Stein Weine - Riesling und Rotweine von der Mosel

Weinbriefe

 


Stein-Wein: Weinbrief 2015
Alf, im Frühjahr 2015



Liebe Freundinnen und Freunde des guten Geschmacks,


leider beginnt der diesjährige Weinbrief mit einer traurigen Nachricht.

In der Nacht zum 19. November 2014 ist unser Vater Heinrich Stein in seinem 92. Lebensjahr verstorben.

  

Was uns tröstet: Er war auch an seinem letzten Tag zufrieden und glücklich und ist in der folgenden Nacht sanft eingeschlafen.

     Heinrich hat in unserer Welt tiefe Spuren hinterlassen. Er hat so viel geschaffen, er hat so viele Menschen geprägt und beeindruckt, er hat so viel Liebe und Fürsorge geschenkt. All dies bleibt - und so bleibt er auch.

 

Wir haben neben vielen Erinnerungen die von ihm angelegten Weinberge mit den zahlreichen Trockenmauern und sein fundiertes Weinwissen, das er uns in den letzten fünfzig Jahren vermittelt hat. Vor allem beim Ausbau der 2014er Weine konnten wir viele seiner Ratschläge besonders gut nutzen und umsetzen.

 

Der zurückliegende Jahrgang, der mit 10,3 Grad Durchschnittstemperatur als wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gilt, war noch schwieriger als sein schon extremer Vorgänger. Vor allem in den Riesling-Anbaugebieten von Rhein und Mosel wurde wieder eine erschreckend kleine Erntemenge eingebracht. Die Ursache dafür war der extreme Witterungs- und Vegetationsverlauf des vergangenen Jahres.


Der Winter fand nicht statt und ein warmes Frühjahr führte zu einem zügigen Austrieb der Reben. Der Mai war durchwachsen, der Juni und Juli sehr warm, der August zu kühl, der September wieder wechselhaft und der Oktober warm und insgesamt zu nass. Dies führte, leider pünktlich zum Lesebeginn, zu einem schlagartig einsetzenden Botrytisbefall und einer rasanten Fäulniszunahme der reifenden Trauben. Zum Glück gab es immer wieder schöne Tage und wir konnten in diesem "Rekordherbst", zwischen dem 5. und 19. Oktober, insgesamt gute Qualitäten ernten - allerdings wieder nur die Hälfte eines Durchschnittsjahres.

 

Weil der berühmt-berüchtigte Botrytispilz nach 2010 und 2013 im letzten Jahr schon wieder die Erträge extrem reduziert hat und wir auch in Zukunft, u.a. wegen der Klimaveränderung, mit weiteren Attacken rechnen müssen, soll er im folgenden etwas eingehender beschrieben werden:

     Der durch Botrytis cinerea hervorgerufene Grauschimmel der Rebe ist schwer zu bekämpfen und stellt unter den im Weinbau auftretenden Pilzkrankheiten wie Peronospora, Oidium, Roter Brenner und Schwarzfäule die Gefährlichste dar.

Botrytis kann als einziger Parasit die Rebe während des ganzen Jahres infizieren und sämtliche grünen Rebteile sowie das einjährige Holz befallen. Die größten Schäden verursacht der Pilz jedoch bei den Trauben, die bei Reifebeginn, d.h. etwa ab 30-40 Grad Oechsle, anfällig werden. Bei feucht-warmem Wetter durchwächst der Pilz die Haut der unreifen, sauren Beeren und führt zur sogenannten Sauerfäule.

   Von den infizierten Beeren her kann der Schädling in die Hauptachse der Trauben einwachsen und die gefürchtete Stielfäule mit einem damit verbundenen Traubenfall hervorrufen.

   Unter günstigen Bedingungen wird der Schädling jedoch zum Nützling. Ab etwa achtzig Grad Oechsle führt ein Botrytisbefall bei trockener Witterung infolge der Wasserverdunstung durch die perforierte Beerenhaut zum rosinenartigen Einschrumpfen. Dadurch konzentrieren sich die wertbestimmenden Inhaltsstoffe wie Zucker, Glyzerin, Bukett und Mineralien. Die nun als Edelfäule bezeichnete Qualitätssteigerung ist eine entscheidende Voraussetzung für die Erzeugung von edelsüßen Auslesen und Beerenauslesen.

 

Die höheren Niederschläge im vergangenen Herbst verstärkten aber nicht nur den Botrytisbefall sondern auch die Produktion von Bukett- und Aromastoffen. Bei ausreichender Feuchtigkeit können die Rebwurzeln die im Boden vorhandenen Nährstoffe und Mineralien besser aufnehmen, in die Trauben transportieren und dort die Aromabildung verstärken.

Dies und die niedrigen Erträge führten zur Konzentration der Traubeninhaltsstoffe und erklären die hohen Extraktwerte und die ausgeprägte Fruchtigkeit der neuen Weine.

 

Damit diese Qualitäten, die im Weinberg entstehen und im Faß weiter entwickelt und verstärkt werden, sich auch nach dem Abfüllen des Weines lange halten und eventuell sogar noch steigern (Flaschenreife), sind die richtigen Verschlüsse von allergrößter Bedeutung.

 

Wir haben zu diesem enorm wichtigen Thema in den letzten zehn Jahren zahlreiche Versuche durchgeführt. Dabei wurden verschiedene Weine mit Natur-, Kunststoff- und Kronkorken sowie Drehverschlüssen abgefüllt und deren Auswirkungen auf Frische und Fruchtigkeit über Jahre getestet. Der seltene Glasverschluss wurde wegen der hohen Kosten und Lieferproblemen nicht mit einbezogen.

 

Grundsätzlich gilt, daß bei der Anwendung, Bewertung und Akzeptanz von Flaschenverschlüssen neben den objektiven technischen Eigenschaften auch die "Psychologie" eine große - und oft sogar die entscheidende - Rolle spielt. Dies gilt vor allem für hochwertige, komplexe Rot - und Weißweine, bei denen die meisten Kunden nur den Naturkork als wertigen Verschluß akzeptieren, während die einfacheren Qualitäten durchaus mit alternativen Verschlüssen abgefüllt werden "dürfen".

 

In den letzten Jahren haben technische Entwicklungen, sowohl bei den Kunststoffkorken als auch bei den Schraubern, zu deutlichen Verbesserungen geführt. Früher waren Drehverschlüsse oft entweder undicht oder aber ganz luftdicht, wodurch bei ersteren der Wein ausgelaufen ist und bei letzteren ein förderlicher Gasaustausch unterbunden wurde. Heute kann man zwischen verschieden durchlässigen Drehverschlüssen wählen und der abgefüllte Wein kann sich durch den dosierten Sauerstoffkontakt besser entwickeln.

     Bei Kunststoffkorken ist die Entwicklung noch weitreichender. Die neueste Generation ist nach Aussagen des Herstellers aus "nachwachsenden, erneuerbaren Polymeren auf Zuckerrohrbasis" produziert, ist CO2- und damit klimaneutral und der Sauerstoffeintrag in den Wein ist genau regulierbar. Der "Zuckerrohrkork" ist absolut geschmacksneutral und kann die abgefüllten Weine bis zu acht (!) Jahren sicher vor Oxidation und Alterung schützen.

 

Beim Verschließen von Weinflaschen leistet der aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber) hergestellte Naturkork nach wie vor Erstaunliches. Schon die alten Ägypter verschlossen vor 4000 Jahren ihre Amphoren mit Korkstopfen.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts wird der heutige Flaschenkork verwendet.

Der in der Korkmaschine stark zusammengedrückte Korken dehnt sich im Flaschenhals wieder aus und dichtet über einen Zeitraum von 20 bis 40 Jahren so ab, dass Gase (Kohlendioxid und Sauerstoff) hinaus und hinein diffundieren können, die kostbare Flüssigkeit aber in der Flasche bleibt. Obwohl immer wieder behauptet wird, das dieser Gasaustausch für die Weinentwicklung keine Rolle spielt, zeigen viele wissenschaftliche Befunde und praktische Erfahrungen etwas anderes. Vor allem hochwertige Rot- und Weißweine, die oft länger gelagert werden, können während der Flaschenreife durch den Kork "atmen" und sich harmonischer entwickeln.

     Wenn nur der verdammte Korkgeschmack nicht wäre! Naturkork kann verschiedene chemische Substanzen (Trichloranisole, Phenole) an den Wein abgeben und denselben durch Muff- und Bittertöne verderben. Die Angaben über den Anteil "vermöpselter"

Flaschen weltweit schwanken zwischen 5 und 15 Prozent, was rund einer Milliarde (!) verkorkter Flaschen entspricht. Durch die Verwendung sehr sorgfältig produzierter - und entsprechend teurer - hochwertiger Korken eines namhaften portugiesischen Produzenten liegt der Anteil gestörter Flaschen in unserem Betrieb bei ca. 1 bis 2 Prozent - und die nehmen wir bei unseren hochwertigen Weinen nach wie vor in Kauf. Selbstverständlich werden korkige Flaschen ersetzt.

 

Während also bei komplexen Weinen die genannten psychologischenund technischen Gründe für den Naturkork sprechen, sieht das bei den einfachen und gehobenen Alltagsweinen ganz anders aus. Zum einen ist die Akzeptanz gegenüber alternativen Verschlüssen größer, zum anderen bleiben durch die höhere Gasdichtigkeit die gewünschten Eigenschaften wie Frische und Fruchtigkeit länger erhalten.

Und das alles garantiert ohne Korkgeschmack!

 

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren werden bei uns zur Zeit folgende Verschlüsse verwendet:

Die kohlensäurehaltigen Riesling- und Rosé-Seccos mit 2,5 Bar Druck in der Flasche müssen besonders dicht verschlossen werden, deshalb verwenden wir für die perlenden Weine den absolut undurchlässigen Kronkorken aus Edelstahl.

   Unser leichtfruchtiger Literwein wird mit dem unkomplizierten, praktischen Drehverschluss abgefüllt. Auch wegen des vertrauten "Plopps" werden die mittleren Qualitäten wie z.B. Blauschiefer, Rosé und Neefer Frauenberg mit hochwertigen Kunststoff bzw. dem neuartigen Zuckerrohrkork verschlossen.

     Bei den gehobenen Qualitäten verwenden wir den klassischen Naturkorken, dessen Behandlung und Aufarbeitung auch ständig verbessert wird.

Bei den "Übergangskandidaten" wie Kabinett, den anderen Zwei-Sterne-Qualitätsweinen und dem Cuveé X ist die weitere Verwendung des Naturkorks von dessen zukünftiger Qualität abhängig.

 

Wir denken, mit den verschiedenen Verschlüssen den unterschiedlichen "Ansprüchen" sowohl der Weine als auch unserer genußfreudigen Kunden und Kundinnen entsprochen zu haben und wünschen mit dem feinfruchtigen, rassigen 2014er ein vergnügliches Probieren.

 

Wir erheben das Glas auf unseren Patron und auf Sie, seine treuen Weinfreunde.

 


Mit freundlichen Moselgrüßen


Ihre Familie Stein




PS:
Weinbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter www.stein-weine.de oder peter.stein@stein-weine.de bzw. per Telephon 06542/9019119 oder Fax 06542/1360.
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