehen, riechen und schmecken: die anfänglich grünen Beeren und deren Kerne verfärben sich zunehmend gelb-braun, der grün-grasige Duft und Geschmack (unreifer Apfel!) verwandelt sich in eine reife Apfel- und Pfirsichnote und die aggressive Säure wird zarter und feiner.

Um einen ganz besonders leichten – und trotzdem gehaltvollen - trockenen Riesling Kabinett produzieren zu können, haben wir im letzten Herbst in der Schiefer-Steillage St. Aldegunder Himmelreich eine besondere Lesetechnik angewandt: von den ältesten, duchschnittlich 80 Jahre alten Rebstöcken, wurde bereits am 14. Oktober streng selektiv die gerade ins physiologische Reifestadium übergehenden, grün-gelb verfärbten Trauben mit 74 Grad Oechsle und 11 Promille Säure geerntet und zu einem „ultraleichten“, filigran duftenden und sehr knackigen Wein ausgebaut. Zwei Wochen später wurden im gleichen Weinberg die besonders reifen, gelb verfärbten Träubchen mit 86 Grad Oechsle und 9 Promille Säure gelesen und zu einem fein ausbalancierten, zart-eleganten Wein vergoren und nach 3 monatigem Hefelager mit dem anderen verschnitten. Leicht aggressiver, grüner Apfel trifft fruchtigen, zarten, aromatischen gelben Pfirsich und die resultierenden 80 Grad Oechsle ergeben lediglich 9,7 Prozent Alkohol bei 6,5 Gramm Restzucker und 8,5 Promille Säure: Schiefer-Riesling pur!

Etwas abgewandelt haben wir dieses Konzept beim Ausbau eines 2007er Spätburgunders. Rotweintrauben sind – mehr als Weiße – auf Sonnenschein und Wärme angewiesen und die erzeugten Weine brauchen mehr Alkohol und Stoff, um die nötige geschmackliche Fülle und Rundung zu erreichen. Aber auch hier kann (wie das viele spanische, kalifornische, südafrikanische und australische Rotweine „eindrucksvoll“ beweisen) ein zuviel des Guten nicht nur Finesse und Eleganz unterdrücken sondern sämtliche Geschmacksknospen und - manchmal gleich den kompletten Konsumenten – buchstäblich zukleistern.

Wie der weiße Riesling ist auch der Blaue Spätburgunder oder Pinot noir eine Rebsorte, die unter geeigneten Bedingungen elegante und gehaltvolle Weine hervorbringt. Gerade unsere mineralreichen Schieferböden bringen ersteres und die drei bis vierwöchige Maischegärung und der anschließende zweijährige Ausbau in kleinen 220 Liter fassenden französischen Eichenfässern (Barriques) vermittelt die gewünschte Tiefe und Fülle. Um die „mineralische Eleganz“ etwas mehr zu forcieren, haben wir von einem sehr gepflegten Spätburgunder-Weinberg unseres Domweinbesitzers im Herbst 2007 die besten Trauben streng selektiv gelesen, diese nur 10 Tage auf der Maische vergoren und den Wein nicht in Barriques, sondern in einem traditionellen 1000-Liter- Moselfuderfaß ausgebaut: Schiefer-Spätburgunder pur!

Abschließend noch die neuesten Informationen zum Thema Strohwein. Die im Herbst 2001 begonnene Auseinandersetzung mit der deutschen Weinbürokratie um die Zulassung dieser konzentrierten Spezialität hat ja vor der Europäischen Kommission in Brüssel ihr gutes Ende gefunden. Mit der am 1.8.2009 in Kraft tretenden neuen EU-Weinmarktordnung ist die Produktion von Strohwein erlaubt. In einem konstruktiven Gespräch mit dem zuständigen Weinbauminister Hendrik Hering und dessen Juristen sowie dem Anwalt meines Vertrauens, Rolf Hamacher, wurde die Sachlage geklärt und gleichzeitig von ministerieller Seite darauf verwiesen, dass Strohwein zwar hergestellt, aber nicht als solcher bezeichnet werden darf?! Diesen Begriff haben sich nach dem deutschen Strohweinverbot die Österreicher schützen lassen. Nach ausgiebiger Diskussion wurde unser Vorschlag, statt Strohwein den moselfränkischen Dialektausdruck „STRIEHWEEN“ als Markenname zu verwenden, akzeptiert. Wir haben uns diese Bezeichnung umgehend beim Deutschen Patentamt schützen lassen –

und möchten darauf mit dem eleganten, rassigen und feinfruchtigen 2009er auf Ihr und unser Wohl anstoßen.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

Wenn Sie in unseren e-mail-Verteiler aufgenommen werden möchten, schicken Sie eine e-mail an ulrich.stein@stein-weine.de.

Bestellungen können Sie unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telephon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360 aufgeben.

Weinbrief 2007 | Klimawandel, Domwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,

Der Klimawandel machts möglich: Sie dürfen sich schon wieder auf einen herausragenden Weinjahrgang freuen!

Nach dem knackigen 01er, dem würzigen 02er, dem opulenten 03er, dem eleganten 04er und dem saftigen 05er haben wir mit dem 2006er die nahezu perfekte Kombination all dieser Eigenschaften und damit den sechsten Spitzenjahrgang in Folge im Keller.

   Der Witterungs- und Vegetationsverlauf im vergangenen Jahr war geprägt von Extremen. Einem kalten und niederschlagsarmen Winter folgte ein verregneter März und ein durchwachsener April. Nach einem normalen Austrieb der Reben Anfang Mai führte extrem trockenes und heißes Wetter im Juni und Juli zu einem rasanten Triebwachstum, das dann durch einen total verregneten und kalten August jäh gestoppt wurde. Im September kehrte der Sommer zurück und die Reifeentwicklung der Trauben wurde enorm beschleunigt. Ergiebige Niederschläge Ende September und Anfang Oktober führten, vor allem in den südlicheren Weinbauregionen, zu einem teilweise katastrophalen Botrytisbefall mit nachfolgender Essigfäule und entsprechend hohen Verlusten. Bei uns trieb ab dem sechsten Oktober traumhaftes Herbstwetter mit Sonne und Wind das Wasser aus den Trauben und ließ die Oechslegrade rasant steigen - und die Säurewerte deutlich sinken.

     Da wir großen Wert auf physiologisch reife Trauben legen, die sich bei ausreichend hohen Mostgewichten vor allem durch eine feine Sortenaromatik und eine ausbalancierte, rassige Säure auszeichnen, starteten wir am 9. Oktober die schnellste Hauptlese aller Zeiten. Statt den üblichen vier Wochen waren diesmal unsere Weinberge innerhalb von zehn Tagen abgeerntet. Zum Glück: Beim Lesen der letzten fünf Stöcke setzte ein Dauerregen ein, der bei vielen Weingütern, die nicht rechtzeitig fertig wurden, nochmals große Schäden verursachte.

Die extremen Witterungsereignisse der letzten Jahre sind unserer Meinung nach eindeutige Kennzeichen eines Klimawandels. Im Gegensatz zu früheren Klimaschwankungen trägt heute der verantwortungslose Umgang der Menschen mit der Natur und deren Ressourcen entscheidend zum Wandel bei.    

   Verglichen mit anderen Regionen, in denen durch schmelzende Gletscher, Stürme, Hitze, Wassermangel und Überschwemmungen wirkliche Katastrophen ausgelöst werden, sind die Veränderungen in den Weinbaugebieten noch vergleichsweise harmlos und teilweise sogar positiv zu werten.

   Die geografische Ausdehnung der Weinanbaufläche ist geradezu ein Klimaindikator. Zur Zeit des sogenannten Klimaoptimums im Mittelalter bis zum Beginn der "Kleinen Eiszeit" gegen Ende des 16. Jahrhunderts erstreckte sich der Weinbau sehr viel weiter nördlich als heute. Er war z. B. an der Ostseeküste und in England weit verbreitet und erobert sich nun diese Regionen wieder zurück. So hat sich die Anbaufläche in Südengland in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt und in Holland, Belgien, Polen und auf Gotland wird zunehmend Wein angebaut.

     In den klassischen Weinregionen Deutschlands verdreifachte sich in den letzten 20 Jahren der Anteil der hitzebeständigeren Rotweinsorten gegenüber weißen Trauben und der Lesebeginn verschob sich um zwei Wochen nach vorne.

     Diesen eher positiven Veränderungen stehen jedoch auch negative Entwicklungen entgegen. So fördert der Klimawandel das Auftreten neuer Krankheiten und Schädlinge wie Schwarzfäule, Viren und Zikaden bzw. hemmt Nützlinge wie die Raubmilbe.

            Noch gravierender können sich, vor allem beim Weißwein - und da besonders beim Riesling - Hitze und Trockenheit auf die Weinqualität auswirken. Die wesentlichen Eigenschaften eines typischen Moselrieslings lassen sich mit elegant, rassig, feinfruchtig und spritzig beschreiben. Grundlage für diese einzigartige Geschmacksausprägung sind neben einem sorgfältigen Weinausbau vor allem die mineralreichen Schieferböden und ein ausgewogenes Klima. Bei zu großer Sommerhitze und zu hohen Herbsttemperaturen kann sich das von Zitrus-, Apfel- und Pfirsichnoten geprägte Rieslingaroma nicht entwickeln und die feine Säure wird zu stark abgebaut. Das Resultat können plumpe, alkoholreiche, säurearme und langweilige Weine sein, die ihre mosellanische Identität verloren haben.

   Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Diskussion über Terroir und eine damit einhergehende Lagenklassifizierung bald ganz von selbst erledigen. Gerade die Spitzenlagen leiden häufig am stärksten unter zu großer Hitze und Wassermangel, während die mittleren und guten Lagen deutlich an Qualität gewinnen. Dazu ein - im Nachhinein geradezu prophetisches - Zitat aus unserem Weinbrief von 1997: Die Befürworter einer Lagen-klassifizierung verweisen gerne auf historische Klassifikationen, z. B. auf kurtrierische Verordnungen von 1680, die preußische Lagenklassifikation von 1832 und 1905 und natürlich auf entsprechende Klassifizierungen im Bordeaux und Burgund. Wir halten eine auch nur annähernd objektive, wissenschaftlich fundierte Steillagenklassifizierung für nicht möglich. Selbstverständlich sind gute Lagen eine wichtige Voraussetzung , aber das alleine ist nicht alles: Traubensorte, Boden, Erziehungsart, Erntemenge, selektive Lese und Lesezeitpunkt, Rebalter und schließlich die Traubenverarbeitung und Kellerbehandlung tragen genauso zur Qualität des späteren Weines bei. Erst die Optimierung all dieser Kriterien führt zu Spitzenerzeugnissen - und nicht alleine die "adlige" Herkunft. Warum nicht wie beim Kochen und beim Fußball: Geschmack und Tore zählen! Niemand würde etwa in einem Restaurant den "klassifizierten" Weideplatz eines Rindviehs über alles stellen, sondern nach dem Verzehr eines delikaten Filets neben der offensichtlich guten Qualität des Ausgangsmaterials auch die Künste des Kochs bei der Zubereitung loben. Und wer wollte schon, dass die Zugehörigkeit zur ersten Liga nicht durch Resultate sondern per Dekret festgelegt wird.

   Außerdem können in trockenen Jahren ein paar simple Regengüsse darüber entscheiden, welches die erste Lage ist! Und Sie können entscheiden, welcher Wein Ihnen am besten schmeckt.

Obwohl wir das Wetter nicht ändern können, ist es durchaus möglich, auf die veränderten Bedingungen zu reagieren. So haben wir, um eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten, den Humusgehalt unserer Schieferböden kontinuierlich erhöht. Um die Trauben vor "Sonnenbrand" zu schützen, wurde im Sommer das Reblaub an der sonnenzugewandten Seite belassen und nur die Rückseite entblättert. Dadurch kommt Luft an die Trauben, es entstehen weniger Pilzinfektionen und das feine Rieslingaroma kann sich besser entwickeln bzw. wird nicht durch zu hohe Temperaturen in den Beeren zerstört.

   Besonders hohe Qualitäten konnten wir wieder in der tiefgründigen und ausreichend mit Wasser versorgten "Alfer Hölle" ernten und einen großartigen Vier-Sterne-Wein mit dem Künstleretikett von Robert Gernhardt schmücken.

Eine weitere Auszeichnung haben wir von dem Kölner Musiker und Maler Wolfgang Niedecken erhalten, der unseren Riesling sehr schätzt und für einen ganz besonderen Wein ein originelles Etikett gestaltet hat: Der Domwein!

   Zum umfangreichen Besitz der hohen Domkirche zu Köln gehörten von 1140 bis zur Säkularisation im Jahre 1800 auch Weinberge in dem kleinen Moselort Senheim. Das Domkapitel bezog aus der steilen Südlage "Senheimer Vogteiberg" einen Teil seines Mess- und Alltagsweins. Wir haben vom heutigen Besitzer dieses geschichtsträchtigen Weinbergs die 2006er Trauben erworben, diese streng selektiv gelesen und zu einem eleganten, rassigen, trockenen Riesling ausgebaut, der der Tradition dieser klassischen Schiefer-Steillage entspricht.

Wir freuen uns, Ihnen auch aus dem schwierigen Jahr 2006 feinfruchtige, rassige, gehaltvolle und authentische Weine anbieten zu können.

Mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein

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Weinbrief 2005 | Entsäuerung, Rotwein, Strohwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks, 

und schon wieder gibt es was Besonderes zu genießen!

Nach dem knackigen 2001er, dem würzigen 2002er und dem opulenten 2003er haben wir mit dem 2004er die perfekte Kombination all dieser Eigenschaften und damit den vierten Spitzenjahrgang in Folge im Keller.

     Im Gegensatz zu dem extrem heißen und trockenen Vorjahr herrschten 2004 ausgewogene Witterungsbedingungen. Bei oft bedecktem Himmel führten ausreichende Niederschläge und durchschnittlich warme Temperaturen zu einer zügigen Rebentwicklung im Sommer und einem entsprechenden Reifeverlauf im September. Bei schönem Herbstwetter nahmen die Oechslegrade im Oktober stark zu, und die meisten Winzer ernteten ihre Weinberge im Laufe dieses Monats ab.

     Nun lässt sich die Natur weder auf ein bestimmtes Erntedatum ( „Die polnischen Erntehelfer fahren nach Hause„) oder einen Reifeparameter (Zuckergehalt) festlegen. Stattdessen führen komplexe Wechselbeziehungen zwischen Rebe, Boden, Klima und dem Menschen die lieben Träubchen von Jahr zu Jahr höchst unterschiedlich zur Vollreife. Während im Ausnahmejahr 2003 bereits Mitte Oktober sehr hohe Oechslegrade, bei gleichzeitig bedenklich niedrigen Säurewerten, vorlagen und demzufolge ein längeres Hängenlassen der Trauben das Ungleichgewicht nur verstärkt hätte, war im vergangenen Jahr der Säuregehalt zu diesem Zeitpunkt noch sehr hoch.

     Die Rebe brauchte aufgrund der klimatischen Gegebenheiten einfach mehr Zeit, um die vorhandenen Säuren (vgl. Weinbrief 2004) auf natürlichem Weg abzubauen. Erst die Ende Oktober/Anfang November geernteten Trauben lieferten Moste mit einem harmonischen Zucker-Säureverhältnis, die ohne weitere Manipulation zu fein ausbalancierten Weinen ausgebaut werden konnten. Die zu früh geernteten Trauben müssen dagegen als Most oder Wein mittels Kalkpulver entsäuert werden. Kalk hat die Eigenschaft, Säuren zu binden und diese als Kristalle auszufällen.

Die Weine werden dadurch milder und etwas magenfreundlicher – aber leider auch müder und langweiliger. Diese sogenannte „chemische“ Entsäuerung wird von uns nur in geringen Jahren mit entsprechend hohen Säurewerten (letztmalig 1987) praktiziert. Dabei wird ein kleiner Teil des Mostes mit einem Spezialkalk total entsäuert und später dem unbehandelten Anteil wieder zugeführt. Mit diesem relativ schonenden Verfahren der Teilentsäuerung lassen sich saure Moste zu einfachen, harmonischen Alltagsweinen ausbauen. Die vielfach praktizierte, strapaziöse Weinentsäuerung wird von uns nicht angewandt.

     Geringe Erträge, eine möglichst späte Lese, schonende Verarbeitung und eine langsame Gärung sind beim Riesling die wichtigsten Kriterien zur Erzeugung harmonischer Weine. Rotweine müssen zusätzlich noch einen Biologischen Säure-Abbau (BSA) durchlaufen. Dabei wird der nach dem Ende der alkoholischen Maischegärung (vgl. Weinbrief 1993) in kleinen Eichenfässern (Barriques) gelagerte trockene Jungwein mit speziellen Bakterien versetzt und in einem leicht angewärmten Raum bei 15 bis 18 Grad einer zweiten Gärung unterzogen. Die Mikroorganismen bauen die im Wein enthaltene, stärker sauer schmeckende Äpfelsäure in die wesentlich mildere Milchsäure und zahlreiche neue Bukett- und Aromastoffe um und prägen den gewünschten samtig-molligen, runden Geschmackseindruck großer Rotweine entscheidend mit.

Während die 2004er Rotweine noch reifen müssen, zeichnen sich die 20 Monate im Barrique gelagerten 2003er Spätburgunder- und Cabernet-Merlot-Weine durch eine außerordentliche Fülle, Kraft und Eleganz aus. Wir freuen uns und sind stolz darauf, dass der Berliner Zeichner und Dichter F. W. Bernstein die Klasse dieser Spezialitäten durch sein Künstleretikett auszeichnet.

   Welches Rotwein-Potential in den steilen Schieferlagen steckt, konnten unsere Weine in der Vergangenheit mehrfach, u. a. beim Wettbewerb zur Vergabe des „Deutschen Rotweinpreises“, durch Belegung der vorderen Plätze unter Beweis stellen (vgl. Weinbrief 2002).

     Der Fachjournalist und Rotwein-Kenner Joachim Krieger publizierte in der diesjährigen Februar-Ausgabe der „Winzer-Zeitschrift“ einen Beitrag über „Der Mosel- - Spätburgunder - ein vorläufiges Resümee eines erfolgreichen `Härte-Testes.´“ Der Artikel sei hier wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung etwas ausführlicher zitiert: „ Immer wieder werden dünne, leichte, zu süße, hellfarbige unscheinbare Rotweine (…) an der Mosel und in ganz Deutschland kritisiert. (...) Sind die Weine dunkler, kommt die Farbe dann oft durch Erhitzung zustande .(…) Zu Weißwein-ähnlich sind diese zu stark nur auf Alkohol, Frucht und Farbe, eventuell auch auf Süße aufgebaute Rotweintypen, die von den einen geschätzt, den anderen verspottet werden. (…) Bei aller berechtigten und unberechtigten Kritik am Moselspätburgunder ist ein Argument unsinnig und falsch: Man habe nicht das Klima für Rotwein. (…) Nach allen Indizien war die Mosel in ihrem Ursprung sogar rot bepflanzt. (…) Noch weiß es fast niemand, dass ganz große Burgunder, nicht nur im Rheingau, an der Ahr und einigen anderen deutschen Regionen wachsen können, sondern auch in den geologisch ähnlichen Schiefer- und Quarzitböden der Mosel. (…) Nach intensiven Vorproben kam es am 7. Januar in Bernkastel zu einer blinden Vergleichsprobe mit 24 Teilnehmern, einem ersten wirklichen Härtetest einiger ausgewählter Moselburgunder. (…) Richtig groß sollten Rang und Namen der ausgewählten Konkurrenz sein mit Preisen, die teilweise das Zehnfache der Mosel-Burgunder ausmachten. Top-Weine von Dr. Heger aus Baden, Phillipi aus der Pfalz, Kesseler aus Assmannshausen (der aktuelle Sieger beim bedeutendsten deutschen Spätburgunder-Wettbewerb um die Assmannshäuser Krone), von der Ahr Jean Stodden, Kreuzberg und Adeneuer (…) und weitere Spitzenweine von berühmten Winzern aus Burgund. (…) In vier Gruppen wurden vier Jahrgänge blind probiert von 1999 -2002, immer einen Mosel gegen einen Ahr, einen anderen deutschen Burgunder und einen von der Cote d`Or. (…) Bei den 99ern errang deutlich die meisten Stimmen Dr. Heger aus Ihringen, (…) bei den 2000ern siegte, wie erwartet, recht eindeutig der Grand Cru aus Burgund. (…) Beim 2001er gab es dann einen knappen Vorsprung des besten Weines von Markus Molitor. (…) Beim 2002er dann schließlich die große Sensation: Der St. Aldegunder von Stein besiegte knapp aber deutlich den großen superfeinen Assmannshäuser Höllenberg von Kesseler, ( …) der Premier Cru von Mugnier abgeschlagen hinter der Ahr. Kurzum: die potenzielle absolute Konkurrenzfähigkeit der Mosel-Burgunder war in einem ersten Schritt konkret bewiesen worden. (…) Ähnlich der Einzigartigkeit des Mosel-Rieslings lässt sich aus vielen Lagen die Finesse eben auch in rot aus dem Boden herauskitzeln.“

Der Meinung sind wir schon lange und haben, wie in einigen Weinbriefen dargestellt, den Anbau roter Reben (der an der Mosel von 1933 bis 1987 verboten war) trotz großer Widerstände der staatlichen Weinbürokratie mit durchgesetzt.

Dies ist uns bei einer anderen traditionsreichen Spezialität noch nicht gelungen: dem Strohwein. Die in den beiden letzten Weinbriefen dargestellten bzw. angekündigten Aktivitäten haben am 18. Mai 2004 vor dem Verwaltungsgericht Trier und am 30. Juli 2004 vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz ein vorläufiges Ende gefunden. Wir haben

in der ersten Instanz unseren Prozess verloren und in der zweiten wurde die Klage abgewiesen. Dazu ein Kommentar des Chefredakteurs vom Trierischen Volksfreund, Rolf Seydewitz unter der Überschrift : „Unsinns-Verbot . Was, bitteschön, hat Moselwinzer Ulrich Stein verbrochen? Einen guten Tropfen gepanscht, seinem Wein eimerweise Zucker oder Glykol beigemengt? Nichts von alledem. Stein hat nur den Antrag gestellt, Strohwein zu produzieren. Zugegeben, nicht jedermanns Geschmack, weil ziemlich süß, aber schon zu alten Römerzeiten begehrt.

Danach fristete der Strohwein bei uns zwar ein Nischendasein, wurde aber auch an der Mosel über Jahrhunderte hinweg hergestellt und getrunken… Seit dem neuen Weingesetz von 1971 ist deutschen Winzern verboten, was ihren ausländischen Kollegen (Frankreich, Italien, Österreich ) erlaubt ist. Und seitdem machen die Aufsichtsbehörden allerlei Verrenkungen, um das Unsinns-Verbot in Gang zu halten.“

   Wir werden versuchen, durch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, die Sache wieder einzurenken. Es bleibt also weiterhin spannend.

Was wir leider nicht einklagen und damit auch nicht beibehalten können, ist die schöne Bezeichnung „Riesecco“ für unseren spritzig-fruchtigen Riesling-Perlwein. Eine große Weinkellerei hat sich diesen Namen schützen lassen und uns die weitere Verwendung untersagt. Mit der neuen Bezeichnung „Riesling secco“ (gesprochen: Riesecco), den wir für den „kleinen Durst“ jetzt auch als „Piccolo“ anbieten, lässt es sich aber auch gut leben.

Wenn Sie mehr über uns erfahren wollen, können Sie unter www.stein-weine.de und in unserer neuen Broschüre „Mosel, Schiefer, Steillagen“ eine kleine Entdeckungsreise durch Weinberg und Keller unternehmen - und dabei vielleicht einen rassig-eleganten, feinfruchtigen 2004er genießen.

Mit freundlichen Moselgrüßen

Ihre Familie Stein

Weinbrief 2003 | Sektbereitung, Cuvee X, Strohwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,   

- wenn das so weiter geht ....!

Nach dem großartigen 2001er haben wir mit dem letzten Jahrgang schon wieder Glück gehabt und das zweite Spitzenjahr des neuen Jahrtausends im Keller.

Wie im Vorjahr führte ein mildes Frühjahr und warmes Maiwetter zu einer zügigen Rebentwicklung mit einer frühen Rebblüte Anfang bis Mitte Juni. Die nachfolgenden sonnenarmen, aber warmen Sommermonate mit ausreichenden Niederschlägen beschleunigten das Rebenwachstum, sorgten für einen frühen Reifebeginn und ließen auf einen ganz großen Jahrgang hoffen. Leider setzte ab Mitte Oktober wechselhaftes Wetter ein und die Lese wurde wieder einmal zum Pokerspiel.

Durch intensives Vorlesen und Selektieren der Trauben sowie geduldiges – und manchmal zermürbendes – Warten konnten trotz der schwierigen Bedingungen von Ende Oktober bis Ende November gute bis sehr gute Qualitäten geerntet werden.

Zum gelungenen Abschluß des Jahrgangs trugen zwei Frosttage am 10. und 11. Dezember bei. An letzterem konnten bei Minus 9 Grad im Palmberg-Terrassen und im Erdener Treppchen zwei großartige Eisweine mit 161 und 158 Grad Oechsle eingebracht werden.

Zur Erinnerung: Ab Minus 6-7 Grad friert das in den Beeren enthaltene Wasser unter Konzentrierung der wertbestimmenden Inhaltsstoffe zu Eis. Die Trauben werden nach der Lese im gefrorenen Zustand möglichst schnell zur Kelterstation transportiert und ungemahlen sofort abgepresst. Der anfänglich hochkonzentrierte Saft von über 200 Grad Oechsle wird mit zunehmender Pressdauer durch das langsam auftauende Eis verdünnt. Wir haben für die beiden Spezialitäten „nur“ die jeweils ersten 130 bzw. 100 Liter Most verwendet und mit dem danach ablaufenden Saft von immerhin noch 125 Grad die Barrique-Weine sowie die Spät- und Auslesen erfreut.

Gefreut haben sich auch unsere Vertragswinzer über die Weiterführung unserer Initiative zur Rettung des Steillagenweinbaus (vgl. Weinbrief 2002). Wir hatten vor zwei Jahren auf einer großen Winzerversammlung im Nachbarort Bremm für umweltschonend und qualitäts-orientiert produzierte Trauben aus den Toplagen Bremmer Calmont, Neefer Frauenberg, Erdener Treppchen und Ürziger Würzgarten das vierfache des damaligen Marktpreises geboten und in der Region für beträchtlichen Wirbel gesorgt. Seitdem sind die Traubenpreise gestiegen und etliche Winzer und Winzerinnen, die aufgeben wollten, machen weiter und legen sogar wieder neue Weinberge an.

Der Südwestrundfunk drehte zu diesem Thema im letzten Herbst bei uns einen 30-minütigen Film „Riesling auf Rutschpartie – die Oechsletour der Moselwinzer“, der im Februar gesendet wurde und auf große Resonanz stieß. Wir hoffen, dass durch diese und andere Aktivitäten zusammen mit der weltweiten Renaissance des Rieslings der einmalige Steillagenweinbau an der Mosel erhalten bleibt.

Unter diesem Aspekt betrachten wir auch die Erzeugung der „weiteren Spezialitäten“, die in Ergänzung zum Riesling demonstrieren sollen, was in dem nördlichen Anbaugebiet Mosel noch alles möglich ist.

Dazu gehört auch der seit zwei Jahren produzierte Perlwein. Im Gegensatz zum Sekt, bei dem die prickelnde Kohlensäure während eines aufwendigen, mehrjährigen Gär- und Reifeprozesses in der Flasche entsteht, wird beim Perlwein gärungseigene Kohlensäure im Drucktank zugesetzt und der imprägnierte Wein unter Gegendruck in dickwandige Flaschen abgefüllt. Ebenso wie beim Sekt ist die Verwendung eines hochwertigen Grundweines die wichtigste Voraussetzung zur Erzeugung guter Qualitäten. Dieser simplen Logik entsprechen die herkömmlichen Billigprodukte nicht und deshalb wird der dadurch diskreditierte Begriff „Perlwein“ häufig vermieden und stattdessen von „Prosecco“ gesprochen.

Da Prosecco eine Rebsorte ist, die vor allem in Venetien der Erzeugung des gleichnamigen italienischen “Perlweines“ dient und der dort durch Gärung entsteht, ist die Übertragung dieses Begriffes zumindest fragwürdig – und darüber hinaus (auf dem Etikett) vom Gesetzgeber nicht erlaubt.

Erlaubt und darüber hinaus auch sehr treffend ist dagegen der von Ruth Schiffer kreierte und ab diesem Jahr verwendete Begriff „Riesecco“!

Bei dessen „größerem Verwandten“, dem Sekt, steht auch eine Neuerung an. Zum besseren Verständnis sollen die Grundlagen der Sektproduktion noch mal kurz dargestellt werden: Bei der Sektbereitung kommen zwei verschiedene Verfahren zur Anwendung. Für die Mehrzahl der Sekte werden billigste Grundweine in großen Tanks in entsprechend großen Kellereien mit Zucker und Hefe versetzt und nach der Gärung mittels spezieller Filter unter Gegendruck und Kühlung abgefüllt. Im völligen Gegensatz dazu werden Spitzensekte und Champagner durch die sehr arbeitsaufwendige „Methode champenoise“ hergestellt.

Dabei wird ein fertiger, möglichst durchgegorener, hochwertiger Grundwein (bei uns immer Riesling), mit 24 Gramm Zucker pro Liter und einer speziellen Reinzuchthefe versetzt, in dickwandige, bis 10 Bar druckstabile Flaschen abgefüllt und mit einem Kronkorken verschlossen. Innerhalb der nächsten Monate vergären die Hefen den zugesetzten Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid (Druck!) und produzieren spezifische Bukett- und Aromastoffe.

Da die Lagerzeit auf der Hefe die Qualität sehr stark beeinflusst, wird bei uns erst nach einer langen Reifephase von fünf ! Jahren die abgelagerte Hefe aufgeschüttelt und die Flaschen auf spezielle „Rüttelborde“ gestellt. Anschließend wird jede einzelne Flasche täglich gerüttelt, im bzw. gegen den Uhrzeigersinn gedreht und nach ca. 20 Tagen zunehmend steiler gestellt.

Durch das sehr arbeitsaufwendige Rütteln verklumpen die kleinen Hefen zu größeren Zellaggregaten und setzen sich im Flaschenhals als Propfen ab. Die Flaschen werden dann kopfüber in ein Minus 20 Grad kaltes Bad gestellt, der Hefepropfen friert zu Eis und wird beim Öffnen durch den Innendruck hinausgeschleudert. Nach diesem „Degorgieren“ wird die sogenannte Dosage, ein meist mit Zucker stark gesüsster Wein, zugesetzt und die Flaschen mit einem dicken Sektkorken verschlossen. Wir verwenden zur besseren geschmacklichen Abrundung als Dosage eine Beerenauslese oder einen Eiswein.

Bei unserem neuen Sekt brut C (C steht für Champagner!) haben wir schon während der fünfjährigen Lagerzeit die Hefen immer wieder aufgerüttelt und den geschmacklichen Einfluss derselbigen verstärkt. Dies und eine veränderte Dosage führt zu einem etwas weniger schlanken und rassigen, dafür mehr saftigen und körperreichen Sekt, der einem Champagner sehr nahe kommt ohne dabei die Individualität des Rieslings zu verlieren.

Eine weitere interessante Neuerung in der Nachfolge des Dornfelder/Spätburgunder-Rotweines ist die Cuvee X. Zur Erinnerung: In dem im Nachbarort Pünderich gelegenen Weinberg unseres ehemaligen Lehrlings Markus Busch können wir seit Herbst 2000 einen Teil seiner besten Dornfeldertrauben selbst ernten und nach unseren Methoden ausbauen.

Bei dem hochwertigeren, aber auch botrytisanfälligeren, Spätburgunder sowie dem spätreifenden Cabernet und Merlot, können elegante, gehaltvolle und entsprechend tiefrot gefärbte Weine nur aus absolut gesunden, spät gelesenen Trauben gewonnen werden. Demzufolge wird in der Regel drei- bis viermal vorgelesen, wobei die erste und zweite Lese zu einem schlanken Rose, die 3. Charge zu einem leichten Rotwein ausgebaut wird. Wir haben im letzten Jahr erstmals etwas größere Mengen Cabernet und Merlot geerntet und die anfallenden Vorlesetrauben zusammen mit dem Spätburgunder vergoren und später als Wein mit dem früher geernteten Dornfelder verschnitten. Die Anteile von 45 % Dortnfelder, 35 % Spätburgunder und je 10 % Cabernet und Merlot ergänzen sich zu einem eleganten, kräftigen „Alltagsrotwein“ der gehobenen Klasse.

Erstklassig ist auch eine weitere Spezialität aus der Alfer Hölle. Wir konnten 1999 durch besonders strenges Auslesen erstmalig einen „Vier-Sterne-Wein“ ernten, der durch ein Künstler-Etikett des Schriftstellers, Malers und Stein-Wein Freundes Robert Gernhardt entsprechend ausgezeichnet wurde. Bei der Feier zum 65igsten Geburtstag des Künstlers im großen Sendesaal des Hessichen Rundfunks in Frankfurt schlugen wir die weitere Verwendung des Etikettenmotivs für die kommenden Jahrgänge vor. Wann immer in der Hölle in den nächsten Jahren etwas ganz besonderes reift, können wir und der Künstler einen „Robert-Gernhardt-Wein“ genießen.

Auf den im letzten Weinbrief angekündigten Strohwein müssen wir noch etwas warten. Unsere entsprechende Anfrage beim „Aufsichts- und Dienstleistungszentrum“ in Trier hat die Weinbürokratie in ganz Rheinland-Pfalz etwas aufgeschreckt. Gegen die seinerseits erfolgte Ablehnung haben wir mit Hilfe unseres Haus- und Hofjuristen Rolf Hamacher aus Köln, der als enger Freund und eifriger Steinwein-Genießer neben dem juristischen auch ein ganz persönliches Interesse an der Sache hat, einen achtseitigen Widerspruch eingelegt. Der wiederum wurde über Mainz bis ins Landwirtschaftsministerium nach Bonn geleitet und dort letzlich abschlägig beschieden. Wir werden jetzt die Verwaltungsgerichte bemühen und gegebenenfalls vor dem Europäischen Gerichtshof klagen.

Bis dahin können uns die zart-fruchtigen 2000er, die stoffigen 2001er und die würzig-gehaltvollen 2002er Weine die Wartezeit aufs angenehmste versüßen.

 Mit freundlichen Moselgrüßen

Ihre Familie Stein

Weinbrief 2001 | Qualitäten, Weinalterung, Perlwein

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,                             

nach der phantastischen Serie guter bis hochklassiger Weinjahre im letzten Jahrzehnt wäre der Start ins neue Jahrtausend beinahe schief gegangen.

Ein mildes Frühjahr und schönes Mai- und Juniwetter führten anfänglich zu einer zügigen Rebentwicklung, die dann leider durch einen katastrophal nassen Juli abrupt gestoppt wurde. Der anhaltende Dauerregen durchnässte die armen Reben, verhinderte ein Abtrocknen der Laubwand und führte zu massiven Pilzinfektionen. In Abhängigkeit von Mikroklima und Rebsorte kam es in vielen deutschen Anbaugebieten zu späteren Ernteausfällen von 50 bis 100 Prozent.

Während sich in den trockeneren St. Aldegunder Schieferlagen „Palmberg“, „Himmelreich“ und „Klosterkammer“ der widerstandsfähigere Riesling gut und der empfindlichere Spätburgunder einigermaßen behauptete, herrschten in der tiefgründigeren, feuchteren „Alfer Hölle“ geradezu optimale Infektionsbedingungen. Dort attackierte der falsche Mehltaupilz „Peronospora“ vor allem den empfindlichen Müller-Thurgau und reduzierte dessen Ertrag auf 5 ! und den des Rieslings auf 30 Prozent.

Warme Temperaturen im August und September verhinderten das Allerschlimmste und verhalfen den verbliebenen Trauben zu einer recht guten Reifeentwicklung. Leider stellte sich im Herbst keine stabile Schönwetterperiode ein und die ganze Lese wurde zum Vabanque-spiel. Mit großem Aufwand durch mehrmaliges Vorlesen und strenges Selektieren konnten trotz der widrigen Umstände von Anfang Oktober bis Mitte November recht gute Qualitäten eingebracht werden. Und als ganz zum Schluß, am Vorweihnachtstag, im Palmberg noch ein Eiswein gefroren/geboren wurde, waren alle Probleme schon wieder vergessen.

Um beim 2000er in den einzelnen Qualitätsstufen das Niveau der letzten Spitzenjahre zu halten, musste - noch strenger als sonst - selektiert und auf die hohen Prädikate zugunsten der mittleren verzichtet werden. Das heißt, die hochwertigsten Trauben aus den besten Weinbergsarealen erreichten im Jahr 1999 Auslese- oder 4-Sterne-Niveau, im Jahr 2000 lediglich Kabinett oder 2-Sterne-Qualität. Stellt man die beiden Jahrgänge als Pyramide nebeneinander dar und vergleicht die jeweiligen Weine, so liegen sowohl die breite Basis als auch das Mittelstück (bei aller jahrgangsbedingten Unterschiedlichkeit) auf einem Niveau; beim 2000er fehlt allerdings (bis auf ganz geringe Mengen) die gesamte Spitze.

Dieses wichtige Prinzip der Qualitätspyramide bedeutet, dass wir in schwächeren Jahren auf hohe Prädikate verzichten und lieber gleichbleibend hochwertige Qualitätsweine produzieren.

Ähnlich wie der 99er zeichnet sich der „Neue“ durch eine sehr zarte Säure aus. Starke Regenfälle im Juli haben die im Boden vorhandenen (und durch die Frühjahrsdüngung neu eingebrachten) Nährstoffe besonders gut gelöst und die Reben gewissermaßen dazu „verführt“, sich – später als sonst - nochmal richtig „satt zu essen“.

Wir hatten glücklicherweise im letzten Jahr die sowieso schon reduzierte Düngung komplett ausgesetzt und konnten dadurch eine starke „Überfütterung“ der Reben vermeiden.

Einige der durch die Rebwurzeln aufgenommenen Mineralien (vor allem Kalium) können sich mit Säuren verbinden und diese als Salze, z.B. Weinstein, in Kristallform ausscheiden bzw. geschmacklich abpuffern und dadurch zarte Weine hervorrufen (vgl. Weinbrief 2000).

Ein Vergleich der letzten beiden Jahrgänge mit den mittlerweile gut entwickelten 97igern und den noch etwas „pubertierenden“ knackigen 98igern offenbart das großartige geschmackliche Spektrum feiner Rieslingweine, auf deren weitere Entwicklung in der Flasche man gespannt sein darf. Dazu ein Zitat aus dem 92er Weinbrief, ergänzt durch einige neuere Forschungs-ergebnisse:

Bei der Alterung von Weinen laufen vielfältige, teilweise noch unbekannte, komplizierte chemische Prozesse ab. Große Bedeutung kommt vor allem der Oxidation, d. h. der Aufnahme von Sauerstoff durch phenolische Substanzen (sogenannte Flavanoide), der Abnahme freier schwefliger Säure, dem Verlust von Kohlensäure und der Freisetzung von Aromastoffen zu.

Dabei ergeben sich zwischen Weiß- und Rotweinen große Unterschiede. Bei letzteren liegen 10 mal mehr Flavanoide als alterungsfähige Substanzen vor. Diese sind einerseits verantwortlich für Körper und Fülle, aber auch für Bitterkeit und Adstringens. Durch Oxidation, d. h. Sauerstoffzutritt durch den Korken während der Flaschenlagerung, werden die – anfänglich wie vereinzelte Glieder einer Kette vorliegenden – Moleküle zusammengeführt und bilden kurzkettige Einheiten. Damit geht zunächst eine Verstärkung der bitteren Geschmackskomponenten einher. Mit zunehmender Alterung bilden sich daraus langkettige Moleküle, die dann für den vollmundig-runden Geschmack abgelagerter Rotweine verantwortlich sind.

In Weißweinen mit geringerem Flavanoidgehalt, d. h. mit weniger einzelnen Ketten-gliedern, können sich entsprechend weniger lange „positive“ Ketten bilden; die Entwicklung bleibt gewissermaßen auf dem Kurzkettenstadium stehen. Hier kann eine Oxidation zur Zunahme von Bitterstoffen und Abnahme von Frucht und Frische und damit zum vorzeitigen Altern führen.

Die von uns praktizierte Lese der Trauben in einzelne Behälter, in denen sie bis zum schonenden Abpressen mit einer modernen, pneumatischen Kelter verbleiben sowie das gleichzeitig praktizierte Kühlen der Moste beim Absetzenlassen der Trubteile, hat eine verstärkte – und erwünschte – Mostoxidation zur Folge. Dadurch können die Bitterstoffe bereits im Most durch Polymerisation entsprechende „Ketten“ bilden, ausfallen und somit erst gar nicht in den späteren Wein gelangen.

Von diesem Ballast befreit können die Weine, unterstützt und gesteuert durch die positiven Inhaltsstoffe (rassige Weinsäure, spritzige Kohlensäure, hoher Extrakt- und ausreichender Alkoholgehalt und gegebenenfalls eine „dienende“ Restsüße) in einen langsamen, von Frische und Frucht begleiteten Alterungs- und Reifeprozess eintreten und dabei ungeahnte Geschmacksnuancen entfalten.

Dies gilt vor allem für große Weine (Auslesen, Beeren- und Trockenbeerenauslesen, Eisweine, Barrique-Weine) aus entsprechenden Jahrgängen (z. B. 1992, 1994, 1997), die 3 bis 10 Jahre zur optimalen Entwicklung brauchen und sich über Jahrzehnte auf höchstem Niveau halten.

Mittlere bis hohe Qualitäten (hochwertige Qualitätsweine, Kabinette und Spätlesen) machen häufig keine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung durch, sondern geraten nach ungefähr 2 Jahren in eine mehr oder weniger starke „Entwicklungskrise“. In dieser 6-18 monatigen „Pubertätsphase“ probieren sie sich trotz längerer Lagerung häufig unharmonischer und verschlossener als in der Zeit davor. Danach entwickeln sich die Weine rasant weiter, erreichen und halten ihre hohe Qualität weitere 8-20 Jahre und bauen dann langsam ab.

Obwohl sich Stein-Weine durch ein hohes Alterungspotential auszeichnen (bei einer kürzlich durchgeführten Vertikalprobe der letzten 10 Jahre hat selbst ein trockener 1990er Müller-Thurgau noch gut geschmeckt!), empfehlen wir, die Lagerung nicht zu übertreiben. Gerade die einfachen Qualitäten präsentieren sich jung und frisch am besten und bieten in den ersten zwei Jahren den größten Genuß.

Dies gilt auch für ein neues Produkt, das zukünftig als „weitere Spezialität“ unsere Weinliste bereichert: den Perlwein. Im Gegensatz zum Sekt, bei dem die prickelnde Kohlensäure während eines aufwendigen, dreijährigen Gär- und Reifeprozesses in der Flasche entsteht (vgl. Weinbrief 1991), wird beim Perlwein gärungseigene Kohlensäure im Drucktank zugesetzt und der imprägnierte Wein unter Gegendruck in dickwandige Flaschen abgefüllt. Ebenso wie beim Sekt ist die Verwendung eines hochwertigen Grundweines die wichtigste Voraussetzung zur Erzeugung guter Qualitäten. Dieser simplen Logik entsprechen die herkömmlichen Billigprodukte nicht und deshalb wird der dadurch diskreditierte Begriff „Perlwein“ von qualitätsbewussten Winzern häufig vermieden und stattdessen von „Prosecco“ gesprochen.

Da Prosecco eine Rebsorte ist, die vor allem in Venetien der Erzeugung des gleichnamigen italienischen „Perlweins“ dient, ist die Übertragung dieses Begriffes zumindest fragwürdig – und darüber hinaus (auf dem Etikett) vom Gesetzgeber nicht erlaubt.

Um die optimale geschmackliche Ausrichtung des auch für uns neuen „Mosecco“ herauszufinden, haben wir zwei verschiedene produziert und zur optischen Unterscheidung in unterschiedliche Flaschen abgefüllt: einen zart-trockenen /halbtrockenen in einer weißen und einen knackig-trockenen in der normalen grünen Flasche.

Wir sind gespannt, inwieweit Inhalt und Form gefallen und hoffen, mit dem leicht-spritzigen Sommergetränk eine preiswerte Ergänzung zum gehaltvollen Sekt kreiert zu haben und damit den Begriff Perlwein zukünftig positiv zu besetzen.

Dies ist bei einem anderen, in Deutschland ähnlich negativ bewerteten Weintyp bereits gelungen. Unser fruchtig-frischer Riesling-Tafelwein erfreut sich immer größerer Beliebtheit

und wird durch das diesjährige Künstleretikett ausgezeichnet. Unser Freund und Hausgraphiker Johannes Nawrath aus Hamburg hat in der Nachfolge des großen Schriftstellers und Zeichners Robert Gernhardt aus Frankfurt einer „Qualität des Einfachen“ die entsprechende Form verliehen.

Wir werden dieses Konzept in den nächsten Jahren weiterführen und den jeweiligen Tafelwein mit einem Künstleretikett ausstatten und mit vielen weiteren Aktivitäten Wein+Kultur betreiben.

Falls Sie mehr darüber erfahren wollen, unternehmen Sie eine kleine Reise durchs Internet unter www.stein-weine.de ; vielleicht in Begleitung eines zarten, frisch-fruchtigen 2000er Rieslings?

Viel Vergnügen wünscht dabei mit freundlichen Moselgrüßen,

Ihre Familie Stein