Der Anbau von Rotwein an der Mosel ist heute ein gewohntes Bild, war aber unter Androhung massiver Strafen bis 1987! gesetzlich untersagt. Einige Weingüter, darunter auch das Weingut Stein, mochten dieses Verbot zu Beginn der 80er Jahre nicht mehr unwidersprochen hinnehmen und kündigten an, den Rotweinanbau an der Mosel notfalls gerichtlich zu erstreiten. Prompt wurde in einschlägigen Kreisen schwerwiegender Verlust moselanischer Tradition und Identität beklagt und darüber hinaus unterstellt, dass rote Trauben an der Mosel sowieso nicht reif würden. Seltsamerweise gelang dieses Kunststück den nördlich gelegenen Weingütern der Ahr, wie auch schon den Römern, die bereits Rotwein an der Mosel kultivierten.  Im 19. Jahrhundert betrug der Anteil Rotwein an der Gesamtanbaufläche der Mosel ca. 15%.
Die gerichtliche Auseinandersetzung brachte dann auch die ganze traurige Wahrheit an den Tag: Das gesetzliche Verbot, Rotwein an der Mosel zu erzeugen, wurde 1933 erlassen. Moselrieslinge erzielten zu dieser Zeit weltweit die allerhöchsten Preise und die Nazis benötigten zur Finanzierung ihrer verbrecherischen Politik schlicht Devisen. Das rein politisch motivierte Verbot eines faschistischen Verbrecherregimes wurde nicht nur nicht bei erster Gelegenheit zurückgenommen, sondern im Gegenteil noch 1970! in die Neufassung des Weinbaugesetzes übernommen, von Gesetzgeber wie Funktionären erbittert verteidigt und hatte Bestand bis 1987.
Die 1987 gepflanzten Spätburgunderreben im Weingut Stein gehörten zu den ersten “Roten” im damals noch, rein “Weißen” deutschen Anbaugebiet und wurden, wenig überraschend, ein großer Erfolg. Heute gehören auch Cabernet und Merlot zu den Steinweinen.
Bis zu 75 % steile Südhänge mit ihren wärmespeichernden, mineralreichen Schieferböden bieten ideale Vorausetzungen für Rotweintrauben, denn diese sind – mehr noch als Weiße – auf Sonnenschein und Wärme angewiesen. Da vor allem die Farbstoffbildung in der Beerenhaut von der direkten Sonnenbestrahlung abhängt, werden die Stöcke etwas weiträumiger gepflanzt und im Spätsommer ältere Blätter in der Traubenzone entfernt. Die zugunsten der Qualität sehr niedrig gehaltenen Erträge erlauben bei trockenem Wetter die Lese vollreifer, dunkelgefärbter Trauben ca. ein bis zwei Wochen vor der Rieslingernte.