Steillagenweinbau

ist zu weiten Teilen Handarbeit, der Einsatz von Maschinen ist schwierig, vollautomatisierte Arbeitsgänge wie in Flach- oder Hanglagen sind im Steilhang und in den typischen Schiefer-terrassen schlicht nicht möglich. Reben schneiden, pflanzen, binden, heften, Laubarbeit, Pilzbekämpfung und zu guter Letzt die Lese, alles wird zu Fuß und von Hand getan. Einzig bei Pflügearbeiten und dem Transport von Lesegut sorgen je nach Topographie Traktor, Seilwinde und Schienenbahn für Arbeitserleichterung.
Wir betreiben seit je in unseren Weinbergen einen naturnahen Anbau, aus ökologischen und auch ökonomischen Gründen. Ein Beispiel hierfür ist der Umgang mit Grünpflanzen zwischen den Reben. Man kann dem unerwünschten Bewuchs mit Unkrautvernichtern zu Leibe rücken und muss dann dem strapazierten Grund mit Dünger wieder auf die Beine helfen. Beides ist zeit- und kostenintensiv und schadet am Ende mehr als es nutzt.
 Es geht auch einfacher, nachhaltiger und günstiger: Kraut wird gemäht oder untergepflügt und dient auf diese Weise als kreislaufender Humuslieferant. Auch tierische Schädlinge wie Spinnmilben oder Traubenwickler können durch deren natürliche Gegner, Raubmilben, Flor-fliegen und Marienkäfer in Schach gehalten oder durch biologische Lockstoffe (Pheromone) an der Vermehrung gehindert werden.
Pilzkrankeiten der Rebe sind für jeden Weinbaubetrieb eine ständige  Herausforderung. Sie treten ausnahmslos jedes Jahr auf und müssen bekämpft werden um überhaupt den Ertrag zu sichern. 

 

 

Wir sprühen umweltschonende Fungizide, die sich weder in den Trauben noch im Boden niederschlagen oder anreichern. Durch den Klimawandel lässt der Druck der Pilzinfektionen in den extrem trockenen Sommern zwar spürbar nach, allerdings wandern auch Krankheiten und Schädlinge aus wärmeren Zonen ein, deren Bekämpfung eine ganze Branche vor neue Aufgaben stellt.
Trotz des Risikos durch Regen, hungrige Vögel, gefräßige Wildschweine u. a. mehr, findet die Traubenlese bei uns in der Regel von Ende September bis Ende Oktober statt. Da sich Bukett- und Aromastoffe sowie ein harmonisches Zucker-Säureverhältnis erst nach einer langen Vegetationsperiode optimal ausbilden, ist eine späte und differenzierte Lese in den meisten Jahren für die Weinqualität von großer Bedeutung d. h. es wird streng nach Qualität selektiert.
Die Trauben werden in kleine Kisten gelesen, in diesen auch transportiert und innerhalb weniger Stunden im Keller schonend verarbeitet.
Neben Klima, Lage, Boden, Rebsorte und naturnahem Anbau sin reduzierte Erträge von 4000-6000 Liter pro Hektar, dies entspricht etwa einer Flasche pro Rebstock, die wichtigste Voraussetzung zur Erzeugung hochwertiger, extraktreicher und langlebiger Weine.

 

Ausführliche Informationen zu Arbeiten und Methoden zum Anbau finden Sie in den Weinbriefen.

 

Der Anbau von Rotwein an der Mosel

ist heute ein gewohntes Bild, war aber unter Androhung massiver Strafen bis 1987! gesetzlich untersagt. Einige Weingüter, darunter auch das Weingut Stein, mochten dieses Verbot zu Beginn der 80er Jahre nicht mehr unwidersprochen hinnehmen und kündigten an, den Rotweinanbau an der Mosel notfalls gerichtlich zu erstreiten. Prompt wurde in einschlägigen Kreisen schwerwiegender Verlust moselanischer Tradition und Identität beklagt und darüber hinaus unterstellt, dass rote Trauben an der Mosel sowieso nicht reif würden. Seltsamerweise gelang dieses Kunststück den nördlich gelegenen Weingütern der Ahr, wie auch schon den Römern, die bereits Rotwein an der Mosel kultivierten.  Im 19. Jahrhundert betrug der Anteil Rotwein an der Gesamtanbaufläche der Mosel ca. 15%.

Die gerichtliche Auseinandersetzung brachte dann auch die ganze traurige Wahrheit an den Tag: Das gesetzliche Verbot, Rotwein an der Mosel zu erzeugen, wurde 1933 erlassen. Moselrieslinge erzielten zu dieser Zeit weltweit die allerhöchsten Preise und die Nazis benötigten zur Finanzierung ihrer verbrecherischen Politik schlicht Devisen. Das rein politisch motivierte Verbot eines faschistischen Verbrecherregimes wurde nicht nur nicht bei erster Gelegenheit zurückgenommen, sondern im Gegenteil noch 1970! in die Neufassung des Weinbaugesetzes übernommen, von Gesetzgeber wie Funktionären erbittert verteidigt und hatte Bestand bis 1987.  

 

 

Die 1987 gepflanzten Spätburgunderreben im Weingut Stein gehörten zu den ersten “Roten” im damals noch, rein “Weißen” deutschen Anbaugebiet und wurden, wenig überraschend, ein großer Erfolg. Heute gehören auch Cabernet und Merlot zu den Steinweinen.
Bis zu 75 % steile Südhänge mit ihren wärmespeichernden, mineralreichen Schieferböden bieten ideale Vorausetzungen für Rotweintrauben, denn diese sind – mehr noch als Weiße – auf Sonnenschein und Wärme angewiesen. Da vor allem die Farbstoffbildung in der Beerenhaut von der direkten Sonnenbestrahlung abhängt, werden die Stöcke etwas weiträumiger gepflanzt und im Spätsommer ältere Blätter in der Traubenzone entfernt. Die zugunsten der Qualität sehr niedrig gehaltenen Erträge erlauben bei trockenem Wetter die Lese vollreifer, dunkelgefärbter Trauben ca. ein bis zwei Wochen vor der Rieslingernte.